In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 8. Runde der tipico Bundesliga 2015/2016 | Harrer, Venuto
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Lucas Venuto - SV Grödig_abseits.atIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 8. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Martin Harrer (Altach) und Lucas Venuto (Grödig) unter die Lupe.

SCR Altach – SK Rapid Wien 1:0, Martin Harrer (54. Minute)

Nachdem der SK Rapid perfekt in die Saison gestartet ist scheint es so, als wäre beim Rekordmeister aktuell Sand im Getriebe. Dies mag auch mit dem Abgang von Robert Beric zu tun haben, was Sportdirektor Andreas Müller am Samstag in Altach jedoch nicht als Ausrede gelten ließ. Dort verlor man nicht nur 0:2, sondern zeigte laut dem Deutschen eine Rapid-unwürdige Leistung. Ein Beispiel für das lasche Auftreten ist das erste Gegentor.

Zum einen fällt auf, dass Linksverteidiger Stefan Stangl (rot) sehr weit weg vom Ballführenden steht und dieser deshalb seine Flanke in Ruhe vorbereiten kann. Möglicherweise deshalb weil er hinter sich keine Rückendeckung von einem Mitspieler bekommt und einen Durchbruch entlang der Linie befürchtet. Der Ballführende wirkt aber schon früh so, als würde eine Flanke sein primäres Ziel sein, weshalb Stangl stärker herausrücken müsste.

Die fehlende Rückendeckung rührt daher, dass die Altacher gleich vier Spieler vor den Strafraum bringen – ein weiteres Indiz für eine geplante Flanke. Neben den beiden Stürmern sind auch die beiden Flügel eingerückt, sodass ein Herausrücken von Christopher Dibon (schwarz) verhindert wird. Srdjan Grahovac (grün) wäre theoretisch zwar auch eine Option dafür, das würde jedoch nicht nur zu einer Gleichzahlsituation in der letzten Linie führen, sondern auch die Zentralachse entblößen. Der aufrückende Zentrumsspieler von Altach wird vom linken Rapid-Flügelspieler nicht konsequent verfolgt und hätte freie Bahn. Vermutlich deshalb steht der Bosnier auch recht weit entfernt vom rechten Flügelspieler Altachs.

Doch nicht nur Stangls verhält sich hier passiv. Altachs Flügelspieler positionieren sich im Raum zwischen Rapids Abwehr und Sechser. Damit haben sie einerseits die Möglichkeit mit mehr Schwung in die Flanke zu gehen als die Abwehr, andererseits eine bessere Stellung bei einem etwaigen zweiten Ball. Letzteres tritt in dieser Situation ein. Stefan Schwab (weiß) antizipiert dies nicht und rückt nicht entscheidend zurück, sodass Martin Harrer (gelb) mit einem Distanzschuss die Führung für sein Team erzielen kann.

Red Bull Salzburg – SV Grödig 0:1, Lucas Venuto (19. Minute)

Während Rapid die Form der ersten Runde nicht halten konnte, schließt Red Bull Salzburg nach einem durchwachsenen Saisonstart allmählich wieder zur Spitze auf. Am Samstag gewannen die Bullen gegen den SV Grödig mit 4:2 und liegen aktuell auf Platz fünf, drei Punkte hinter Tabellenführer Admira Wacker Mödling. Zunächst sah es jedoch nicht nach einem Sieg gegen den Lokalrivalen aus, denn die Grödiger führten bereits mit zwei Toren.

Peter Zeidler wurde unter anderem deshalb zum Cheftrainer befördert, weil er dasselbe Gedankengut wie Ralf Rangnick und Roger Schmidt hat. Diese Szene zeigt allerdings, dass es nicht ausreicht, viele Spieler in Ballnähe zu haben, um ein erfolgstabiles Gegenpressing zu garantieren. Die Staffelung und Absicherung ist vielmehr ein entscheidender Faktor. Die Bullen stehen hier äußerst ungünstig um den Ball erobern zu können, nämlich mit drei Spieler quasi auf einer vertikalen Linie. Martin Rasner (weiß) wird deshalb nur von einem Spieler aktiv unter Druck gesetzt, zwischen diesem und dem Ball kann er jedoch seinen Körper stellen.

Für zusätzlichen Druck hätte lediglich Hany Mukhtar (schwarz) sorgen können. Dieser steht aber ohnehin bereits sehr weit eingerückt und würde damit den ballfernen Raum noch größer werden lassen. Der Deutsche verhält sich sogar recht gut, antizipiert den Pass auf den Rechtsverteidiger Grödigs. Da es diesem aber gelingt, mit dem ersten Kontakt auf Roman Wallner (blau) in die Tiefe zu spielen, kommt es nicht zur Balleroberung. Im Gegenteil: Der Routinier legt auf für Lucas Venuto (gelb), der seine Schnelligkeit gegen den Innenverteidiger ausnützt und seinen dritten Saisontreffer erzielt.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem