In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 21. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Holzhauser, Kienast, Beric

Roman Kienast

In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 20. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Raphael Holzhauser (Austria), Roman Kienast (Sturm) und Robert Beric (Rapid) unter die Lupe.

FK Austria Wien – SCR Altach 3:0, Raphael Holzhauser (54. Minute)

Das Spiel zwischen der Wiener Austria und Altach war eine wahre Fehlerorgie, die insgesamt sieben Tore zuließ. Vor allem den ersten drei Toren der Austria gingen schwere individuelle Fehler seitens der Vorarlberger voraus. Das 3:0 sehen wir uns im Rahmen dieser Toranalyse genauer an.

Ausgangspunkt ist ein ungenauer Befreiungsschlag der Austria. Die Veilchen schieben auf diesen aber schnell und geschlossen nach, wie man im obigen Bild sieht. Altach hätte die Möglichkeit, dies ins Leere laufen zu lassen, dafür dürfte Benedikt Zech (rot) den Ball aber nicht aufspringen lassen. Da dies nicht passiert, bekommen die Austria-Spieler Zeit um nach vorne zu rücken und es kommt zu einem entscheidenden Kopfballduell zwischen Zech und Philipp Zulechner (blau). Dass der FAK-Stürmer dieses trotz ungünstiger körperlichen Voraussetzungen gewinnt, liegt daran, dass er aus vollem Lauf hochsteigen kann, während Zech aus dem Stand springen muss. Das erste Bundesligator für Raphael Holzhauser (gelb) ist anschließend nur noch Formsache.

SK Sturm Graz – SC Wiener Neustadt 1:2, Roman Kienast (50. Minute)

Fans des SK Sturm Graz dürften auf das erstes Spiel im Frühjahr mit gemischten Gefühlen zurückblicken. Einerseits gelang ihrem Team trotz zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand ein Punktgewinn, letztlich war aber dennoch mehr drinnen. Die Steirer drehten die Partie nämlich auf 3:2, mussten aber in der Schlussphase den Ausgleich hinnehmen. Ein besonderes Highlight war das 1:2 von Roman Kienast, der damit gleich bei seinem Comeback traf. Doch nicht nur aufgrund des Abschlusses lohnt es sich, das Tor genauer anzusehen.

Dass Kienast (gelb) bei seinem Schuss so viel Platz hatte, liegt nämlich vor allem an einem tollen Lauf von Martin Ehrenreich (blau). Der Rechtsverteidiger spielt auf seinen Mitspieler im Zentrum und geht dann mit Tempo in den großen Raum zwischen Wiener Neustadts Innen- und Außenverteidiger. Dieser existiert, weil Thorsten Schick (weiß) sehr breit steht und damit Mark Prettenthaler (grün) bindet. Mit seinem Lauf lenkt Ehrenreich aber nicht nur dessen Aufmerksamkeit auf sich, sondern auch Mattias Sereinig (rot) und Conor O’Brien (schwarz) orientieren sich nach rechts. Dadurch kann sich Kienast absetzen.

Admira Wacker Mödling – SK Rapid Wien 0:1, Robert Beric (34. Minute)

Das Sonntagsspiel der 21. Runde war kein fußballerischer Leckerbissen. Während bei der Admira schlicht die spielerischen Ressourcen fehlten, sah man bei Rapid einmal mehr kaum flüssige Kombinationen oder automatisierte Abläufe. Einer der wenigen solchen Szenen wurde prompt mit einem Tor belohnt.

Die Hütteldorfer starten hier einen der wenigen Tempoangriffe. Ein wichtiger Faktor dafür, dass die Dynamik so schnell zunimmt, ist Thomas Schrammel (grün). Der Linksverteidiger spielt den Ball auf Florian Kainz (schwarz) und hinterläuft dann. Die Spieler der Admira kommen daraufhin in Zuordnungsschwierigkeiten. In der Mitte haben sie hier noch eine vier-zu-drei-Überzahl. Kainz hat eigentlich ein schlechtes Sichtfeld, da sein Gegenspieler eng an ihm ist, dennoch schafft er es, den Ball im richtigen Moment auf Deni Alar (weiß) zu spielen.

Kainz zeigt dann einen überaus intelligenten Lauf: er orientiert sich diagonal Richtung Angriffszentrum, womit er den Sechser der Admira bindet. Auf der Seite hat Schrammel viel Platz, weil sich der rechte Innenverteidiger der Admira zunächst ebenfalls an der Bewegung Kainz‘ orientiert und der rechte Mittelfeldspieler auf den Ball geht. Nachdem Alar auf den Flügel spielt sieht man erneut einen hohen Ballfokus aufseiten der Gastgeber.

Die Folgen dieses Ballfokus‘: da der rechte Innenverteidiger auf Schrammel herausrückt wird der Raum hinter ihm geöffnet. Der linke Innenverteidiger kann nicht nachschieben, da sonst Robert Beric (gelb) frei werden würde. Außerdem erkennt man in diesem Bild, dass die Überzahl der Admira nun nicht mehr gegeben ist, weil sich Kainz in die Mitte bewegt hat. Kritik muss sich in dieser Szene Lukas Grozurek (rot) gefallen lassen, da er sich nicht konsequent nach hinten orientierte.

Hätte er dies gemacht, wäre die Admira beim Pass von Schrammel bzw. dem folgenden Schuss von Alar nicht in Unterzahl gestanden. Steffen Hofmann (blau) kann sich so im Rücken seines Gegenspielers freilaufen und nach dem abgewehrten Versuch erneut auf das Tor schießen. Beric muss den Ball in der Mitte nur mehr über die Linie drücken – eines der einfacheren Bundesligatore des Slowenen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem