Im Vertrag des Schalker Top-Talents Donis Avdijaj ist eine Ausstiegsklausel vermerkt, wonach der 18-Jährige die Knappen um stolze 49 Millionen Euro verlassen dürfte. Seine... 18-monatiger Leihvertrag: Sturm Graz holt Schalkes schwieriges Toptalent Donis Avdijaj
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SK Sturm Graz - Wappen mit FarbenIm Vertrag des Schalker Top-Talents Donis Avdijaj ist eine Ausstiegsklausel vermerkt, wonach der 18-Jährige die Knappen um stolze 49 Millionen Euro verlassen dürfte. Seine Vorbilder sind Ronaldo und Messi, weil er nach eigener Aussage nur auf das „Größtmögliche“ steht. Für die Kampfmannschaft des FC Schalke 04 bestritt der U19-Teamspieler noch kein Pflichtspiel – nun soll Avdijaj in Graz Spielpraxis sammeln.

Donis Avdijaj steht beim SK Sturm Graz ante portas. Es ist von einem Leihgeschäft über 18 Monate die Rede, wobei Schalke den Jungstar bereits im Sommer vorzeitig zurückholen könnte. Eine Kaufoption beinhaltet der Deal natürlich nicht – Sturm wäre also, wie alle anderen, erst ab 49 Millionen Euro im Rennen um das Talent dabei…

++ Hier wird im Austrian Soccer Board über Donis Avdijaj diskutiert ++

Bereits in den vergangenen Monaten hielten sich Gerüchte um mögliche Leihgeschäfte Avdijajs hartnäckig. Er wurde mit Sandhausen und Darmstadt in Verbindung gebracht, naturgemäß interessierte sich auch RB Leipzig für die Dienste des gebürtigen Osnabrückers. Selbst dem FC Liverpool blieb das Potential des 18-Jährigen nicht verborgen. Um eine klare Win-Win-Win-Situation zu kreieren, entschied man sich nun aber für die österreichische Bundesliga, die Avdijaj auch die Möglichkeit eröffnen würde, in der Saison 2015/16 im Europacup zu spielen.

Einer für die Zentralachse

Die Spielweise Avdijajs erinnert ein wenig an den österreichischen Jungstar Sinan Bytyqi – nicht nur, weil auch Avdijaj perfekte Freistöße schießt. Im Gegensatz zu Bytyqi ist Avdijaj eher in der Zentrale zu Hause und kommt nur selten über die Flügel. Er ist ein antizipierender Angreifer, der sich auf der Zentralachse immer wieder nach hinten fallen lässt und Bälle auf die Seiten verteilt, während er sich in der Mitte eine gute Einschussposition sucht. Dabei kommen ihm vor allem sein Torriecher und seine Coolness im Strafraum zugute – Avdijaj braucht nicht viele Chancen, schließt eiskalt ab.

Schlampiges Genie mit großartiger Technik

Ohne Ball ist seine Schnelligkeit nicht außergewöhnlich, aber wenn er den Ball am Fuß hat, ist er nur schwer davon zu trennen. Seine enge Ballführung und gute Technik, sowie ein tiefer Schwerpunkt machen ihn in Ballbesitz zu einer echten Waffe. Obwohl er kein klassischer Zauberer ist und eher geradlinig und zielorientiert spielt, muss er noch an seiner Passgenauigkeit feilen und die Schlampigkeit in seinem Spiel abstellen. Dazu gehört auch die Bereitschaft Defensivarbeit zu verrichten und Räume in der Etappe zu sichern. Noch ist der Fokus in seinem Spiel nicht ausgeglichen genug und die Absicherung des Raumes wird da und dort vernachlässigt.

Tolle Spiele in der Juniorenbundesliga

In den deutschen Nachwuchsbewerben zerschoss der Offensivmann alles. In der U17-Bundesliga erzielte er in 53 Spielen 59 Tore für Schalke 04 und bereitete 15 weitere vor. In der U19, in der er bis vor einem halben Jahr spielte, traf er in 24 Spielen 17-mal. Dabei profitierte Avdijaj allerdings auch von der Schwäche einiger Gegner – auf internationaler Ebene, in der UEFA Youth League, wusste er nicht immer zu überzeugen und wurde des Öfteren mit Härte aus dem Spiel genommen. Die Reaktion auf eine solche Situation ist als eine von Avdijajs (momentanen) Schwachstellen zu werten, denn noch lässt er sich zu schnell entmutigen oder agiert zu verbissen bzw. will sein Glück erzwingen, wenn es in einer Partie nicht gut für ihn läuft. In solchen Phasen verliert er schon mal das Auge für seine Mitspieler.

An der Stamford Bridge auf der Bank

Für die deutsche U17-Nationalmannschaft erzielte Avdijaj zehn Tore in 13 Spielen – in die U19 schnuppert er gerade hinein. Für die zweite Mannschaft des FC Schalke 04, die in der Regionalliga West, also Deutschlands vierter Spielklasse spielt, debütierte er im August. Bis dato hält Avdijaj bei vier Treffern und einem Assist in elf Spielen, was als gute Bilanz für seinen Start in den „Erwachsenenfußball“ zu werten ist. Für das Champions-League-Spiel beim FC Chelsea wurde der damals frisch 18 Jahre alte Stürmer ebenfalls nominiert, kam jedoch erwartungsgemäß nicht zu seinem ersten Einsatz für die Kampfmannschaft.

Teuren fahrbaren Untersatz verschrottet

Für Aufsehen sorgte Avdijaj aber auch immer wieder außerhalb des Platzes. Vor zwei Monaten verschrottete er bei einem illegalen Straßenrennen einen knapp 160.000 Euro teuren Mercedes – er krachte in einen Lamborghini. Die Polizei ermittelte daraufhin wegen des Verdachts des „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“. Später wurde bekannt, dass Avdijaj doch nicht zu schnell unterwegs war.

Probleme mit der Disziplin

Zwischenzeitlich wurde Avdijaj zudem aus dem Kader der Schalke Amateure verbannt. Aus „disziplinären Gründen“, wie es von Vereinsseite heißt. Schalke-Sportchef Horst Heldt äußerte in einem Interview, dass Avdijaj ein riesiges Talent ist, Talent aber nicht alles sei. Es käme auch auf den Kopf ab – und genau auf eine Kehrtwende in ebendiesem hoffen die Gelsenkirchener, die den jungen Mann natürlich noch lange nicht abgeschrieben haben. U23-Coach Jürgen Luginger meint: „Donis muss erstmal mit sich ins Reine kommen, denn in dieser Verfassung hilft er uns nicht weiter!

Albanien statt Deutschland

Eine weitere interessante Entscheidung gab der Stürmer im vergangenen Oktober bekannt. Er würde der deutschen A-Nationalmannschaft nicht zur Verfügung stehen, wenn eine Einberufung eines Tages vor der Tür stehen sollte. Avdijaj möchte für Albanien spielen und sorgte mit seiner Begründung für Aufsehen in Deutschland: „Es ist meine definitive Entscheidung. Ich habe lieber mein Volk hinter meinem Rücken als ein ausländisches.

Wie kommt Foda mit dem Problemboy zurecht?

Ins Winter-Trainingslager reiste Avdijaj nicht mit. Mit Borgmann, Mickels, Multhaup, Kehrer und Platte nahm Roberto di Matteo fünf Talente, aber nicht sein vermeintlich größtes mit. Beim SK Sturm Graz wird es vor allem darauf ankommen, wie Franco Foda mit dem problematischen Topspieler umgehen kann. Wenn Avdijaj sich wohlfühlt und alles nach (seinem) Plan verläuft, kann er eine große Verstärkung für den aktuellen Tabellenfünften der tipico Bundesliga sein. Dies hört sich aber leichter an, als es schlussendlich aller Voraussicht nach ist.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen