In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 26. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Avdijaj, Schicker, Jacobo
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_Donis Avdijaj - SK Sturm GrazIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 26. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Donis Avdijaj (Sturm) und Rene Schicker (Admira) und Jacobo (WAC) unter die Lupe.

SK Sturm Graz – Admira Wacker Mödling 1:0, Donis Avdijaj (28. Minute)

Nachdem die Siegesserie des SK Sturm Graz letzte Woche trotz Überraschungseffekt von Red Bull Salzburg gebrochen wurde, wollten die Blackies gegen Admira Wacker Mödling eine neue starten. Zunächst hatten sie dabei große Probleme, letztlich gingen sie aber als Sieger vom Platz. Marko Stankovic, Simon Piesinger und Donis Avdijaj erzielten die Treffer für das Team von Franco Foda. Jenen des deutschen Neuzugangs analysieren wir genauer.

Sturm schafft es aus dieser Situation heraus auf die ihre linke Seite zu verlagern, wo Avdijaj dann ins Dribbling gehen und seinen Premierentreffer in der österreichischen Liga erzielen kann. Wie man im obigen Bild erkennt, hat Marko Stankovic (blau) dabei viel Platz zwischen den Linien der Niederösterreicher und kann deshalb den Ball zum DFB-Nachwuchsteamspieler bringen. Entscheidend dafür ist, dass Admira trotz augenscheinlich hohem Engagement keinen Zugriff bekommt – eine Szene, die zeigt, dass weniger manchmal mehr sein kann.

Der Ballführende steht in einer ungünstigen Position. Er ist auf der Seitenlinie, das Spiel wurde gebremst und um ihn herum sind gleich vier Gegenspieler, die ihn attackieren wollen. Dieses Attackieren wirkt aber sehr kopflos – insbesondere von den Spielern, die aus dem Zentrum kommen. Der Ballführende hat nur eine mögliche Passrichtung, die ihm trotz der hohen Anzahl an Gegenspieler weiter erhalten bleibt.

Dass Stankovic dabei in weiterer Folge dermaßen freisteht, ist ein weiterer Kritikpunkt am Herausrücken von Markus Lackner (rot). Er befindet sich sehr weit entfernt vom zweiten Sechser, Richard Windbichler (weiß), und läuft den Ballführenden dennoch so an, dass er nicht den Passweg auf Stankovic blockiert, sondern sich so positioniert, dass der Ballführende nicht nach vorne spielen kann. Diesen Weg blockiert aber ohnehin schon der herausgerückte Linksverteidiger. Idealerweise wäre Lackner so angelaufen, dass er Stankovic so lange im Deckungsschatten behält bis Windbichler die Zentralachse sichern könnte.

SK Sturm Graz – Admira Wacker Mödling 2:1, Rene Schicker (74. Minute)

Die Admira steht nach der Niederlage in Graz weiterhin am letzten Tabellenplatz. Das Hauptproblem der Maria Enzersdorfer stellt dabei die Offensive dar. In 26 Spielen erzielten sie nur 22 Tore. Bester Torschütze ist Rene Schicker mit nur fünf Treffern – den letzten erzielte er nach einem schön gespielten Konter am Wochenende. Auch diesen nehmen wir unter die Lupe.

Ausgangspunkt für dieses Tor ist eine Freistoßflanke, die die Admira klären kann. Anschließend entsteht die oben zu sehende Konstellation. Sturm geht sofort ins Gegenpressing, zwingt Konstantin Kerschbaumer (blau) eine Richtung auf und drängt etwas nach außen. Dieser reagiert aber sehr gut darauf, zieht den Ball zurück. Damit verschafft er sich nicht nur ein offenes Sichtfeld nach vorne, sondern hat aufgrund dessen, dass sich die Gegner erst umorientieren müssen einen idealen Passwinkel auf Schicker (gelb).

Nachdem es dessen Gegenspieler nicht gelingt, den Passweg zu versperren, und anschließend sehr unbeholfen versucht, Schicker ins Abseits zu stellen, ist man dazu geneigt, ihm die Hauptschuld zu geben. Tatsächlich verbirgt sich in der Situation aber auch ein kluger, raumschaffender Lauf eines Admira-Spielers. Benjamin Sulimani (weiß) orientiert sich, wie man oben sehen kann, ebenfalls zur ballnahen Seite und zieht damit Christian Klem (schwarz) aus dem Zentrum heraus. Der Linksverteidiger Sturms war der letzte Mann und an und für sich dafür zuständig, die Zentralachse zu sichern.

Wolfsberger AC – FC Red Bull Salzburg 1:0, Jacobo Ynclan (8. Minute)

In der Lavanttal Arena trafen mit dem Wolfsberger AC und Red Bull Salzburg aufeinander jene Teams aufeinander, die in der Frühphase dieser Saison die Liga dominierten. Beide Teams zehrten lange von ihrem sensationellen Saisonstart. Währen der WAC seinen Vorsprung bereits verspielte, schmilzt auch jener der Bullen zusehends. Die Niederlage am Wochenende war bereits die siebente in der laufenden Saison. Zu dieser trugen sie mit vielen individuellen Fehlern auch selbst maßgeblich bei.

Der Einwurf wird mittlerweile auch in der österreichischen Bundesliga zusehends als taktisches Mittel eingesetzt – so auch in dieser Szene. Christopher Wernitznig (weiß) und Silvio (schwarz) kreuzen hier vor dem Einwerfer und sorgen damit bei den Salzburgern für Zuordnungskonflikten. Obwohl die Bewegungen der WAC-Spieler sehr gut abgestimmt wirkten und schnell vonstattengehen – insbesondere die sofortige Ablage von Wernitznig auf Stephan Palla (blau) – wirken die Bullen äußerst passiv.

Stellvertretend sei hier das zögerliche Attackieren von Christian Schwegler (rot) erwähnt. Der Schweizer antizipiert schlecht, sodass er in der Folge von Silvio temporär geblockt wird und Palla nicht am Flanken hindern kann. Aushilfsstürmer Jacobo (gelb) setzt sich in der Mitte anschließend gegen die Salzburger Innenverteidiger durch und köpft seine Farben in Führung.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem