Marco Djuricin galt nach seiner starken Herbstsaison als heißeste österreichische Aktie am Transfermarkt. Kurz nach dem Jahreswechsel setzte sich der FC Red Bull Salzburg... Stürmerwechsel bei Red Bull Salzburg: Ist Marco Djuricin der passende Ersatz für Alan?
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Marko Djuricin - SK Sturm GrazMarco Djuricin galt nach seiner starken Herbstsaison als heißeste österreichische Aktie am Transfermarkt. Kurz nach dem Jahreswechsel setzte sich der FC Red Bull Salzburg im Millionenpoker gegen den englischen Zweitligisten Brentford FC durch. Der 22-Jährige unterschrieb bis 2018 in der Mozartstadt, wo er die Nachfolge von Alan, der nach China zu Guangzhou Evergrande wechselte, antreten dürfte. abseits.at nimmt diesen Transfer genauer unter die Lupe.

Im Juni 2013 kehrte Djuricin nach fünf Jahren in Deutschland zurück nach Österreich. Weder bei Hertha BSC noch während seiner Leihe beim SSV Jahn Regensburg konnte sich der Stürmer durchsetzen. In seiner ersten Saison bei Sturm Graz verpasste er verletzungsbedingt fast die ganze Herbstsaison. Dennoch war er im Jahr 2014 einer der stärksten Stürmer der Liga, erzielte in 34 Spielen 17 Tore und bereitete zehn weitere vor. Doch wie gut passt Djuricin zum Spiel von Red Bull Salzburg?

Alleinunterhalter in der Sturm-Offensive

Die Spielausrichtung der Grazer war nämlich, vor allem nachdem Franco Foda das Traineramt übernahm, eine völlig andere als bei seinem neuen Klub. Während die Salzburger im defensiven Umschaltspiel sofort ins Gegenpressing gehen, fokussierte sich Sturm nach Ballverlusten auf die Stabilität. Gegnerische Konter sollten durch geschlossenes Zurückfallen verzögert werden um dann selbst viel Platz nach vorne zu haben. Mit Djuricin hatten sie dafür einen überaus passenden Spielertypen als Solospitze. Er zockte oft und beteiligte sich an der Defensivarbeit nur in hohen Zonen, dafür antizipierte er in vielen Fällen richtig und bestach mit seinen Tiefensprints.

Als Paradebeispiel sei an dieser Stelle der 3:0-Auswärtssieg bei der Wiener Austria angeführt, wo Djuricin an allen drei Toren entscheidend beteiligt war. Beim ersten Tor zog er mit einem Horizontallauf den Raum für den Ballführenden frei und brachte sich gleichzeitig selbst in eine gute Abschlussposition. Beim zweiten Tor schnitt er die Verbindung zum ballfernen Innenverteidiger ab und beim dritten Tor spielte er seine Schnelligkeit aus, indem er sich zunächst zurückfallen ließ und dann steil geschickt wurde.

Mit seinen 27 Scorerpunkten war Djuricin an exakt der Hälfte aller schwarz-weißen Bundesligatore im abgelaufenen Kalenderjahr direkt beteiligt – eine Quote, die zeigt wie wichtig er für die Offensive seines Ex-Teams war. Wie der gebürtige Wiener im Vergleich mit anderen Bundesligastürmern dasteht und ein grobes Abbild seines Spielstils kann man anhand seiner Statistiken in der nachstehenden Grafik ableiten. Alle Werte sind dabei auf 90 Einsatzminuten sowie auf die besten bzw. schlechtesten Werte aller Stürmer der Liga bezogen.

Mit 3,5 Schüssen pro 90 Minuten hatte Djuricin unter allen Stürmern mit 600 Einsatzminuten das zweitgrößte Schussvolumen. Die Genauigkeit (53,2% auf das Tor) und die Chancenauswertung (17,7%) sind durchschnittlich. Zudem bereitete er 1,2 weitere Möglichkeiten vor. Dass er oft zockte und in das Kombinationsspiel kaum eingebunden wurde zeigen die niedrigen Balleroberungswerte (je 0,3 Tackles und abgefangene Bälle) sowie nur durchschnittlich 21 Pässe. 37% gewonnene Kopfballduelle sind ebenfalls nicht überragend, aber dennoch solide und ein Charak­te­ris­ti­kum für seine Spielweise.

Alans Rolle im Salzburger System

Der Abgang von Alan war vor allem für jene schmerzhaft, die sich Hoffnungen auf eine Einberufung in das ÖFB-Team machten. Die Torausbeute des 25-jährigen Brasilianers im Dress des FC Red Bull Salzburg war in den viereinhalb Jahren, in denen er für ihn auf Torjagd ging, nämlich eindrucksvoll: 88 Bundesligaspiele, 59 Tore. Alle 95 Minuten drehte der Neo-Guangzhou-Angreifer zum Jubel ab. Nun verlieren die Bullen nach Sadio Mane und Kevin Kampl die dritte treibende Offensivkraft der letzten beiden Saisonen.

Trotz seiner enorm starken Scorerstatistik war er vom Offensivquartett der wohl unspektakulärste Spieler. Er war nicht so dynamisch und dribbelstark wie Mane und Kampl auf den Flügeln, war hinter Kapitän Jonatan Soriano nur die Nummer zwei des Sturmduos. Dennoch passte Alan aufgrund seines Spielstils sehr gut zu dem Trio. Ein individuell stärkerer Stürmer wäre wohl auf eine ähnliche Ausbeute gekommen, hätte aber die Bewegungen der Mitspieler wahrscheinlich nicht so gut ergänzt.

Das Statistikprofil zeigt in einigen Punkten Parallelen zu jenem von Djuricin auf. So spielte Alan im Herbst durchschnittlich nur 28 Pässe pro 90 Minuten – deutlich weniger als seine Salzburger Stürmerkollegen. Hinsichtlich Passgenauigkeit ist er mit 57,7% sogar noch ein bisschen schlechter als sein Nachfolger (64%). Dafür überzeugte er bei den physischen Disziplinen: trotz nur 1,82m Körpergröße gewann er 46,6% seiner Kopfballduelle und verzeichnete auch mehr Tackles (0,9). Genau darin bestand sein Wert für das Spiel der Salzburger.

Die Bullen setzten ihr starkes Gegenpressing nämlich auch gezielt ein um zweite Bälle zu erobern. Als Anspielstation für die langen Bälle fungierte Alan, der in vielen Fällen den Ball aber auch direkt verlängern konnte. Am Boden war der Brasilianer aber keineswegs ungestüm, sondern konnte Bälle gut verarbeiten – zum Beispiel leitete er als Wandspieler die Pässe mit dem ersten Kontakt in offene Räume weiter und erzeugte so eine gute Dynamik für sein Team.

Auf der anderen Seite ging Alan im Spiel gegen den Ball weite Wege und war im Pressing oft der erste Spieler, der attackierte. Das bedeutete er gab im Wesentlichen das Kommando zum Pressing, dem seine Mitspieler folgten. Dafür bedarf es ein gutes strategisches Gespür, da ein überhastetes Herausrücken aus der Formation einen Angriffspunkt für den Gegner darstellen könnte. Vor allem hier – im richtigen Erkennen der Trigger – dürfte es bei der Eingliederung von Djuricin die meiste Arbeit geben, wenngleich das Pressing unter Adi Hütter nicht mehr so strukturiert wirkt wie unter Roger Schmidt.

Zwei unterschiedliche Optionen für Adi Hütter

Vom grundlegenden Spielstil bekommen die Bullen also einen durchaus passenden neuen Stürmer. Von den individuellen Qualitäten sind Djuricin und Alan mehr oder weniger auf Augenhöhe. Beide sind physisch robust, können aber, falls nötig, auch den einen oder anderen Gegenspieler ausspielen. Dass Djuricin bei Sturm derart wenige Ballkontakte hatte, lag zudem wohl auch an der generellen, konservativen Ausrichtung der Grazer. In manchen Szenen konnte man nämlich sehen, dass er es durchaus versteht Räume zu öffnen und Bälle klug zu verteilen, ohne das Spiel allzu sehr zu bremsen bzw. einem Mitspieler Optionen zu nehmen.

Die Simplizität der Salzburger Abläufe – verglichen mit der letzten Saison – könnte einerseits dafür sprechen, dass sich Djuricin relativ schnell an das Spiel seines neuen Teams gewöhnt, aber auch der Grund dafür sein, dass er ein ähnliches Schicksal erlebt wie Alan. Dieser war nämlich im Herbst nicht mehr so unantastbar wie noch letzte Saison und hatte unter den drei Stürmern auch die wenigste Einsatzzeit in der Bundesliga. Verantwortlich dafür ist Sommerneuzugang Marcel Sabitzer, Hütters zweite Option im Angriff.

Wie man in der obigen Grafik erkennt, deckte die Leihgabe von RB Leipzig ein deutlich breiteres Spektrum ab und kristallisierte sich ebenfalls als guter Sturmpartner für Soriano heraus. Was den 20-Jährigen von Alan und Djuricin besonders heraushebt, sind seine Qualitäten im Kombinationsspiel. Er spielte mehr und genauere Pässe, bereitete mehr Torschüsse vor und schloss aber auch selbst häufig ab. Gerade in der Bundesliga, wo die Salzburger das Heft fast immer selbst in die Hand nehmen müssen, passen Sabitzers Eigenschaften gut zu den Anforderungen.

In der 4-3-1-2-Grundordnung der Bullen positionierten sich die beiden Stürmer im Herbst enger beieinander als noch letzte Saison und überladen die Räume gemeinsam. Dafür ist das strukturiertere Passspiel des ÖFB-Teamspielspielers besser geeignet als das direkte von Alan oder Djuricin. Diese sind eher dann Optionen, wenn es darum geht, die Innenverteidiger im Abwehrzentrum zu beschäftigen oder in internationalen Spielen. Insofern könnte das Rennen zwischen den beiden Österreichern um den Stammplatz bei den Bullen gewissermaßen auch als Ausscheidung für einen Kaderplatz im ÖFB-Team angesehen werden.

Alexander Semeliker, abseits.at | Statistikdaten by Opta

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Alexander Semeliker

@axlsem