Rapid bestritt in der bisherigen Saison 20 Pflichtspiele, kassierte dabei 26 Gegentreffer. Mehr als ein Drittel, neun Gegentreffer an der Zahl, kassierte Rapid in... Statistikanalyse: Rapid und die Gegentreffer unmittelbar vor der Pause
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Statistiken, Bilanzen_abseits.atRapid bestritt in der bisherigen Saison 20 Pflichtspiele, kassierte dabei 26 Gegentreffer. Mehr als ein Drittel, neun Gegentreffer an der Zahl, kassierte Rapid in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit. Wir begaben uns auf Spurensuche und was diese Statistik für Rapid bedeutet.

Klaassen, Gorgon, Hadzic, Avdijaj, Marlos, Perlak, Leo Baptistao, Minamino und Jacobo. Diese neun Spieler schenkten Rapid 2015/16 in den letzten Minuten vor dem Pausentee ein. Vier dieser Treffer musste Rapid in den Minuten 44 und 45 hinnehmen. Tatsächlich waren viele dieser Gegentore Unsicherheiten in Zweikämpfen bzw. klassischen Unkonzentriertheiten geschuldet.


Rot: Wichtige Treffer (Führungstreffer, Ausgleichstreffer, entscheidende Tore)
Orange: Anschlusstreffer
Grün: Relativ „unwichtige“ Gegentore

„Mit dem Kopf in der Kabine“ oder bedingte Varianz?

Es kann mehrere Gründe für diese Statistik geben. Die einfachste Erklärung wäre, dass die Mannschaft mit dem Kopf bereits in der Kabine und nicht mehr hundertprozentig bei der Sache ist. Allerdings lohnt sich auch ein Ausflug in die Wahrscheinlichkeitstheorie. Der Zeitpunkt der Rapid-Gegentreffer könnte schlichtweg bedingter Varianz geschuldet sein und sich im Laufe der Saison wieder ausgleichen.

Zu schwache Reaktionen

Wichtiger als die konkreten Gründe ist jedoch, wie sich Rapid nach diesen Gegentreffern verhielt. Wenn Rapid in den letzten zehn Minuten vor der Pause einen Treffer kassierte, konnte man nur zweimal das Spiel gewinnen. Alexander Gorgon erzielte bei Rapids 5:2-Auswärtssieg im letzten Wiener Derby den Treffer zum 1:3. Leo Baptistaos Treffer in der Europa League für Villarreal wurde von Rapid bravourös umgedreht. Insgesamt viermal gab es bei Gegentoren im herangezogenen Zeitraum jedoch Niederlagen.

Besser vor als nach der Pause

Jetzt no a Goi vor da Pause“ ist ein abgedroschener Satz, den man gerne auf der Tribüne hört. Jedoch ist ein Tor unmittelbar vor der Pause wesentlich wichtiger für das Seelenheil des geneigten Fans, als für die Psyche einer Mannschaft. Es handelt sich schlichtweg um einen Mythos, denn wesentlich besser als ein Treffer vor der Pause, ist einer, der unmittelbar nach der Pause fällt. Der Trainer schickte seine Elf nach der Pausenansprache und möglichen taktischen Adaptierungen zurück auf den Platz, gab den Plan für die zweite Hälfte aus und kann danach nur noch per In-Game-Coaching eingreifen. Tore unmittelbar vor der Pause erlauben es, sich zeitnah auf die neue Situation einzustellen und entsprechend zu reagieren.

Nach Gegentreffern von 35‘ bis 45‘: Vier Tore in den zehn Minuten nach der Pause

In den insgesamt acht Spielen, in denen Rapid in den letzten zehn Minuten vor der Pause Gegentreffer hinnehmen musste, erzielte Rapid in den zehn Minuten nach der Pause vier Tore, wobei die Wende im Heimspiel gegen Ajax mit Florian Kainz‘ Tor (48.) und das Spiel gegen Villarreal durch Tore von Schwab (50.) und Hofmann (53.) komplett gedreht wurde. Das vierte Tor gelang Deni Alar zum zwischenzeitlichen 1:1 (50.) gegen Mattersburg.

Sechs von 40 Toren

Insgesamt ist Rapid heuer aber keine Mannschaft, die gerne unmittelbar nach der Pausenansprache des Trainers trifft. Von 40 bisher erzielten Saisontreffern fielen gerademal sechs in den zehn Minuten nach der Pause. Das entspricht 15%. Zum Vergleich: In der Rapid-Viertelstunde (in der man aber natürlich 5+ Minuten mehr Zeit hat) traf man bereits elfmal (27,5%), in der Anfangsviertelstunde achtmal (20%), was jedoch auch dreier früher Tore im Cup gegen Weiz geschuldet ist. Rapid ist also auch in der Anfangsphase der ersten Halbzeit weitgehend ungefährlich und erzielte in Liga und Europacup bisher noch kein einziges Tor in den ersten zehn Minuten.

Verschiedene Philosophien

Die mangelnde Torgefahr in den Anfangsphasen der Halbzeiten ist ein wenig der grün-weißen Philosophie geschuldet. Spielkontrolle und das Ausstrahlen von technischer Souveränität ist unter Barisic wichtiger, als etwa in der letzten Meistersaison 2007/08 unter Peter Pacult, als Rapid dynamischen Hurra-Fußball praktizierte. Damals traf Rapid neunmal in den ersten zehn Minuten, versuchte dem Gegner sofort die Tür einzurennen. In der vergangenen Saison 2014/15 traf Rapid in den ersten zehn Minuten viermal.

Keine idealen Antworten vor allem gegen kleinere Gegner

Insgesamt sind also weniger die vielen, teils auch richtungsweisenden oder entscheidenden Gegentreffer vor der Pause das Problem Rapids, sondern vielmehr die eigene Schwäche in den Anfangsphasen der Halbzeiten. Die Gegentore wären kein Problem, wenn man öfter (und vor allem in Spielen gegen kleinere Gegner) darauf reagieren würde, wie in den Heimspielen gegen Ajax Amsterdam und Villarreal. Und auch das „Stempel aufdrücken“ zu Beginn den Spieles könnte Rapid direkter gestalten, anstatt dem Gegner die Möglichkeit zu geben, sich nach und nach an das Ballbesitzspiel der Hütteldorfer zu gewöhnen.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen