Im Spiel der 27.Runde der österreichischen Bundesliga setzte sich der Außenseiter Admira Wacker Mödling im Auswärtsspiel gegen die Wiener Austria durch und bleibt damit... Analyse: Austria beißt sich am Defensiv-Bollwerk der Admira die Zähne aus
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_Damir Buric - Admira Wacker

Im Spiel der 27.Runde der österreichischen Bundesliga setzte sich der Außenseiter Admira Wacker Mödling im Auswärtsspiel gegen die Wiener Austria durch und bleibt damit auch weiterhin im Jahr 2017 ungeschlagen. Ausschlaggebend für den Erfolg waren eine gute Organisation in der Defensive und immer wieder gefährliche Nadelstiche nach vorne. Die Austria hingegen tat sich trotz viel Ballbesitz ganz schwer offene Räume zu finden und den Gegner konsequent in Bedrängnis zu bringen.

Austria übernimmt zu Beginn das Kommando

Bei den violetten Gastgebern gab es keine Überraschung bei der Formation und auch die Gäste aus Mödling liefen in ihrer im Frühjahr gewohnten Anordnung auf. Die Austria versuchte von Beginn weg die Partie unter Kontrolle zu bringen und in ihren gewohnten Rhythmus zu finden. Man ließ den Ball gut in den eigenen Reihen zirkulieren und setzte sich ziemlich rasch in der Hälfte des Gegners fest.

Die Admira hatte zu Beginn noch etwas Schwierigkeiten in die Partie zu finden und war sichtlich darum bemüht, die Anfangsphase gut zu überstehen und dem Gegner keine Räume anzubieten. Die Austria konnte jedoch in der frühen Phase des Spieles einige gute Durchbrüche über die Außen kreieren und so Gefahr erzeugen, jedoch kamen die daraus resultierenden Hereingaben nicht präzise genug und konnten so geklärt werden. Die Gäste aus der Südstadt überließen dem Gastgeber weitgehend den Ball und verzichteten auch auf das Anlaufen des gegnerischen Spielaufbaus.

Man formierte sich in der eigenen Hälfte zu einem kompakten 4-1-4-1 Block und konzentrierte sich darauf den Raum im Zentrum zu versperren und den Gegner auf die Flügel zu leiten, um ihm dann den Weg nach vorne abzuschneiden und Überzahl in Ballnähe zu kreieren. Das klappte zu Beginn nicht immer und man hatte speziell aufgrund der intelligenten Laufwege von Rechtsverteidiger Larsen Probleme bei der Übergabe der Spieler.

Admira stabilisiert sich und wird mutiger

Die Austria zeigte sich zu Beginn durchaus variabel und konnte mit einigen Anpassungen an den Gegner aufwarten. Einerseits kippte der Spielgestalter der Austria, Raphael Holzhauser, nicht so konsequent wie üblich nach hinten ab, sondern besetzte öfters den Raum im Verbund mit seinem Kollegen vor den aufbauenden Verteidigern. Zusätzlich setzte man auf asymmetrische Außenverteidiger, wodurch speziell Rechtsverteidiger Larsen sich sehr aktiv im Spiel nach vorne einschaltete und auch immer wieder als Raumöffner fungierte, während sein Pendant auf der linken Seite Martschinko etwas tiefer agierte und sich öfters aktiv auf einer Linie mit den Innenverteidiger am Spielaufbau beteiligte.

Die Admira reagierte auf diese Anpassungen indem sich der linke Mittelfeldspieler Starkl immer wieder nach hinten fallen ließ und die Admira sich so öfters einer Fünferkette in der Abwehr bediente. Dieses Mittel griff dann nach gut einer Viertelstunde besser, weil die Aufgaben klarer verteilt wurden und die Übergabe der Gegenspieler flüssiger vonstatten ging. Die violetten Gastgeber verzichteten etwas überraschend auf das aktive Gegenpressing nach Ballverlust und wollten den Gegner scheinbar auch zu längeren Ballbesitzphasen zwingen bzw. sie herauslocken und mögliche Fehler im Spiel mit dem Ball bestrafen. Diese Entscheidung erwies sich als eher kontraproduktiv, da sich die Gäste aus der Südstadt nach der wackeligen Anfangsphase mit den eigenen Ballbesitzphasen Ruhe und Sicherheit verschaffen konnten und immer besser in die Partie fanden. Dadurch wurde gleichzeitig die Defensive der Admira entlastet und sie konnte etwas durchschnaufen.

Kaum Chancen auf beiden Seiten, Admira schlägt eiskalt zu

Je länger das Spiel dauerte, desto ausgeglichener wurde die Partie, da die Austria deutlich seltener Lösungen gegen die gut gestaffelte Defensive der Gäste fand und oft gezwungen war ihre Angriffe abzubrechen, nach hinten zu spielen und das Spiel neu aufzubauen. Die Admira verstand es dazu immer besser den Zwischenlinienraum vor der Abwehr dicht zu machen und auch auf den Flügel nominelle Überzahl zu schaffen.

Offensiv agierte man jedoch lange Zeit noch zu ungenau, wodurch die chancenarme Partie vor sich hinplätscherte und vieles nur Stückwerk blieb. Die Gäste aus der Südstadt gingen dann doch etwas überraschend in Führung – nach einer tollen Aktion von Kapitän Toth, der von einer Unstimmigkeit zwischen Martschinko und Venuto profitierte und den Ball wunderbar auf den mitgelaufenen Zwierschitz chippte, der zum 0:1 vollendete. Die Veilchen wirkten sichtlich geschockt, während die Admira immer selbstbewusster in der Ballzirkulation wurde und auch defensiv nichts anbrennen ließ. So gingen die beiden Teams unter teils lautstarken Pfiffen von einigen Austria-Fans in die Kabine.

Austria geht nach der Halbzeit volles Risiko ein und wirft alles nach vorne

Die Veilchen kamen deutlich aktiver und mutiger aus der Kabine und schienen den Ernst der Lage erkannt zu haben. Man rückte gleich von Beginn der zweiten Halbzeit an mit der gesamten Mannschaft weit auf und versuchte den Ball schneller laufen zu lassen. Man griff auch wieder zum bewährten Gegenpressing und konnte sich so in der Hälfte des Gegners festsetzen. Man kam zwar zu zwei bis drei guten Szenen und hatte bei einem Lattenschuss etwas Pech, insgesamt biss man sich jedoch weitestgehend die Zähne an der gut organisierten Defensive der Admiraner aus.

Die Gäste formierten sich weiterhin in ihren 4-1-4-1 Block, der situativ auch mal zum 5-4-1 mutierte und ließen sich überhaupt nicht auseinanderziehen, geschweige denn, dass man dem Gegner offene Räume zum Bespielen anbot. Im Gegenteil, die Abstände zueinander wurden immer enger und die jeweiligen Mannschaftsteile wirkten gut abgestimmt. Gleichzeitig wurde man aber auch im Umschalten nach vorne im Vergleich zur 1.Halbzeit deutlich gefährlicher, da die Absicherung der Austria nach Ballverlust zu Wünschen übrig ließ und so fand man nach Ballgewinn immer wieder große Räume zum Kontern vor.

Aus den Abstimmungsproblemen bei der gegnerischen Defensive schlug man dann auch relativ rasch Kapital und erhöhte nach einem gut vorgetragenen Angriff auf 2:0 und sorgte damit für die Vorentscheidung. Der Trainer der Austria versuchte zwar nochmal mit einem Dreifachwechsel für neue Impulse zu sorgen und stellte auf ein offensiveres 4-1-4-1 um. Gefährlich wurde es aber nicht mehr und die Gäste aus der Südstadt spielten die Partie trocken nach Hause.

Fazit

Die Admira prolongiert ihre starke Form und zeigt eindrucksvoll auf, dass man nicht umsonst unter dem neuen Trainer Damir Buric ungeschlagen ist. Ausschlaggebend für den Erfolg war die über weite Strecken hervorragend organisierte Defensive, welche die gute Offensive der violetten Gastgeber vollkommen abmontierte und ihr kaum Raum zur Entfaltung zugestand. Offensiv wurde man mit Fortdauer des Spieles auch immer mutiger und konnte so immer wieder im eigenen Ballbesitz für Ruhe und Entlastung sorgen.

Die Austria hingegen muss sich vorwerfen lassen, dass man zu Beginn nicht konsequent genug den noch nicht gefestigten Gegner auch mittels Gegenpressing zu Fehlern zwang und die Admira so nach und nach an Sicherheit gewinnen konnte. Dazu blieb man zu ungenau im eigenen Spiel nach vorne und vermochte es zu selten im Spiel wirklichen Druck auf den Gegner aufzubauen. Am Mittwoch kommt es im Cup jedoch bereits zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften. Da könnten sich die Veilchen revanchieren und die Niederlage ausmerzen.

Dalibor Babic, abseits.at

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