Nächste Woche startet die österreichische Bundesliga und Rapid steht weiterhin ohne spielaufbauenden „Sechser“ da. In letzter Zeit verdichteten sich allerdings die Hinweise, dass der... Guter Dribbler, spielintelligenter Abfangjäger: Wird Ivan Mocinic Rapids neue Schaltzentrale?
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Shop_SK Rapid Wien - Wappen mit FarbenNächste Woche startet die österreichische Bundesliga und Rapid steht weiterhin ohne spielaufbauenden „Sechser“ da. In letzter Zeit verdichteten sich allerdings die Hinweise, dass der Kroate Ivan Mocinic ante portas steht. Rapid springt mit der bevorstehenden Verpflichtung des 23-Jährigen finanziell über seinen eigenen Schatten und wird mit einem guten Spieler belohnt.

Um drei Millionen Euro darf der Rijeka-Kapitän seinen Stammklub sofort verlassen. Die Ausstiegsklausel würde Mocinic zum deutlich teuersten Rapid-Spieler aller Zeiten machen – es wäre der zweite Rekordtransfer innerhalb eines Sommers. Dennoch möchte Rapid nicht die volle Summe auf den Tisch klatschen und feilscht noch. Dies erweist sich jedoch als hart, da Rijeka nicht unbedingt auf schnelles Geld angewiesen ist. Vier der fünf lukrativsten Abgänge der Vereinsgeschichte fallen in die letzten zwei Jahre. Der Neun-Millionen-Transfer des damaligen Schützenkönigs Andrej Kramaric zu Leicester City hat den Verein aus der Kvarner Bucht weitgehend saniert. Teure Ablösen für neue Spieler zahlt Rijeka weiterhin nicht. Leistungsträger kosten die Kroaten im Schnitt jeweils eine halbe Million.

Enorm viele Interessenten in den letzten zwei Jahren

Mocinic ist ein Spieler, der bereits seit langer Zeit in zahlreichen Notizblöcken steht. Im Jahr 2014 wurde der damals 21-Jährige mit Inter Mailand und dem FC Liverpool in Verbindung gebracht. Das Interesse von Lazio Rom zieht sich bereits über Jahre. Vor einem halben Jahr wollte der damalige Celtic-Coach Ronny Deila den Kroaten nach Glasgow holen. Die Hoops holten aber den jüngeren Kristoffer Ajer und setzten Deila vor die Tür. Eintracht Frankfurt wollte Mocinic ebenfalls, entschied sich dann aber für Omar Mascarell. Rubin Kazan sagte der Rijeka-Kapitän erst vor kurzem ab, auch das Interesse von PAOK Saloniki und Hellas Verona im letzten Jahr soll ihn nicht sonderlich beeindruckt haben. Die Angebote für Mocinic bewegten sich stets zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro. Rapid bot bereits vor mehreren Wochen 1,5 Millionen, muss jetzt wo es eilt aber doch tiefer in die Tasche greifen.

Vater mit Österreich-Vergangenheit

Die Mocinics sind nicht nur eine Kickerfamilie, sondern haben auch Österreich-Bezug. Ivans Vater Efrem wechselte 1990 zum SV Casino Salzburg. Fortan blieb Mocinic zwölf Jahre in Westösterreich, kickte für Wals, Vöcklamarkt, Braunau, Lochen, Timelkam, den PSV SW Salzburg, Union Ostermiething und Eggelsberg. Für sieben Partien betreute er danach den PSV SW Salzburg in der Regionalliga West.

Ein anderer Typ als Petsos

Mit Mocinic würde Rapid keinen Sechser klassischer Prägung, sondern eher einen Box-to-Box-Midfielder, der auch horizontal einen hohen Radius abdeckt, verpflichten. Mit seinem Vorgänger Thanos Petsos hat er lediglich die Gefährlichkeit aus Distanzschüssen gemeinsam. Ansonsten ist der Kroate ein Kicker eines anderen Schlags. Während Petsos die ersten zwei Drittel speziell durch sein Kurzpassspiel dominierte, ist Mocinic ein Spieler, der sich häufiger in Dribblings traut und hierbei auch eine bessere Quote hat als der Grieche. Wie bereits in Bezug auf den zweiten Sechser-Kandidat Rapids, Lebogang Phiri, beschrieben, würde dies der Zentrale Rapids ohnehin gut tun, weil es ermöglicht die Linien des Gegners ungeordneter zu machen. Von den zentralen Mittelfeldspielern Rapids macht dies nur Schwab gelegentlich. Die anderen, Grahovac und Nutz, suchen eher die Breite und Sicherheit.

Mehr abgefangene Bälle als konkrete Balleroberungen

Mocinic würde bei Rapid jedenfalls für mehr Dynamik in der Zentrale sorgen. Das wichtige Asset, das der junge Kroate außerdem mitbringt, ist seine Ruhe am Ball und eine grundsätzliche Passsicherheit, die im Spiel Rapids natürlich essentiell ist. Gleichzeitig wird aber auch auf seinen jeweiligen Nebenmann eine wichtige Rolle zukommen, denn Mocinic hat in der Defensive physischen Aufholbedarf. Er ist kein Zweikampfmonster wie einst Markus Heikkinen, sondern eher ein eleganter Sechser, der nicht in zu viele Zweikämpfe geht, sondern eher versucht das Spiel zu lesen. Er weist mehr abgefangene Pässe, als tatsächliche Balleroberungen auf. Die Tatsache, dass Mocinic also eher ein Spieler ist, der gegnerische Fehler ausnützt, erfordert neben ihm einen Arbeiter. Das Mittelfeld Rapids wird mit Mocinic spielstärker, vor allem wegen seiner Spielintelligenz, läuft aber Gefahr auch leichtfüßiger zu werden.

Pendeln und Vertikalitätsprobleme

Zudem deckt Mocinic, der bereits eine Partie im kroatischen Nationalteam mitmachte, in der Breite einiges ab. Bei der U19-EM in Estland 2012 spielte er beispielsweise als rechter und linker Mittelfeldspieler in einem 4-4-1-1-System mit Mittelfeldraute und wirkte dort offensiv besser als defensiv. Mocinic könnte demnach in einem 4-2-3-1-System mit Doppelsechs/Doppelacht einen „pendelnden Sechser“ spielen, der seinen Fokus in Ballbesitz nicht zu sehr auf die Zentrale legt, sondern sich neben die Innenverteidiger fallen lässt. Was ebenfalls für dieses Stilmittel spricht ist das manchmal zu wenig vertikale Positionsspiel des Kroaten. Ähnlich wie Grahovac ist er kein Spieler der häufig in den gegnerischen Strafraum kommt, sondern eher bis zum Strafraum agiert. Mocinic‘ Vertikalität ist durchschnittlich, was zum Problem werden könnte.

Der Einfädler, der Rapid derzeit fehlt

Allerdings darf man sich von dieser manchmal fehlenden Vertikalität nicht blenden lassen, denn eine andere Eigenschaft des möglichen Rapid-Neuzugangs ist seine hohe Varianz bei entscheidenden Pässen. Während ein dominanter Sechser, der durch die Zentrale kommt und gerne selbst in die Tiefe geht, das gesamte Spielfeld vor sich hat und verschiedene Richtungen anvisieren kann, ist Mocinic ein chirurgischer Passspieler, der auch in schwierigen Situationen Lösungen findet, selbst wenn er nicht das ganze Spielfeld vor sich hat. Mocinic schafft es auch aus der Breite heraus, gut in die Spitze zu spielen, was wiederum wichtig für das Einfädeln von Torchancen ist. Man könnte es so zusammenfassen, dass der Kroate höchstwahrscheinlich nur wenige Tore oder Torchancen für Joelinton oder Jelic vorbereiten, dafür aber immer wieder die späteren Assistgeber in Szene setzen wird.

Sechser oder Achter

Rijeka spielte zuletzt sehr häufig in einem offensiven 4-3-3-System und Mocinic kam in der Staffelung als Achter vor einem noch defensiveren Sechser zum Einsatz. Den abkippenden Sechser wird der Kroate damit wohl auch bei Rapid nur dann geben, wenn er neben dem etwas offensiveren Schwab spielt. Wenn Mocinic die Doppelsechs mit Grahovac bildet, kommt die aufbauende Rolle wohl dem Bosnier zu, während Mocinic sich eine Reihe weiter vorne bewegen wird. Da er aber ohnehin beides, also Sechs und Acht, gut spielt, stellt dies kein Problem dar, sondern macht Rapid sogar etwas flexibler.

Der logische, nächste, nicht zu große Schritt

Die Vermutung liegt jedenfalls nahe, dass Mocinic als Typ gut zu Rapid passt. Der Kroate ist bodenständig, braucht ein stetiges Umfeld, kommt gut damit zurecht, wenn Mannschaften nicht jede Saison zur Gänze ausgewechselt werden, sondern in Ruhe wachsen. Angesichts des europaweiten Interesses am zentralen Mittelfeldspieler zeigt sich auch, dass Mocinic nicht leichtfertig wechselt und hundertprozentig daran interessiert ist, fix zu spielen. Auch, weil seine Teamkarriere im letzten Jahr ein wenig ins Stocken geriet, sollte der nächste Schritt für ihn kein zu großer sein. Bei der WM 2014 stand er im kroatischen Kader, im Herbst 2015 debütierte er für die Nationalelf, zur EURO fuhr er dennoch nicht mit, weil die Konkurrenz in der Mittelfeldzentrale zu groß war und sämtliche Sechser- und Achterkandidaten des kroatischen Teams Stammspieler bei Topklubs sind. Mocinic braucht als nächstes also einen Verein, bei dem er zum Schlüsselspieler werden kann und der zumindest eine Stufe höher einzuschätzen ist, als der NK Rijeka. Und diesbezüglich passt Rapid perfekt.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Josef

    Wenn es die Finanzen zulassen, solls so sein, dass Mocinic zu Rapid kommt. Ich frage mich allerdings schon, warum man nicht stärker in Thomas Murg vertraut. Er hat eigentlich alle Anlagen, um in die Rolle eines Spielgestalters hineinzuwachsen. Wenn es aber wieder nur gelegentliche Einsätze werden sollten, wird da nichts draus und er wird halt dann den Hut drauf hauen. Die eigentlich Baustelle ist sicher die Abwehr, besonders da nun Stangl weg ist. Sonnleitner ist ein netter Kerl, aber nicht in der Lage eine Abwehr zu ordnen. Schrammel ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Der Rest ist Durchschnitt. Die EM hat aber gezeigt, dass der Weg zum Erfolg über eine geordnete intelligente Abwehr mit schnellen, kampfkräftigen und lauffreudigen Spielern führt.

    • koro

      Ich finde da war Schösswendter ein super Transfer, der macht auf mich einen sehr guten Eindruck und wirkt wie ein Upgrade zu Sonnleitner. Ich denke Murg wird eher auf der 10 eingeplant und wird sich mit Hofmann abwechseln.

      Auf den AV Positionen sollten wir auf jeden fall noch handeln, da ist der verletzungsanfällige Schrammel, der ungelernte und unerfahrene Wöber, der fehleranfällige Pavelic und der durchschnittliche Auer einfach zu wenig.

    • Daniel Mandl

      Das sind zwei völlig unterschiedliche Position. Murg ist ein Zehner bzw. ein Halbraumspieler oder ggf sogar falsche Neun. Rapid benötigt nach dem Petsos-Abgang dringend einen abkippenden oder pendelnden Sechser. Das kann Murg schon aus körperlichen Gründen nicht spielen.
      Bei der Abwehr stimmen wir zu, allerdings nur was die Außenpositionen betrifft. Innen wird Rapid heuer sehr stark sein!