Traditionell wird nach jeder Herbst- und Frühjahrssaison gerne Bilanz gezogen. Besonders beliebt dabei ist es, einzelne Spieler zu einem Team zusammenzuwürfeln. Auch abseits.at will... Das abseits.at-Team der Frühjahrssaison der tipico Bundesliga 2015/2016
Pin It

Naby Keita - Red Bull Salzburg_abseits.atTraditionell wird nach jeder Herbst- und Frühjahrssaison gerne Bilanz gezogen. Besonders beliebt dabei ist es, einzelne Spieler zu einem Team zusammenzuwürfeln. Auch abseits.at will da um nichts nachstehen und präsentiert in diesem Artikel sein Team der Frühjahrssaison 2015/2016. Allerdings wollen wir uns dabei in gewisse Richtungen einschränken.

Der erste wesentliche Faktor dabei ist, dass jedes Team genau zwei Spieler stellen darf. Dementsprechend kann es vorkommen, dass man auf der einen oder anderen Position einen Spieler findet, bei dem man der Meinung ist, dass es dort isoliert betrachtet auffälligere bzw. bessere Alternativen geben würde. Der zweite Aspekt, nachdem nominiert wurde, ist die Balance.

Jörg Siebenhandl (Admira Wacker)

Die Besetzung der Torwartposition bleibt im Vergleich zum Fazit im Herbst personell unverändert. Die Rangliste führt nun aber Jörg Siebenhandl an. Auch wenn der 26-Jährige vereinzelt schlimme Patzer zeigte und in 34 Spielen ganze 47 Mal hinter sich greifen musste, so bestätigte der Admira-Schlussmann über die gesamte Saison gesehen sein breitgefächertes Fähigkeitsprofil. Als die Admira in den ersten Saisonspielen noch konterorientiert spielte, zeigte er ein starkes Reaktionsvermögen auf der Linie, im Frühjahr – als die Admira verstärkt spielerisch aktiv war – punktete er durch passendes Mitspielen.

Michael Esser (Sturm Graz)

Der SK Sturm war wohl, gemessen an den Fähigkeiten und Potenzialen, das inkonstanteste Team der heurigen Saison. Auf Michael Esser traf dies in aller Regel nicht zu – vor allem im Herbst. Nicht umsonst stieg er zum Kapitän auf. Dennoch hatte der Deutsche den einen oder anderen folgenschweren Aussetzer drinnen, was zusammen mit den im Gesamtpaket etwas beschränkteren technischen Fähigkeiten zur Rückreihung führte.

Wilson Kamavuaka (Sturm Graz)

Ein eher unscheinbarer, aber eminent wichtiger Akteur im Kader von Sturm Graz war und ist Wilson Kamavuaka. Der 26-Jährige wurde von Franco Foda entweder in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt und zeigte stets sehr verlässliche Aktionen. Seine Vorstöße mit dem Ball am Fuß aus der ersten Aufbaulinie heraus waren das wohl effizienteste Mittel im Ballbesitzspiel der Steirer. Gerade diese Eigenschaft macht ihn zu einem potenziell sehr starken Halbverteidiger in eine Dreierkette.

Christoph Schösswendter (Admira Wacker)

Als Kapitän des heurigen Überraschungsteams stand Christoph Schösswendter naturgemäß im Fokus der breiten Masse, vor allem nachdem seine Rückkehr zum SK Rapid bekannt wurde. Der 27-Jährige ist an und für sich ein klassischer Innenverteidiger-Typ, der besonders im körperlichen Bereich sehr stark ist. Mit dem Ball am Fuß beschränkt er sich auf die wesentlichen, risikoarmen Aktionen. Dennoch versucht er moderne Elemente in sein Spiel einfließen zu lassen und schaltete sich bei der Admira regelmäßig ins offensive Umschaltspiel ein.

Christopher Dibon (Rapid Wien)

Als linken Halbverteidiger haben wir uns für Christopher Dibon vom SK Rapid entscheiden. Der 25-Jährige kristallisierte sich als Führungsspieler heraus und überholte wohl auch in der internen Hierarchie seine Kollegen im Abwehrzentrum. Dibon verhält sich taktisch sehr balanciert, ist auch individuell ein durchaus kompletter Innenverteidiger und hat eine überaus saubere Passtechnik. Dass er zudem während seiner Verletzungspause durch Hineinschnuppern ins Scouting sein gruppentaktisches Verständnis weiterschulte, unterstreicht seine kolportierte vorbildhafte Einstellung.

Lukas Jäger (SCR Altach)

Der SCR Altach konnte die sensationellen Ergebnisse der Vorsaison erwartungsgemäß nicht bestätigen, hatte zwischendurch auch ernste Abstiegssorgen. Einzelne Spieler, die über längere Zeit herausragen konnten, gab es heuer nicht. Lukas Jäger war einer, auf dem dies noch am ehesten zutraf. Der 22-Jährige konnte von Trainer Damir Canadi auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden und lieferte dabei meistens sehr solide Leistungen.

Petar Filipovic (SV Ried)

Auch die SV Ried hatte gewissermaßen ein Führungsspieler-Problem. Einer, der hier meist in die Presche springen konnte, war Verteidiger Petar Filipovic. Der Kroate ist vermutlich sogar der Spieler, der ligaweit am besten für die linke Halbverteidigerposition geeignet ist. Seine individuellen Qualitäten sind sehr ausbalanciert, was vor allem durch dynamische Vorstöße eingebunden wird. Ein durchaus großes Manko ist allerdings seine Disziplin: 13 gelbe Karten und ein Platzverweis handelte er sich 2015/2016 ein.

Patrick Farkas (SV Mattersburg)

Der SV Mattersburg konnte die Serie der Sensationsaufsteiger nicht fortsetzen und fixierte erst in der vorletzten Runde den Klassenerhalt. Nach dem kuriosen Abgang von Karim Onisiwo könnte den Burgenländern im kommenden Sommer ein weiterer Leistungsträger abhandenkommen. Patrick Farkas zeigte nämlich trotz zwei jähriger Abstinenz, dass er ohne Frage zu den besten und vielseitigsten Außenbahnspieler der Liga zählt: athletisch außerordentlich stark, taktisch sehr verlässlich und auf beiden Seiten offensiv wie defensiv einsetzbar. Der Verlust des Kapitäns würde den SVM hart treffen.

Jano (SV Mattersburg)

Neben den beiden erwähnten Spielern war im Burgenland noch ein weiterer Akteur maßgeblich für gute Ergebnisse entscheidend: Jano. Der Spanier verfügt über ein extrem intelligentes Stellungsspiel und fängt ligaweit mit Abstand die meisten Pässe ab. Gerade in den Spielen, in denen Jano nicht wie gewohnt als Ruhepol wirken konnte und unachtsam war, war der SVM nicht nur defensiv sehr anfällig, sondern hatte im gesamten Offensivspiel keine Struktur.

Naby Keita (Red Bull Salzburg)

Es gibt wohl kaum jemanden, der die Wahl von Naby Keita zum besten Spieler der Saison anzweifelt. Nachdem er in der letzten Saison als bester Balleroberer der Liga glänzte, wurde er heuer offensiver eingebunden und war der Strukturgeber in allen Phasen des Salzburger Spiels. Vor allem aufgrund seiner Stärke im Dribbling und Dynamikfähigkeit war er von den Gegner kaum unter Kontrolle zu bringen. Der 21-jährige Guineer hat zweifellos das Zeug auch international zu einem außerordentlich starken Spieler zu werden.

Christoph Martschinko (Austria Wien)

Die umgekrempelte Wiener Austria erreichte zwar das ausgegebene Saisonziel, offenbarte phasenweise aber größere taktische Schwächen, weshalb es unter den Fans nach wie vor Kritik am Personal gibt. Auch Christoph Martschinko war zu Beginn der Saison nicht unumstritten, schaffte es aber den Verlust von Markus Suttner zu kompensieren. Dass die Veilchen die Kaufoption auf den spielerisch starken Außenverteidiger zogen, ist daher keine Überraschung.

Joachim Standfest (Wolfsberger AC)

Gerade viele Fans sahen die Karriere von Joachim Standfest schon öfter als einmal beendet. Der 35-jährige Routinier bewies aber gerade im Frühjahr, dass er nach wie vor das Zeug zu einem verlässlichen Bundesligaspieler hat. Im taktischen Bereich hatte er zwar immer schon gewisse Schwächen, für die klassischen Flügelläufe eignet er sich allerdings aufgrund seines großen Einsatz‘ durchaus gut. Man darf gespannt sein ob er diese physisch anspruchsvolle Spielweise weiterhin konstant auf den Platz bringen kann.

Martin Rasner (SV Grödig)

Den Abstieg des SV Grödig haben wohl viele Beobachter des österreichischen Fußballs – nicht nur Fans – herbeigesehnt. Aus fußballerischer Sicht verliert die Bundesliga aber einen durchaus interessanten Verein. Der eine oder andere Spieler könnte aber durchaus erhalten bleiben – zum Beispiel Martin Rasner. Der 20-Jährige überzeugte trotz wenig Erfahrung mit einer sehr abklärten, taktisch sauberen Spielweise und hielt das Grödiger Zentrum bestmöglich zusammen. Gegen Saisonende zeigte er zudem offensive Qualitäten.

Peter Tschernegg (Wolfsberger AC)

Der WAC gehörte zu den punktemäßig besten Teams im Frühjahr. Das lag vor allem daran, dass es Heimo Pfeifenberger schaffte, die Defensive zu stabilisieren. Eine wichtige Stütze war hierbei Peter Tschernegg, der bereits im zweiten Drittel durch geschickte Positionierungen und viel Einsatz regelmäßig die gegnerischen Angriffe stoppen konnte. In der Gefahrenzone fand man den 23-Jährigen zwar selten, er fädelte den einen oder anderen Angriff mit seinen öffnenden Pässen ein.

Alexander Gorgon (Austria Wien)

Mit Alexander Gorgon verliert die Wiener Austria im Sommer nicht nur einen beliebten, sondern vor allem einen äußerst wichtigen Spieler. Der Offensivspieler sicherte einerseits mit seinen 26 Scorerpunkten einige Punkte, war aber auch aufgrund seiner vielseitigen Spielweise am Verteilerkreis nicht zu ersetzen. Es wird interessant sein, ob der 27-Jährige mit dem Sprung ins Ausland auch jenen in den ÖFB-Kader schafft. Sollte das nicht der Fall sein, so zählt er wohl zu den stärksten österreichischen Spielern, die nie das Nationaltrikot tragen durften.

Florian Kainz (Rapid Wien)

Den stärksten Rapid-Spieler in der abgelaufenen Saison findet man ebenfalls am Flügel. Auch er dürfte die Bundeshauptstadt verlassen. Warum der 23-Jährige für die Hütteldorfer ein überaus wichtiger Spieler war, hat abseits.at vor kurzem erklärt. Zwar hat Rapid bereits einen überaus interessanten und starken Nachfolger gefunden; man kann sich aber dennoch bereits darauf einstellen, dass manche dem Österreicher besonders dann nachweinen werden, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Jonatan Soriano (Red Bull Salzburg)

Jonatan Soriano wird wohl solange in diversen fiktiven Auswahlteams vertreten sein, bis er nicht mehr in Österreich aktiv sein wird. Zwar zeigte die aktuelle Saison, dass auch der Spanier nicht gefeit vorm Zahn der Zeit ist, er aber nach wie vor der beste Stürmer der Liga ist – individuell und taktisch.

Thomas Fröschl (SV Ried)

Ein wichtiger Grund dafür, dass die SV Ried auch heuer lang gegen den Abstieg kämpfen musste, war das eigentlich nicht bundesligataugliche Personal im Angriff. Erst im Winter holten die Innviertler mit Thomas Fröschl einen Spieler, der diesem Standard entspricht. Immerhin vier Tore und zwei Assists schaffte der Rückkehrer, hatte so einen durchaus gewichtigen Anteil am Klassenerhalt.

Roman Wallner (SV Grödig)

Auch der SV Grödig hatte nach dem Verkauf von Lucas Venuto ein großes Personalproblem in der Offensive, sodass der Brasilianer auch Ende der Saison noch der beste Torschütze der Saison ist. Routinier Roman Wallner konnte die Grödiger mit seiner Schlitzohrigkeit im Finish immerhin noch in die Nähe des rettenden Ufers bringen.

Hannes Aigner (SCR Altach)

Mit Hannes Aigner schaffte es ein weiterer Ü30-Spieler in dieses Team. Der 35-jährige Altach-Kapitän nutzte bei seinen immerhin zehn Saisontoren ebenfalls seine große Routine, aber auch sein gutes Stellungs- und Kombinationsspiel aus.

Alexander Semeliker, abseits.at

Pin It

Alexander Semeliker

@axlsem