Heute kommt es im Ernst Happel Stadion zum großen Schlager der elften Runde in der tipico Bundesliga. Tabellenführer Rapid empfängt Red Bull Salzburg, den... Salzburgs Defensivallrounder: Spielt Benno Schmitz auch gegen Rapid im Mittelfeld?
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Red Bull Salzburg - Wappen mit Farben_abseits.atHeute kommt es im Ernst Happel Stadion zum großen Schlager der elften Runde in der tipico Bundesliga. Tabellenführer Rapid empfängt Red Bull Salzburg, den ersten Verfolger. Die Gäste kommen als formstärkstes Team der Liga nach Wien, was auch damit zusammenhängt, dass sich das Lazarett gelichtet hat.

Verletzte Spieler werden gerne als Grund für schlechte Ergebnisse – vor allem über einen längeren Zeitraum – herangezogen. Auch Bullen-Coach Peter Zeidler verwies beim desaströsen Saisonstart darauf. Gerade in der Offensive hat sich das nun gebessert. Im defensiven Mittelfeld ist die Personaldecke der Salzburger aber nach wie vor dünn.

Leitgeb, Pehlivan und Yabo verletzt

Mit Naby Keita haben die Bullen zwar den wohl besten zentral-defensiven Mittelfeldspieler der Liga in ihren Reihen, außer ihm ist aktuell aber kein weiterer nomineller Akteur für die Positionen auf der Doppelsechs fit. Christoph Leitgeb, der im Frühjahr an der Seite von Keita Rapid bereits vor große Probleme stellte, fällt wegen einer Knieverletzung bis zum Jahresende aus. Reinhold Yabo, der im Sommer als zukünftiger Regisseur fürs Zentrum geholt wurde, muss sein Debüt verletzungsbedingt ebenfalls weitere Monate aufschieben. Auch Yasin Pehlivan, dessen Verpflichtung die Verletzungsprobleme eigentlich überbrücken sollte, steht Zeidler aktuell nicht zur Verfügung.

Allrounder auf den Außenverteidigerpositionen

Als Reaktion darauf setzte der 53-jährige Deutsche in den letzten beiden Spielen Benno Schmitz als Sechser ein. Der 20-Jährige, der letztes Jahr von Bayern Münchens Amateuren kam, ist keinesfalls der auffälligste Spieler im Kader und nicht als absoluter Stammspieler zu sehen, absolvierte für Red Bull Salzburg aber immerhin schon 41 Pflichtspieleinsätze. Wichtig ist er insbesondere aufgrund seiner positionellen Flexibilität.

In der letzten Saison wechselte Adi Hütter sehr oft die Außenverteidiger. So kamen Schmitz, Andreas Ulmer, Christian Schwegler und Peter Ankersen auf fast dieselbe Einsatzzeit in der Bundesliga. Schmitz punktete unter den genannten Spielern vor allem mit seiner Konstanz, zeigte links wie rechts zwar keine herausragende, aber gute bis sehr gute Leistungen. Sechs Balleroberungen pro 90 Minuten und 54% gewonnene Zweikämpfe zeugen von defensiver Sachlichkeit. Mit einer Flankengenauigkeit 32%, drei Assits und 2,7 Torschussbeteiligungen pro 90 Minuten war im Ligavergleich aber auch offensiv gut dabei.

Sehr starke Balleroberungswerte

In bisher vier Ligaspielen – gegen Mattersburg, den WAC, die Austria und Ried – begann Schmitz nun heuer auch im defensiven Mittelfeld. Dabei fiel er ebenfalls nicht durch überaus spektakuläre Aktionen auf, sondern mit seiner Sachlichkeit. Gerade im Spiel gegen den Ball stabilisierte er dabei das Spiel der Salzburger. In den erwähnten vier Partien kam er auf durchschnittlich fünf abgefangene Bälle und 4,3 Tackles pro 90 Minuten. Unter allen anderen Mittelfeldspielern in der Liga verzeichnet nur der Mattersburger Jano mehr Balleroberungen (11,3).

Weniger Präsenz im Ballbesitzspiel

Im Offensivspiel hält sich Schmitz erwartungsgemäß zurück. Pro 90 Minuten spielte er im defensiven Mittelfeld 52 Pässe. Im Vergleich mit den anderen Mittelfeldspielern der Liga ist das zwar immer noch ein durchschnittlicher Wert, zieht man als Maßstab die anderen Salzburger schneidet er schlechter ab. Stefan Ilsanker, der eine ähnliche Rolle innehatte, spielte letzte Saison 57 Pässe pro 90 Minuten. Leitgebs letztjähriger Wert liegt mit 47 Pässen zwar drunter, dafür agierte der ÖFB-Teamspieler in der laufenden Saison mit 58 Pässen pro 90 Minuten auffälliger. Keita liegt sowohl heuer (68), als auch 2014/2015 (58) vor Schmitz. Pehlivan spielt hingegen weniger Pässe (45 pro 90 Minuten).

Nicht nur Sicherheitspässe

Gerade beim Vergleich mit Pehlivan lohnt es sich näher hinzuschauen. Dieser hat nämlich mit 76,9% eine bessere Passquote als Schmitz, der als defensiver Mittelfeldspieler nur 67,9% seiner Pässe ans Ziel brachte. Pehlivan fokussierte sich dabei jedoch weitestgehend auf simple Pässe in die Breite oder zu nahen Mitspielern. Schmitz ist in seinem Passspiel hingegen mutiger, wie man zum Beispiel im Spiel gegen die Austria, als beide gemeinsam am Platz standen, sah.

Pehlivan diente in diesem Spiel als ballbesitzsicherndes Element, spielte meist Querpässe. Schmitz hingegen wagte sich häufiger in höhere Zonen und enge Räume. Dort versuchte er dann durch kurze Pässe und sofortiges Freilaufen die Dynamik hochzuhalten und spielte auch erfolgreich in die Tiefe. Besonders im letzten Spiel gegen Mattersburg konnte man dieses Muster erneut sehr gut sehen. Gegen Rapid dürfte bei Schmitz – sollte er wieder als Sechser beginnen – das Hauptaugenmerk aber wieder auf dem Verschließen der Räume und dem Erobern des Balls liegen.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem