Zum Abschluss des ereignisreichen Fußballjahres 2015 trafen wir uns mit Christoph Peschek, Geschäftsführer der SK Rapid GmbH, und ließen für Rapid außergewöhnliche Monate Revue... Rapid-Geschäftsführer Peschek: „Der Gesamttrend ist aus meiner Sicht sehr positiv“
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Christoph Peschek - SK Rapid Wien_abseits.atZum Abschluss des ereignisreichen Fußballjahres 2015 trafen wir uns mit Christoph Peschek, Geschäftsführer der SK Rapid GmbH, und ließen für Rapid außergewöhnliche Monate Revue passieren.

abseits.at: Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Wie würdest du es in zwei bis drei Sätzen zusammenfassen?

Christoph Peschek: Ich kann’s auch in drei Wörtern zusammenfassen: Herausfordernd, emotional, erfolgreich.

Keine schlechten Seiten?

Herausfordernd. (lacht) Nein, die positiven Seiten überwiegen natürlich. Es war zweifelsohne herausfordernd, weil eine neue Aufgabe natürlich auch mit notwendigen Veränderungen und viel Einsatz verbunden ist. Letztlich denke ich aber schon, dass wir auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken können.

Im neuen Geschäftsjahr wird Rapid wohl 40 Millionen Euro Umsatz machen. Wie setzen sich diese 40 Millionen ungefähr zusammen? Wie viel Prozent dieses Umsatzes sind dem Erfolg in der Europa League geschuldet, wie viel den Sponsoren, den Transfers…?

Das ist aus heutiger Sicht schwierig im Detail zu prognostizieren, weil wir in diesem Geschäftsjahr noch zwei Transferfenster, Jänner sowie Juni, und das gesamte Frühjahr haben. Daher kann es noch zu Verschiebungen kommen. Im letzten Jahr lag der Gesamtumsatz bei 24,6 Millionen Euro, national rund 21,4 Millionen. Transfers und Europa League Erlöse tragen natürlich einen beträchtlichen Teil dazu bei, dass wir den Umsatz nun signifikant steigern können. Aber auch der nationale Umsatz wird gesteigert werden. Für eine prozentuelle Aufschlüsselung ist es zu früh, aber in der Tat gehen wir gegenwärtig von rund 40 Millionen Euro Gesamtumsatz aus.

Würden wir davon ausgehen, dass in der nächsten Runde gegen Valencia Endstation ist: Wie viel Geld machte Rapid mit dem Europacupjahr?

Über zehn Millionen Euro. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass man nicht Einnahmen gleich Gewinn rechnen darf. Spielerprämien, organisatorische und logistische Kostenstellen müssen berücksichtigt werden.

Wie ist vor dem Hintergrund dieser veränderten wirtschaftlichen Situation der Status Quo?

Per se sind wir kein Sparverein, wollen aber dennoch ein gutes wirtschaftliches und sportliches Ergebnis erzielen. Uns ist es sehr wichtig, dass wir das negative Eigenkapital abgebaut haben, sodass der SK Rapid mit Stand heute agieren kann und nicht reagieren muss. Demzufolge werden die wirtschaftlichen Einnahmen bzw. der Gewinn mit Sicherheit nicht verprasst, sondern nachhaltig investiert. Das sind etwa Vertragsverlängerungen, das langfristige Binden von jungen Talenten und Optimierungen in der Infrastruktur. Gleichzeitig wollen wir uns aber auch gewisse Reserven zurückhalten, um im Fall der Fälle auch auf dem Markt aktiv sein zu können.

Bedeutet das, dass Rapid in Zukunft auch höhere Gehälter zahlen kann oder wird bzw. wird es ein neues Prämiengefüge geben?

Wir haben bereits begonnen im Personalbereich Sport Veränderungen durchzuführen und den Leistungsfaktor noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Betreffen die Änderungen die gesamte Mannschaft oder kann es passieren, dass es Ausreißer gibt? Etwa Spieler, die durch die veränderte Lage zu echten Topverdienern werden, während andere – womöglich noch mit alten Verträgen – „hinterherhinken“. Wird das Gefüge als Ganzes gehoben?

Hier muss man zwei Dinge unterscheiden: Es ist arbeitsrechtlich vorgegeben, dass Spieler bei Rapid Dienstverträge haben. Hier handelt es sich um individuelle Vereinbarungen, die zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer getroffen werden, die nicht einfach über alle verändert werden können, sondern im Zuge von Vertragsgesprächen einzeln besprochen und adaptiert werden. Die andere Seite sind allfällige Team-Prämien, für die sich die sportliche Leitung mit dem Spielerrat zusammensetzt, um diese auszuhandeln. Alle Gespräche werden aber immer unter Rücksichtnahme auf eine Gehaltspyramide geführt und diese ist ein Gesamtkunstwerk. Nicht vergessen darf man zudem, dass eine kurzfristige deutliche Anhebung des Gehaltsbudgets zumindest mittelfristige Folgen hätte, da ja ein Großteil unserer Spieler mehrjährige Verträge hat. Wir wollen weiter am Ziel festhalten, ab der kommenden Saison mit den Einnahmen aus dem nationalen Bewerb ausgeglichen budgetieren zu können und nicht auf zusätzliche Transfereinnahmen angewiesen zu sein!

Ist man bereit, diese Pyramide größer zu machen, um einfacher wichtige Spieler halten zu können?

Auch wenn es uns dieses Jahr wirtschaftlich sehr gut geht, werden wir trotzdem nicht über unsere Verhältnisse leben und uns auch für den Worst Case rüsten, sollten wir – aus welchem Grund auch immer – einmal nicht international spielen. So gesehen ist es klar, dass der SK Rapid weiterhin jeden Cent doppelt bis dreifach umdrehen wird. Aber im Erfolgsfall wird besondere Leistung besonders prämiert. Dazu sollte man auch stehen. Geht’s dem Unternehmen gut, sollte es auch den Mitarbeitern gut gehen – bei gleichzeitiger Reduktion des Risikos.

Als wir uns vor etwa zehn Monaten das letzte Mal zu einem Interview trafen, meintest du, dass das Personal beim SK Rapid weiter aufgestockt wird. Damals gab es schon 13 neue Mitarbeiter. Wird auch 2016 aufgestockt werden? Wenn ja, wann und in welchen Bereichen?

Auch auf dem Personalsektor wird es weiteres Wachstum geben, aber nicht in derselben Relation wie zu Beginn meiner Tätigkeit. So wurden beispielsweise bereits ein Vertriebsteam geschaffen und die Bereiche Finanzen, IT und Klubservice aufgestockt. Wir werden im Frühjahr einen Klubjuristen anstellen, wir haben bereits einen zusätzlichen IT-Systemadministrator eingestellt und zum Thema Rapideum und Stadionführungen einen sehr engagierten Mitarbeiter angestellt. Wir rüsten uns also jetzt schon für die künftigen Herausforderungen. Was weiteren Personalzuwachs anbelangt, kann es diesen noch punktuell geben. Aber natürlich werden wir auch in dieser Hinsicht eine gewisse Flexibilität wahren und Entwicklungen abwarten.

Wie viele Menschen arbeiten aktuell beim SK Rapid?

Aktuell stehen wir bei 110 Dienstnehmern. Im Non Sports Bereich waren es vor meiner Zeit etwa 35 Mitarbeiter, jetzt stehen wir bei 50, exklusive geringfügig Beschäftigter, aber inklusive Teilzeitbeschäftigter.

Gibt es konkrete Planungen zu nachhaltigen Investitionen in nächster Zeit?

Wir haben bereits jetzt die Infrastruktur optimiert: Klimageräte in den Sporträumlichkeiten des Happel-Stadions, der Kunstrasenplatz hier in Hütteldorf… Wir sind aber auch in Gesprächen, wie wir das Trainingszentrum insgesamt weiter optimieren können. Auch am Standort Happel-Stadion ist noch ein Kunstrasen neuester Generation notwendig und es gibt einen Mehrbedarf an Trainingsplätzen. Die aktuell von uns genutzte Fläche entspricht nicht dem Idealzustand, den wir aber in ebendiesen Gesprächen anstreben. Wenn das am aktuellen Standort nicht möglich ist, werden wir natürlich auch prüfen ob und welche Alternativen es gibt.

Thema Sponsoren: Kannst du uns einen Statusbericht zu Lyoness geben? Der Deal kam damals ja relativ plötzlich und unerwartet zustande, läuft jetzt schon ein halbes Jahr. War die Zusammenarbeit bisher erfolgreich?

Absolut! Die Kooperation ist auch deswegen ein Role Model, weil sie den Community-Gedanken, den wir sehr stark leben, sehr positiv widerspiegelt. Wir sind mit der bisherigen Zusammenarbeit sehr zufrieden und viele Rapid-Fans nutzen die Rapid Cashback-Karte. Lyoness plant mit anderen Vereinen ein ähnliches Kooperationsmodell und die Vorreiterrolle, die mit Rapid eingenommen wurde, gilt als positives Beispiel. Diesem Beispiel will Lyoness in anderen Ländern folgen, unterstützt jetzt auch Slavia Prag und die Eishockeyspieler von Slovan Bratislava. Das hat aber auf unsere Zusammenarbeit keinen direkten Einfluss. Da es auch da und dort kritische Stimmen zur Zusammenarbeit mit Lyoness gab, ist es auch ein erfreulicher Punkt, dass das Wiener Straflandesgericht das Verfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft teilweise eingestellt hat.

Wie kam die Crowd Investing Idee „Rapid InvesTOR“ zustande? Auch diese kam für den Fan praktisch aus dem Nichts und plötzlich war man siebenstellig…

Bereits zur Mitgliederversammlung mit der Präsentation des Stadionprojekts im Juni 2014 haben wir überlegt, die Rapid-Fans ins Jahrhundertprojekt Allianz Stadion miteinzubeziehen. Im Zuge der Kreditverhandlungen mit den Bankinstituten waren zusätzliche Finanzierungsformen des Stadions ein Thema. Speziell unsere Finanzfachleute haben sich dann damit intensiv auseinandergesetzt und diese Initiative gestartet. Wir sind von der hervorragenden Resonanz und der unglaublichen Teilnahme mehr als nur angetan.

Hättest du dir solche Summen erwartet? Was hättest du dir anfangs von dieser Initiative erwartet?

Nein. Unser Ziel war es, Österreichs erfolgreichste Crowd Investing Initiative zu gestalten und das haben wir bereits nach knapp einer Woche erreicht. Die Investitionssumme ist mehr als doppelt so groß, als beim bisher größten Crowd Investing Projekt in unserem Land. Das Projekt zeigt einmal mehr die Kraft der Rapid-Community und, dass die Rapid-Fans absolut bereit sind, den Weg gemeinsam mit dem Verein zu gehen. Das ist neben der finanziellen Summe und der Tatsache, dass wir lieber unseren Fans den Zinsen zahlen, als den Banken, auch etwas, das sehr erfreulich ist.

Sind für 2016 neue Sponsoren in Aussicht? Hat Rapid überhaupt noch Kapazitäten für weitere große Sponsoren? Mittlerweile sind einige große Partner da, die freien Plätze am Trikot werden weniger. Über welche möglichen Kanäle kann man überhaupt noch Sponsoren unterbringen?

Der professionellen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Eine Partnerschaft, auch mit größeren Firmen, kommt nicht ausschließlich durch eine Präsenz am Trikot zum Ausdruck. Das kann ein sehr wichtiger Teil sein, aber es geht immer um ein Gesamtpaket. Es gibt jedenfalls noch Möglichkeiten für Kooperationen. Wir haben seit 1.Juli 2015 einen Vertrieb, der proaktiv in den Markt geht. Das passiert mit zwei Aufgaben: Einerseits den Hospitality-Bereich zu füllen, möglichst viele Business-Partner zu gewinnen und ihnen vor Augen zu führen, welchen Mehrwert der Business Club des SK Rapid für sie bringt. Andererseits auch die Bedürfnisse unserer Partner kennenzulernen und sie bei der Verwirklichung ihrer Ziele zu unterstützen und dahingehende Angebote zu unterbreiten, die letztlich auch in einem Sponsoring gipfeln können. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch hier wachsen können.

Wie läuft die Vermarktung des Hospitality-Angebots?

Auch hier sind wir auf einem sehr guten Weg und ich bin zuversichtlich, dass wir auch in diesem Bereich eine zumindest 80%ige Auslastung erreichen werden. Bis dato gibt es noch immer mehr Interessenten als Logen. Allerdings ist Interesse noch nicht gleichbedeutend mit unterschriebenem Vertrag. Manche entschieden sich, Business-Pakete zu kaufen, andere wollen eine Loge kaufen, aber auch hier wird hervorragende, professionelle Arbeit geleistet und liegen wir sogar über unseren Erwartungen und dem Absatzplan mit heutigem Stand.

Was erwartet ihr euch vom Abo-Verkauf zur neuen Saison und wie positiv oder negativ war das Feedback zu den Verkaufsmodalitäten?

Sowohl zu den Abopreisen, als auch zum Verkaufsmodell bekamen wir überwiegend positives Feedback. Klar ist, dass bei einer derartig großen Anzahl von Betroffenen, nie alle glücklich gemacht werden können. Wir haben uns aber darum bemüht, ein bestmögliches, transparentes Modell zu entwickeln. Wir haben die Public Abo Anzahl auf 15.000 begrenzt. Die Business-Partner wären in Maximalauslastung 2.500. Es werden also maximal 17.500 Jahreskarten verkauft. Der Rest wird über Tageskarten erwerbbar sein.

Wie geht man mit Härtefällen um, die man vielleicht nicht gleich glücklich machen kann? Klassisches Beispiel: Ein Vater, der bereits seit zehn Jahren sein Abo hat, ging bisher immer mit seinem kleinen Sohn ins Stadion, der sein Abo erst seit drei Jahren hat. Anderes Beispiel: Ein Fan hat seit 15 Jahren ein Abo, musste aber wegen eines Auslandsaufenthalts ein Jahr aussetzen. Haben diese Fans die Möglichkeit mit dem Verein zu reden oder sagt der Klub: „Sorry, ist so, da kann man nichts machen“?

Ich muss mich leider wiederholen. Die Schwierigkeit ist, dass es kein Modell gibt, das alle glücklich macht und auf alle individuellen Situationen optimal Rücksicht nehmen kann. Wir wollen und gehen den Weg der Transparenz und haben uns daher auch dazu entschieden, ein klares und transparentes Modell zu präsentieren, sodass uns niemand den Vorwurf machen kann, dass sich irgendjemand etwas gerichtet hat oder es in irgendeiner Weise Packelei gibt. Und das Ganze zu Preisen, die auch angesichts dessen, dass wir ein Stadion finanzieren müssen und eine sportlich erfolgreiche Mannschaft haben wollen und künftig Umsatzsteuer zu entrichten haben, die sehr ausgewogen sind. Wir können daher nur um Verständnis werben. Das aber natürlich bei gleichzeitigem Bemühen, optimal auf die Anfragen zu antworten und bei den diversen Anfragen bzgl. Sitzplätze behilflich zu sein. Ich habe auch eine Idee gelesen, Durchschnittswerte innerhalb von Gruppen zu errechnen. Das würde einen logistischen Aufwand bedeuten, der im Tagesbetrieb gar nicht zu bewältigen ist und der Missbrauch ermöglichen würde. Da wir all unsere Abonnenten und Mitglieder sehr wertschätzen, wollen wir alle transparent und fair behandeln – das war das Bemühen dahinter. Natürlich haben wir die Abonnenten-Anzahl und –Verteilung der letzten Jahre im Hanappi-Stadion und auch im Happel-Stadion genau analysiert. Selbst wenn alle Nord- und Süd-Abonnenten aus dem Hanappi-Stadion ausschließlich in den Kategorien A und B der Längsseite im neuen Allianz-Stadion sitzen wollen, würde sich das ausgehen. Die verbesserte Infrastruktur, die verbesserte Sicht, ermöglicht für alle ein tolles Stadionerlebnis.

Problematisch könnte es aber dennoch mit Kinderabos werden…

Da kann man sicher auch auf das Solidaritätsprinzip setzen. Wenn diese Situation bei mehreren Gruppen existiert, werden mehrere Gruppen in diese Situation kommen und dadurch verteilt sich das auch besser auf die gesamte Tribüne.

Wirtschaftlich kann man mit dem letzten Jahr natürlich nur zufrieden sein. Wie hast du die vergangenen sechs Monate sportlich gesehen?

Mit einer sehr positiven Gesamtentwicklung. Klar gab es auch Rückschläge, die jeden Fan schmerzen, aber der Gesamttrend ist aus meiner Sicht ein sehr positiver. Besondere Highlights waren für mich das Derby am Verteilerkreis, aber auch das Spiel in Amsterdam und der damit verbundene Aufstieg. Das waren schon emotionale Momente.

Abgesehen von Beric‘ vergebenem Kopfball in Lemberg: Bei welchen Spielen hast du am meisten gelitten, oder dich am meisten geärgert?

Beispielsweise in Grödig oder in der Südstadt. Das waren richtig bittere und ärgerliche Partien. Die Mannschaft ärgert sich aber ohnehin am meisten darüber. Schlussendlich schauen wir nicht in den Rückspiegel, sondern nach vorne. Es ist wichtig, die Lehren daraus zu ziehen und mit aller Kraft und mit viel Energie und top vorbereitet ins Frühjahr zu gehen. Wir wollen angreifen.

Viele Fans sagen: „Scheinbar will keiner Meister werden, so leicht wie heuer wird es nicht mehr.“ Wir glauben, dass es für Rapid nächstes Jahr durch das neue Stadion, die sich verändernde Situation im Red-Bull-Konzern und auch die neu gefundene wirtschaftliche Stärke in Hütteldorf noch wahrscheinlicher wird, als heuer. Demnach, dass es auch heuer trotz acht Niederlagen in 20 Spielen noch immer gut möglich ist, dass Rapid den Titel holt: Denkst du, dass im Winter sportlich nachgebessert werden muss, um im Frühjahr so richtig durchstarten zu können?

Wir haben eine klare Aufgabenteilung innerhalb der Geschäftsführung. Der Geschäftsführer Sport Andreas Müller wird mit unserem Trainer und dem gesamten Sportteam sicher intensiv beraten und analysieren, um dann im Fall der Fälle mit mir gemeinsam darüber nachzudenken, wenn die Notwendigkeit besteht, unter welchen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wir handeln. Das ist aber in erster Linie eine Entscheidung der sportlichen Leitung. Ich bin aber von der Qualität des Kaders sehr überzeugt. Und auch die jungen Talente, die derzeit auf dem Sprung von der zweiten in die erste Mannschaft sind, haben großes Potential. Es ist jedenfalls alles in Reichweite.

Wie gefällt dir das Europacup-Los FC Valencia?

Es ist sportlich eine große Herausforderung, aber ein total attraktives Los, auf das ich mich schon sehr freue.

Wäre dir – zum Beispiel – Dortmund im Gesamtpaket lieber gewesen als Valencia?

Es sind mit Sicherheit beide auf einem sportlich sehr hohen Niveau. Es wäre wohl eine Geschmacksfrage. Ob’s jetzt der oder der ist: Wir haben in dieser Europacupsaison schon gezeigt, dass wir als vermeintlicher Underdog sehr gute Mannschaften bezwingen konnten. Daraus schöpfen wir viel Kraft.

Die hypothetische Alps Premier League wird momentan fleißig diskutiert. Wie stehst du zur Idee, zum Konzept? Was hältst du alternativ dazu von einer Bundesliga-Aufstockung oder einer Ligenreform ohne gezwungenermaßen mit der Schweiz zusammenzugehen?

Grundsätzlich wehre ich mich nicht gegen Innovationen. Man muss alles genau prüfen. Unabhängig von einer Alps Premier League oder anderen Formen einer Liga, müssen die österreichische Bundesliga und die teilnehmenden Mannschaften ihre Hausaufgaben machen. Ich nehme hier vor allem Bezug auf die Stadioninfrastruktur, aber auch die Vermarktung der Liga als solche und die Kampagnisierung. Und wir erhoffen, bzw. erwarten uns in Zukunft von allen Vereinen eine transparente Wirtschaftsgebarung, wie wir sie nunmehr schon länger an den Tag legen!

Wäre eine länderübergreifende Rolle deiner Meinung nach reizvoll?

Ich habe mich dieser Tage mit den beiden Initiatoren der Alps Premier League getroffen. Sie haben mir das Konzept präsentiert und ich habe es mir sehr aufmerksam angehört. Allerdings gibt es viele offene Fragen, die in einer Gesamtbewertung berücksichtigt werden müssen. Etwa, ob es tatsächlich Sponsoringmehreinnahmen für die Vereine geben würde. Die Hauptsponsoren haben ja nicht immer die Schweiz als Zielgebiet. Ich sehe also keine automatische Erhöhung des Sponsorings. Was die TV-Gelder anbelangt, kann man auch nicht die beiden TV-Töpfe additiv zusammenrechnen – auch hier würde es an neue Verhandlungen gehen. Ob dabei tatsächlich das Doppelte oder aber nur ein bis zwei Millionen mehr herausschauen würden, ist die nächste Frage, die kritisch beäugt werden muss. Auch in einer länderübergreifenden Liga muss der bestehende Finanztopf verteilt werden. Heute haben wir eine Zehnerliga, die Alps Premier League wäre ein anderes Format mit mehreren Mannschaften. Die Frage wäre, welche Auswirkungen das auf den SK Rapid hätte. Insbesondere, wenn wir den Weg gehen, dass es keine Gleichverteilung dieses Topfes gibt, sondern mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Auch die Frage nach den UEFA-Startplätzen ist ein Thema. Das sind alles Dinge, die mitgedacht werden müssen. Zudem wollen wir klarerweise um den Meistertitel spielen, wenn wir wo mitspielen. Unter Anbetracht der Budgets, eine Herausforderung.

Käme eine Liga ohne Auf- und Absteiger für dich in Frage?

Das amerikanische Modell kenne ich, hat auch seine Vorteile, aber ich glaube schon, dass der sportliche Wettkampf und Wettbewerb mit allen Emotionen, die damit verbunden sind, einen besonderen Reiz haben. Allerdings muss man mit Sicherheit darüber reden, dass es bei aller sportlichen Wettbewerbsfähigkeit bewerkstelligt werden müsste, dass alle Bundesligateams eine taugliche Infrastruktur und ein Mindestmaß an Fans bzw. Attraktivität haben.

Hättest du als Mitarbeiter und Fan von Rapid lieber 15 Heimspiele in einer Saison, aber gegen unterschiedliche Mannschaften? Oder das jetzige Modell mit 18 Heimspielen, aber nur neun Gegnern?

Die Frage ist eher, wer dann in dieser Liga tatsächlich mitspielen würde. Würden in der Bundesliga Traditionsvereine wie LASK oder Wacker Innsbruck mitspielen, die über eine gewisse Fanbasis, Stadioninfrastuktur und Attraktivität verfügen, dann habe ich kein Problem damit, wenn wir mehrmals in einer Saison gegen diese Teams spielen. Aktuell gibt es aber Mannschaften, bei denen uns das Aufsperren des Gästesektors mehr kostet, als wir dort an Einnahmen lukrieren können. Da sind mehr Ordner vor Ort als Fans. Und das sehe ich schon als Problem an. Die Formatdiskussion als solche finde ich gar nicht das allerwichtigste, sondern in einem ersten Schritt sollte die Infrastruktur optimiert werden und damit verbunden auch jene Mannschaften in der Bundesliga spielen, die ein Mindestmaß an Fans generieren können. Davon lebt der Fußball – von Atmosphäre, tollen Spielen und Emotionen.

Wie gefällt dir die EM-Auslosung?

Das ist sicher eine interessante Gruppe, allerdings halte ich nichts davon, den Aufstieg schon zu feiern, bevor das erste Spiel gespielt wurde. Wie in jeder Lebenssituation sollten wir mit einem Mindestmaß an Demut an die Sache herangehen. Wir können sicher Zuversicht ausstrahlen, aber dennoch sollten wir uns auch vor Augen führen, dass da noch viel Arbeit auf das Team zukommt.

Bist du im Winter auf Urlaub sein?

Ich bin ein paar Tage mit meiner Familie in einer Therme im Burgenland und dort meine Akkus wieder aufladen, um 2016 wieder mit voller Kraft und Energie für den SK Rapid da zu sein.

Was ist deine erste große Arbeit im neuen Jahr?

Die Tür zur Geschäftsstelle aufzusperren. (lacht) Aber ernsthaft: An Themen und Aufgaben wird es nicht mangeln. Wir werden unsere Wachstumsstrategie konsequent weiterführen. Allgemein stehen wir vor einem unheimlich spannenden Jahr, aber wir sind voll im Plan. Die Weichen wurden in den wesentlichen Fragen richtig gestellt, aber zufrieden werden wir natürlich nie sein. Wir werden weiter daran arbeiten, den SK Rapid nachhaltig erfolgreich zu machen und uns in allen Belangen noch weiter zu entwickeln. Die Planung für die Saison 2016/17 geht in die Detailphase, wir haben ab Sommer unsere eigene Spielstätte, das Allianz Stadion, zu bewirtschaften und betreten hier in vielen Bereichen Neuland. Im Zusammenhang mit dem Stadion laufen auch noch einige Wettbewerbsverfahren und sind generell noch einige weitere Projekte in Arbeit, die uns in den kommenden Monaten intensiv beschäftigen werden.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen