Die Austria traf im Ausweichstadion im Prater auf den SV Mattersburg. Die Wiener rotierten und starteten mit sieben neuen Spielern in die Partie. Die... Analyse: Wiener Austria dreht Partie gegen SV Mattersburg
Pin It

_Larry Kayode - FK Austria WienDie Austria traf im Ausweichstadion im Prater auf den SV Mattersburg. Die Wiener rotierten und starteten mit sieben neuen Spielern in die Partie. Die Mattersburger kamen mit einem klaren Plan nach Wien.

Prinzipielle Ausrichtungen

Trainer Ivica Vastic hatte die Violetten bei ihrer Niederlage am Donnerstag gegen Spartak Trnava beobachtet und war mit einem 4-1-4-1 als Pressingformation angetreten. Seidl agierte beim burgenländischen tiefen Mittelfeldpressing meist etwas höher auf der halblinken Seite, fast neben Bürger, um dem Aufbau der Austria auf die rechte Seite der Mattersburger zu lenken. Klare Mannorientierungen waren immer wieder zu sehen, vor allem im Mittelfeld standen die Mattersburger meist eng am Mann. Die Übergabemechanismen funktionierten gut, Läufe aus dem Mittelfeld in die Tiefe konnten einfach verfolgt werden.

Im Ballbesitz wurde dieses 4-1-4-1 zu einem 4-3-3, wobei Seidl eine etwas tiefere Rolle als Sprangler einnahm, Jano war Ankerpunkt. Jener hatte durch sein breites Spektrum an Passdistanzen eine dominante Rolle inne, im Umschaltspiel gab es immer wieder hohe Bälle hinter die aufgerückte Austria-Abwehr oder direkt auf Bürger, der sich klug bewegte und für Bundesliga- Verhältnisse hohe Bälle auch recht gut verarbeiten kann.

Die Austria im Ballbesitz agierte nun wieder etwas konservativer an diesem Tag, Holzhauser kippte meist seitlich links ab, de Paula und Salamon schoben hoch und gaben Breite. Dies stand im Kontrast zu den Rollen Martschinkos und Larsens, die flexibel in die Halbräume kippen konnten um eine Raute im Mittelfeld zu bilden, wenngleich de Paula auch situativ mit Tajouri Position tauschte. Vukojevic war im Mittelfeldzentrum der Ankerpunkt, wurde jedoch kaum eingebunden, und agierte im Freilaufverhalten recht passiv.

Zwar rückten Tajouri und Pires immer wieder ein, agierten meist jedoch zu hoch, weshalb die Verbindungen zu Vukojevic recht schwach waren und man meist nur über die breiten Außenverteidiger spielen konnte, so entstand im Aufbau oft ein 3-1-0-4-2, wobei die Null hier den Abstand zwischen Sechser und den davor befindlichen Spielern verdeutlichen soll.

In der Defensive hatte man weiterhin mit dem Umschalten nach Ballverlust Probleme, immer wieder fand der SVM mit direktem Passspiel entweder Räume hinter der Austria Abwehr oder konnte sich durch das meist nur individuell praktizierte Gegenpressing der Austrianer leicht herausspielen.

Die Austria verschob in ihrem Mittelfeldpressing im 4-2-3-1 zwar kompakt ballorientiert, schaffte es jedoch selten richtigen Druck auf den Ballführer zu bekommen, weshalb es in Halbzeit eins immer wieder Szenen gab, wo der SVM durch hohe Seitenwechsel zumindest ansatzweise gefährlich wurde.

Tajouri und Friesenbichler stark, Austria kollektiv jedoch schwach

Zu Beginn der Partie konnte sich die Austria ein Übergewicht an Ballbesitz herausarbeiten, dies resultierte jedoch nicht unbedingt in Spielkontrolle. Dies lag vor allem an den Verbindungsproblemen ins Zentrum, das man nicht erfolgsstabil bespielen konnte. Oft musste man um die Mattersburger Pressingformation herumspielen. Dies war jedoch nicht allzu gravierend, da sich die einrückenden Flügelstürmer Pires und Tajouri, sowie auch Friesenbichler immer sehr gut in den Schnittstellen bewegten, bei den Mattersburgern Mannorientierungen für Zuordnungsprobleme sorgten und so vom Flügel immer wieder diagonale Pässe in die Spitze fordern konnten.

Zudem war die dynamische Strafraumbesetzung vom starken Friesenbichler ebenfalls immer wieder passend, sodass in 20 Minuten zwei Flanken nur knapp verpasst wurden.

Die zuvor erwähnten Verbindungsprobleme verursachten auch, dass Grünwald im Spiel kaum zu sehen war, eine tiefere Rolle hätte ihm durchaus mehr Spielanteile bescheren können.

Die Verbindungsprobleme der Austria in die Halbräume beziehungsweise in die Formation des Gegners hinein wären nicht allzu problematisch und könnten auf gewisse Art und Weise genutzt werden. Durch die zahlenmäßige und auch flächendeckende Mittelfeldpräsenz in der Mitte des Platzes zieht man natürlich den Fokus der gegnerischen Defensive auf diese Zone. Auf den Flügeln hat die Austria dribbelstarke Akteure, die so immer wieder in für sie gute Positionen gebracht werden könnten. Dafür müsste das Hineinkippen der Außenverteidiger öfter genützt werden, diese Positionswechsel nicht zu statisch erfolgen und vor allem die erste Aufbaulinie nicht allzu eng stehen.

Mattersburg simpel und effektiv, quasi „italienisch“

Das Mattersburger Pressing war, trotz Feldüberlegenheit der Heimischen, durchaus wirksam. Das Fünfer-Mittelfeld ermöglichte immer wieder dynamisches Herausrücken aus der Formation. Durch die Verbindungsprobleme der Austria hatte man somit immer wieder Situationen, wo man den Ballführenden aufgrund von  mangelnden Passoptionen vehement unter Druck setzen konnte. Durch das schwache Gegenpressing der Austria kamen die Mattersburger auch so immer zu aussichtsreichen Situationen, jedoch waren die Laufwege in der Offensive meist zu einfach zu verfolgen, weshalb man eigentlich kaum Chancen vorfand. Bis zur 29. Minute, als man sich erneut nach einem Konter über den Flügel durchsetzen konnte. Höller lief dem mit schlechtem Timing attackierenden Salamon auf rechts davon, Bürger wurde im Kopfballduell nach Höllers Flanke kaum von Windbichler und Almer bedrängt und konnte aus kurzer Distanz zum 0:1 einköpfen.

Die offensiven Abläufe der Mattersburgen waren simpel und klar zu erkennen, jedoch wirksam. Durch die Mannorientierungen und das tiefe Mittelfeldpressing versuchte man kurz vor dem eigenen Abwehrdrittel den Ball zu gewinnen, um dann auf den sich für Ablagen anbietenden Bürger vertikale Pässe zu spielen, die von den nachrückenden Achtern oft auf die in die Tiefe startenden, auf der Seite freien Flügel zu spielen. Die Flügel waren auf den Seiten meist frei, weil die Austria mit ihrer Dreierkette im Aufbau natürlich nicht die ganze Breite abdecken kann. Die Austria könnte auf der einen Seite entweder mehr Druck im Gegenpressing aufbauen, sodass der Mattersburger auf dem ballfernen Flügel zwar frei, jedoch nicht anspielbar ist. Der ballferne Außenverteidiger könnte auch tiefer agieren oder „einfach“ schneller nach hinten laufen, wenn die Austria den Ball verliert. Keine dieser drei Optionen werden konsequent durchgezogen, weshalb das Offensivkonzept der Mattersburger (und auch von Spartak Trnava) so gut funktionierte.

Ball hoch bolzen bringt’s… manchmal

Vor allem in den ersten zehn Minuten gab es kaum Veränderungen zu sehen, weder personell noch im Spiel. Mattersburg hatte natürlich nicht wirklich etwas zu verändern, während die Austria zwar wieder den Ball etwas länger zu zirkulieren wusste als in den letzten zehn Minuten der zweiten Halbzeit, jedoch änderte sich grundsätzlich nichts am Spiel der Violetten. Man griff vermehrt zu Flanken, aber ob dies klare Anweisung von Fink war darf bezweifelt werden. Es spricht schon prinzipiell wenig für Flanken, in diesem Spiel gab es jedoch wirklich kaum Indizien die darauf gedeutet hätten, dass man diese hätte fokussieren sollen.

In Minute 61 gab es dann Doppeltausch bei der Austria, Vukojevic und Pires gingen, Kayode und Venuto kamen. Letzterer konnte mit einem kurzen Dribbling im Strafraumm gleich einen Elfmeter herausholen, den er selbst verwandelte. Auch Vastic tauschte, Pink kam positionsgetreu für Bürger.

Die Austria hatte nun auf ein 4-2-4 umgestellt, Grünwald agierte neben Holzhauser etwas höher auf der Doppelsechs. Venuto spielte links, während Kayode sich neben Friesenbichler situierte. Die Austria musste nun aufgrund der formativen Nachteile die Bälle nach vorne bolzen, dies half jedoch dabei die im defensiven Umschalten ebenfalls nicht sonderlich starken Mattersburger zu entblößen. Nachdem sich Friesenbichler klug fallen gelassen hatte und einen tollen Wechselpass auf Venuto spielte fand dessen Hereingabe über Umwege Tajouri im Strafraum, der volley abschloss. Der Spielverlauf hatte auf eine Führung der Austria zugegebenermaßen nicht unbedingt hingewiesen, wenngleich man natürlich über die meiste Zeit mehr Spielanteile im Ballbesitz hatte. Diesen konnte man aus vorher bereits erwähnten Gründen jedoch nicht richtig nutzen und man konnte keine Durchschlagskraft erzeugen. In den zwei Szenen, die jeweils zu den Toren führten, hatte man nach Ballgewinn sehr direkt gespielt und die freien Räume in der Mattersburger Hintermannschaft auf dieselbe Art und Weise genutzt, wie es zuvor die Gäste getan hatten.

Austria verwaltet, offensive Probleme helfen dabei

Nach den zwei Toren war die Dynamik im Spiel der Austria jedoch wieder draußen, da das 4-4-2/4-2-4 selbst durch Abkippen Holzhausers weiterhin nur sehr schwache Verbindungen herstellte. Das im Ballbesitz entstandene 3-1-4-2  konnte durch die sehr enge erste Aufbaulinie nicht für eine effektive Ballzirkulation angewandt werden. Zudem war der Anker vor der Abwehr erneut jemand, dem die Rolle nicht unbedingt passt, nämlich Grünwald. Der sehr athletische Spieler mit der Nummer 10 bei der Austria hat seine Stärken im dynamischen Vorstoßen und nicht im Leiten des Spielaufbaus. Serbest ist im Austria-Kader wohl der einzige Akteur, der diese Rolle effektiv ausfüllen kann.

Die Problematik der fehlenden Durchschlagskraft war nun jedoch nicht mehr allzu sehr von Nachteil, da man ja mit der Führung im Rücken den Ball ohne viel Druck zirkulieren lassen konnte, wenn es sein musste einfach auch hinten herum. Das Wichtigste war einfach, dass die Mattersburger nicht an den Ball kommen, und dies konnte die Austria aufgrund der prinzipiellen Qualität ihrer Spieler recht gut bewerkstelligen. Zudem richtete man sich im Pressing etwas tiefer aus und ließ deswegen weniger Räume hinter der eigenen Abwehr offen.

Dies führte zu längeren Ballbesitzphasen der Mattersburger, die damit jedoch nicht unbedingt umgehen konnten. Ihre letzte Linie wurde im Angriff ja immer nach Ballgewinn recht schnell und zahlenmäßig besetzt, dies war nun ein Nachteil. Jano kam zwar vor der Abwehr öfters ungestört an den Ball, konnte diesen oft nur hoch nach vorne spielen, wo die Austria Abwehr jedoch schon tief genug stand und diese Bälle meist wegköpfen konnte. Nachdem in der letzten Minute Torwart Kuster bei einem Corner noch mit aufgerückt war, konnte Venuto nach einem Konter alleine aufs leere Tor laufen und auf 3:1 erhöhen.

Fazit

Die Austria hatte mit denselben Problemen wie gegen Trnava zu kämpfen, offensiv wie defensiv. Mattersburg kam mit dem idealen Matchplan nach Wien. Nach der glücklichen Elfmeterszene bekam die Austria Aufwind, das 4-2-4 und das eingewechselte Personal verstärkte schnelles Umschaltspiel, was zur 2:1 Führung führte. Der SVM konnte mit dem Rückstand das eigene System nicht passend genug adaptieren, um nochmal zurück ins Spiel zu finden.

David Goigitzer, abseits.at

Pin It

David Goigitzer