Auch das zweite Bundesliga-Wochenende des Jahres 2015 steigt ohne den SV Grödig. Nach der überraschend konsequenten Reaktion der Bundesliga, die den Salzburgern die Stadionzulassung... Grödigs Stadionmisere: Englische Wochen, Red-Bull-Hilfe und das Damoklesschwert Senat 3
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SV Grödig - Wappen mit FarbenAuch das zweite Bundesliga-Wochenende des Jahres 2015 steigt ohne den SV Grödig. Nach der überraschend konsequenten Reaktion der Bundesliga, die den Salzburgern die Stadionzulassung entzog, wurden die abgesagten Grödiger Heimspiele gegen Sturm Graz und den Wolfsberger AC auf den 11. bzw. 18. März verlegt. Termine, die womöglich ebenfalls nicht halten.

Das nächste Heimspiel ist jedoch für den 4.März gegen den SC Wiener Neustadt angesetzt. Der massiv in der Kritik stehende Grödig-Manager Christian Haas erklärte zuerst, dass ein Expertenteam im Einsatz sei, das dabei helfen würde, die Erdflecken „rasch durch neue Rasenteile zu ersetzen“. Dabei soll es sich um die Red-Bull-Baufirma „Bull-Bau“ handeln. Grödig hatte bei der Suche nach einem Ersatzstadion vorerst keinen Erfolg.

Grödig muss neuen Rasen verlegen

Der Zustand des Platzes ist jedoch zu marod, wie die Bundesliga und Grödig nun einsehen mussten. Der von Skandal über Skandal wandelnde Bundesligaverein erklärte, dass man einen neuen Rasen verlegen und eine Rasenheizung einbauen würde. Wohlwissentlich, dass alles andere die Lizenz für die Saison 2015/16 gefährden würde. Die Frist zur Abgabe der Lizenzunterlagen für die neue Saison ist mit dem 15.März festgesetzt.

Weitere Terminverschiebungen

Das herausgegebene Ziel der Grödiger ist es aber dennoch „spätestens am 18.März gegen den WAC“ im heimischen DAS.GOLDBERG Stadion zu spielen. Dies würde bedeuten, dass nicht nur das Heimspiel gegen Wiener Neustadt am 4.März, sondern auch das bereits einmal verschobene Aufeinandertreffen mit dem SK Sturm Graz am 11.März neuerlich verschoben werden müsste.

Beeinträchtigungen für andere Klubs

Dies impliziert natürlich auch ungeplante englische Wochen für andere Bundesligavereine. Sturm Graz, deren Spiel gegen Grödig möglicherweise sogar zweimal verschoben wird, ist hier das erste Opfer. Auch der Senat 5 der Bundesliga befasst sich mit dem Fall. Lizenzentzug, Punktabzüge oder Geldstrafen sind die Strafen, die der Lizenzausschuss aussprechen darf. Da zusätzlich zum Imageschaden auch tatsächliche Beeinträchtigungen für andere Vereine aufkommen, sind dies durchaus denkbare Maßnahmen.

Fans: Haas „präpotent“

Grödig-Manager Haas erntete weitere Kritik aus Fankreisen, indem er die notwendigen Terminverschiebungen herunterspielte. Es wäre nicht das erste Mal, dass in der Bundesliga Spiele neu angesetzt werden müssen. Die Öffentlichkeit kritisierte diese Verharmlosung einer außergewöhnlichen und im Voraus zu verhindernden Situation als „präpotent“. Dass sich Grödig nun damit rühmt (oder in der öffentlichen Meinung zu retten versucht), durch den Einbau einer Rasenheizung, 1 ½ Jahre bevor dies in der heimischen Bundesliga zur Pflicht wird, zukunftsweisend zu orientieren, mutet kurios an.

Statuten: Rasenheizung einbauen, wenn neuer Rasen verlegt wird

Es ist nicht das fortschrittliche Denken des Bundesliga-Problemkindes, das diesen Schritt nötig macht, sondern die nötige Fortführung des Spielbetriebs. Ohne Rasenheizung wäre Grödig wohl genauso schnell wieder in den Niederungen des heimischen Fußballs verschwunden, wie man aus ebendiesen aufgestiegen ist. Der Zustand des Rasens erforderte nämlich eine komplette Neuverlegung und da diese laut Senat 3, zuständig für Stadionbestimmungen, unumgänglich war, traten die Statuten in Kraft: Diese erfordern es nämlich, dass eine Rasenheizung eingebaut werden muss, sofern der Rasen komplett gewechselt wird.

Keine Kosten wie in Deutschlands 3.Liga

Der angekündigte Einbau einer Rasenheizung wirft weitere Fragen auf. Das Zeitfenster bis zum 18.März ist sportlich angesetzt. Zudem schnauften schon in der 3.Liga Deutschlands zahlreiche Vereine aufgrund der Kosten, die mit etwa 800.000 bis 900.000 Euro einmalig, sowie über 150.000 Euro laufend pro Jahr angegeben werden. Dies wäre für Grödig nicht zu stemmen, zumal es sich um eine einmalige Summe handelt, die etwa ein Fünftel des Jahresumsatzes oder ein Drittel des Personalbudgets pro Saison ausmacht.

Eine halbe Million und der Workaround

In Österreich fährt man allerdings (zum Glück) die Low-Budget-Schiene. Die kolportierten Kosten für die Rasenheizung im DAS.GOLDBERG-Stadion belaufen sich 500.000 Euro, die mit einer zugesagten Förderung der Bundesliga und langfristigen Mieteinnahmen durch den Red-Bull-Konzern finanziert werden sollen. Dass diese Mieteinnahmen alleine ausreichen, um die Heizung zu finanzieren, glaubt freilich niemand. Die aufgrund der ligainternen Konkurrenzsituation traurige Vermutung, dass Grödig damit zum „Friend with Benefits“ für die Roten Bullen wird, ist hier natürlich naheliegend. Auf der anderen Seite ist ein solches Szenario aber unumgänglich, was das Handeln der Vereine wieder legitimiert. Die Situation für den kleinen Verein ist zu prekär, um sich auch noch Sorgen über mögliche schlechte Nachrede machen zu können.

Prioritätensetzung

Bis übermorgen muss der SV Grödig ein Ausweichstadion für die nächsten Heimspiele bekanntgeben. Sämtliche auferlegte Fristen einzuhalten, hat für den aktuellen Tabellensiebten derzeit oberste Priorität. Denn auch wenn Christian Haas es zustande brachte, mit harter Arbeit und viel Herzblut einen Bundesligaverein auf die Beine zu stellen, begeht er mit „seinem“ Klub nun einen äußerst holprigen Pfad, der falscher Aufgabenpriorisierung in den letzten 1 ½ Jahren geschuldet ist. Die Umsetzung des Konzepts der Nachhaltigkeit wurde zwar begonnen, aber nicht in einem Stück durchgezogen – ein „österreichisches Problem“. Natürlich auch aus wirtschaftlichen Gründen. Der sprichwörtliche „saure Apfel“ ist für den SV Grödig durch das Zuwarten auf Notwendigkeit heute ungenießbarer als jemals zuvor. Angesichts der zu erwartenden zusätzlichen Strafen, müsste man vor dem landesweit eher ungeliebten Provinzklub und seinem umstrittenen Manager den Hut ziehen, wenn sie diese Krise kurz- und mittelfristig als Profiverein überstehen.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen