Die Wiener Austria war am Wintertransfermarkt bisher recht aktiv – besonders im offensiven Bereich. Omer Damari wechselte zu RB Leipzig, Roman Kienast zu Sturm... Raphael Holzhauers Neubeginn bei der Wiener Austria: Wo kann der Neuzugang helfen?
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Raphael Holzhauser (VfB Stuttgart)Die Wiener Austria war am Wintertransfermarkt bisher recht aktiv – besonders im offensiven Bereich. Omer Damari wechselte zu RB Leipzig, Roman Kienast zu Sturm Graz, dafür holte man Ronivaldo und Philipp Zulechner neu ins Boot. Nun verpflichteten die Wiener einen Spieler für das Mittelfeld: Raphael Holzhauser kommt vom VfB Stuttgart und unterschrieb einen Vertrag bis Sommer 2018. Wo kann er der Wiener Austria helfen? abseits.at nimmt den Transfer genauer unter die Lupe.

Der geborene Wiener Neustädter kann 36 Spiele in der deutschen Bundesliga vorweisen, schaffte den Durchbruch aber weder bei den Schwaben, noch beim FC Augsburg, wo er letzte Saison auf Leihbasis kickte. In der aktuellen Spielzeit wurde er sogar wieder zu den Amateuren abgeschoben. Mit dem Wechsel an den Verteilerkreis startet das ins Straucheln geratene Talent einen neuen Angriff im Profifußballgeschäft.

Pendelnder Achter beim VfB

Sein Debüt in der deutschen Liga feierte Holzhauser im Jänner 2012 gegen Schalke 04. In der Saison darauf hatte er seine bisher stärkste Karrierephase, als er für den VfB 30 Pflichtspiele machte und am Sprung zum Stammspieler war. Besonders in der Hinrunde gehörte er häufig zur Startelf. Dabei lief er zumeist als linker Achter in einer 4-3-3- bzw. 4-1-4-1-Grundordnung auf, die der damalige Cheftrainer Bruno Labbadia spielen ließ.

Holzhauser bestach dabei mit seiner Athletik, Technik sowie einem durchaus intelligenten und weiträumigen Bewegungsspiel. Besonders das Zusammenspiel mit seinen Nebenleuten klappte ausgesprochen gut. Am Flügel agierte mit Ibrahima Traore ein dribbelstarker Akteur, der sich oft zum Ball bewegte und diesen forderte. Die dadurch entstandenen Freiräume visierte Holzhauser immer wieder an. Besonders seine Diagonalläufe hinter den gegnerischen Außenverteidiger sorgten für beschleunigende Spielphasen. Er bot sich aber nicht nur am Flügel an, sondern ließ sich im Aufbau auch nach hinten fallen, da mit William Kvist meist ein Spieler für einfache Pässe als Sechser agierte.

Zudem unterstützte Holzhauser den Solostürmer im Pressing und war vereinzelt sogar der erste Spieler, der attackierte. Wenn es nötig war sicherte er aber auch den Raum hinter dem aufgerückten Flügelspieler ab. So war der 21-Jährige hinsichtlich der zurückgelegten Distanz stets vorne dabei, was aber nicht immer positiv war. Aufgrund seiner Körpergröße von 1,93m wirkte er zuweilen behäbig und konnte das Tempo selten über die gesamte Spieldauer aufrechterhalten. Von seinen 36 Bundesligaspielen absolvierte er nur zwei über die volle Distanz. Damit unterschied er sich am deutlichsten vom zweiten Achter, Christian Gentner, der ansonsten ein sehr ähnlicher Spielertyp ist.

Mit den beiden auf den Achterpositionen sowie den defensivtaktisch hervorragenden Kvist dahinter hatte der VfB also ein schlagfertiges Zentrum und belegte in der Tabelle sogar zwischenzeitlich Platz sechs. Aufgrund seiner fehlenden Konstanz musste Holzhauser aber im Frühjahr 2013 vermehrt von der Ersatzbank zusehen. Ein weiterer Grund war eine Systemumstellung auf ein 4-2-3-1, wo neben Gentner mit Artur Boka ein Spieler agierte, der als Sechser besser geeigneter war. Für das zentrale offensive Mittelfeld wurde der Rumäne Alexandru Maxim verpflichtet.

Verkappter Flügelspieler in Augsburg

Auch wenn die Rückrunde für Holzhauser nicht nach Wunsch verlief, so hatte man dennoch das Gefühl, dass die Schwaben mit dem Youngster längerfristig planen würden. Für die Saison 2013/2014 wurde er schließlich an den FC Augsburg verliehen – ein durchaus sinnvoller Schritt. Die Konkurrenz bei den Bayrischen Schwaben schien überschaubar und mit Markus Weinzierl hatten sie einen kompetenten Mann an der Seitenlinie, der auch jungen Spielern Chancen gab.

Holzhauser bekam zu Saisonbeginn das Vertrauen, durfte aber nicht auf seiner angestammten Position im Zentrum ran, sondern wurde als nomineller linker Flügelspieler aufgeboten. Ein Schachzug, der für beide Seiten nach hinten losging. Zwar rangierte der FCA nach drei Siegen aus den ersten fünf Spielen auf Platz sechs, rutschte in den nächsten fünf Runden aber wieder auf Platz 15 ab. Für Holzhauer gewissermaßen das Ende seines Gastspiels. In der restlichen Saison stand er nur mehr 81 Minuten auf dem Platz.

Das Problem auf der Außenbahn lag auf der Hand: Holzhauser war schlicht zu statisch für ein geeignetes Flügelspiel. Er drängte oft in die Mitte, wo er zwar an und für sich gut kombinierte, aber die Seite verwaisen ließ. Problematisch war aufgrund seiner überschaubaren Schnelligkeit zudem das Umschaltspiel. Mit Tobias Werner übernahm fortan ein gänzlich anderer Spielertyp die linke Flanke: klein, wendig und sehr geradlinig. Auch im Zentrum hatte Weinzierl für den ÖFB-Legionär keine Verwendung, da sich mit Daniel Baier, Halil Altintop und Kevin Vogt ein eingespieltes Trio herauskristallisierte.

Während der FC Augsburg mit seinem schnörkellosen Spiel die Bundesliga eroberte und den Einzug in den Europacup nur knapp verpasste, kämpfte der VfB Stuttgart gegen den Abstieg. Erst spät konnte dieser verhindert werden. Für die neue Saison holte man mit Armin Veh einen neuen Trainer, unter dem Holzhauser aber ebenso wenig Berücksichtigung fand wie unter dem aktuellen Coach, Huub Stevens. Dass der Österreicher die Schwaben im Winter verlassen würde, war klar. Geworden ist es nun die Austria.

Austrias Probleme im zentralen Mittelfeld

Dass Holzhauser auch in Wien auf dem Flügel spielen wird müssen, kann man prinzipiell ausschließen. Nur in Ausnahmefällen könnte dies der Fall sein. Er wurde wohl vielmehr mit dem Gedanken verpflichtet, die Probleme im violetten Zentrum zu beheben. FAK-Trainer Gerald Baumgartner ließ dort im Herbst die unterschiedlichsten Varianten spielen. Zu Saisonbeginn gab es mit dem Trio Mario Leitgeb, David de Paula und Alexander Grünwald eine an und für sich sehr homogene Besetzung. Die schlechten Resultate erzwangen aber nach und nach Umstellungen.

Einerseits wurde die Grundformation von einem 4-3-3/4-1-4-1 relativ schnell auf ein klares 4-2-3-1 umgestellt, andererseits gab es personelle Rochaden. Die meiste Einsatzzeit auf den Sechserpositionen können James Holland und Mario Leitgeb vorweisen – zwei Spieler, die enorm gute Balleroberer und Pressingspieler sind, aber spielerisch Abstriche machen müssen und kaum gefährliche Aktionen einfädeln. Wie sehr sich die beiden ähneln kann man anhand der nachstehenden Grafik – sie zeigt die Statistikwerte im Vergleich zu den jeweiligen Ligabesten – erkennen.

Holland-Leitgeb

Spielten Holland und Leitgeb zusammen, fehlte der nominell gut besetzen Offensive der Veilchen oft die Bindung. Taktische strukturierte Abläufe im zweiten Drittel sah man kaum, stattdessen mussten sich die Wiener auf die individuelle Klasse der Einzelspieler verlassen. Gegen Ende der Herbstsaison steuerte Baumgartner dem ein wenig entgegen, indem er mit Tarkan Serbest einem talentierten Spieler mit gutem Passspiel und soliden Defensivqualitäten das Vertrauen schenkte. Dem unerfahrenen 20-Jährigen über eine längere Zeit die gesamte Verantwortung zu übertragen wäre aber ein zu hohes Risiko.

Das fehlende Puzzlestück zur Konstanz?

Die Wichtigkeit dieser Rolle erkennt man vor allem wenn man sich die Meistersaison 2012/2013 ansieht. Mit Florian Mader hatten die Veilchen damals einen herausragenden Verbindungsspieler, dessen weiträumiges und strukturierendes Passspiel sich sehr gut mit den spielmachenden Qualitäten von Alexander Grünwald ergänzte. Mader ist mittlerweile aber einerseits von der damaligen Form weit entfernt und passt vom Typ her auch nicht optimal zur anvisierten Pressing-Philosophie Baumgartners.

Holzhauser könnte sich daher als fehlendes Puzzlestück zur damaligen Konstanz und Dominanz auf der Zentralachse erweisen. Der Neuzugang könnte entweder eine Alternative auf der Zehnerposition darstellen, oder seine Paraderolle als pendelnder Achter in einem 4-3-3 einnehmen, während Holland oder Leitgeb als absichernder Sechser agieren würde. Grünwald könnte dann in seine Rolle aus der Meistersaison als höchster, nach rechts versetzter Zentrumspieler schlüpfen. Mit Daniel Royer haben die Veilchen am linken Flügel zudem einen Spieler mit ähnlichem Bewegungsprofil wie Traore.

Im Vergleich zu Holland und Leitgeb verfügt Holzhauser über eine bessere Technik, ein strukturierteres Passspiel und ein stärkeres Dribbling. Andererseits ist er athletischer als Mader und wohl konstanter als Serbest. Der Transfer macht aber nicht nur aus Sicht der Wiener Austria Sinn. Holzhauser könnte damit nämlich eine ähnliche Entwicklung wie Julian Baumgartlinger nehmen. Der 27-Jährige wagte 2009 einen temporären Rückschritt, wechselte zwei Jahre später zurück nach Deutschland und ist mittlerweile ein wichtiger Akteur im ÖFB-Team.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem