Liechtenstein ist freilich keine Mannschaft, die angreift, sondern versucht fast gegen jeden Gegner kompakt zu stehen und defensiv möglichst wenig zuzulassen. Das 4-5-1-System der... Routiniert, eng stehend, gut gestaffelt: Das ist die Nationalmannschaft von Liechtenstein!
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_Liechtenstein FlaggeLiechtenstein ist freilich keine Mannschaft, die angreift, sondern versucht fast gegen jeden Gegner kompakt zu stehen und defensiv möglichst wenig zuzulassen. Das 4-5-1-System der Liechtensteiner unterliegt ausschließlich im zentralen Mittelfeld größeren Änderungen. So ist gegen Österreich ein 4-3-2-1 zu erwarten, während gegen schwächere Gegner schon mal ein kontrolliertes, ebenso defensiv ausgerichtetes 4-1-4-1 zum Einsatz kommt.

Der Trainer der Liechtensteiner ist ein Österreicher. Rene Pauritsch ist hierzulande nur den Insidern ein Begriff. Als Spieler kickte der 51-Jährige unter anderem für den GAK, Voitsberg und Leoben. Seine Trainerlaufbahn startete er als Coach der Vorarlberger U18-Akademiemannschaft. Nach zwei Jahren als Co-Trainer bei Austria Lustenau wechselte Pauritsch zum Liechtensteiner Verband, wo er bis Herbst 2012 die U21 betreute und danach den Schweizer Hans-Peter Zaugg als Chef der A-Nationalmannschaft ablöste.

Erfahrener Keeper

Liechtenstein stellt traditionsgemäß eine erfahrene Mannschaft, in der nur wenige junge Kicker zum Zug kommen. Dies fängt beim Torhüter an: Nachdem er das letzte Länderspiel verletzungsbedingt verpasste, steht heute wieder Peter Jehle vom FC Vaduz im Tor. Der 33-Jährige bestritt bereits 108 Länderspiele und spielte im Laufe seiner Karriere unter anderem für die Grasshoppers Zürich und Boavista Porto. Der zweite Torhüter Benjamin Büchel steht übrigens beim Premier-League-Aufstiegsaspiranten Bournemouth unter Vertrag, ist aktuell aber an den Fünftligisten Welling United ausgeliehen.

Das Urgestein als Abwehrchef

Auch die Viererkette ist von Routine geprägt. Abwehrchef ist seit neuestem der 40-jährige Mario Frick, der als bester Kicker in der Geschichte seines Landes gilt. Frick ist mit 117 Länderspielen und 16 Treffern Rekordteamspieler und –torschütze. Der gelernte Stürmer wurde aber mittlerweile zum Innenverteidiger bzw. Libero umfunktioniert. Der langjährige Schweiz- und Italien-Legionär spielt mittlerweile wieder in Liechtenstein beim FC Balzers, ist aber nach wie vor Kapitän der Nationalmannschaft. Neben ihm hat der 24-jährige Daniel Kaufmann vom FC Vaduz die besten Chancen auf einen Startelfeinsatz.

Routinierter Vaduz-Kapitän in der linken Verteidigung

In der linken Abwehr spielt voraussichtlich Franz Burgmeier, der mit einem direkten Freistoß den Siegtreffer gegen Moldawien besorgte. Der 31-Jährige ist der Kapitän des FC Vaduz und mit 89 Länderspielen eine der dauerhaften Stützen der Nationalmannschaft. Der flexible Abwehrspieler Ivan Quintans wird als Rechtsverteidiger auflaufen. Der 25-Jährige spielt ebenfalls in Liechtenstein beim FC Balzers.

Österreich-Legionär als Abräumer vor der Abwehr

Den unumstrittenen Sechser im Team von Rene Pauritsch gibt mit Michele Polverino ein Österreich-Legionär. Der 30-Jährige spielte früher bereits für den Wolfsberger AC und steht seit Winter bei der SV Ried unter Vertrag, wo er aber bisher noch nicht voll in die Gänge kam. Der 23-jährige Nicolas Hasler vom FC Vaduz gibt einen der beiden Box-to-Box-Midfielder, die sich allerdings ebenso defensiv orientieren und vor allem versuchen die Mitte zuzumachen und nur situativ von innen nach außen zu verteidigen.

„Gemeingefährlicher“ Wieser wieder dabei

Ebenfalls mit dabei sollte Sandro Wieser sein, der 2013/14 leihweise für die SV Ried spielte und aktuell an den FC Aarau ausgeliehen ist. Der 22-Jährige gehört weiterhin der TSG 1899 Hoffenheim, aber es ist unwahrscheinlich, dass Wieser jemals in der deutschen Bundesliga spielen wird. Anfang November verkomplizierte sich seine Lage noch zusätzlich, als er den Zürich-Spieler Gilles Yapi Yapo mit einem unnötigen Foul schwer verletzte. Yapi erlitt acht verschiedene Verletzungen, unter anderem einen Kreuzbandriss und Wieser wurde für sechs Spiele gesperrt. Der FC Zürich zeigte Wieser zudem wegen Körperverletzung an. Seitdem stand Wieser nur in einem einzigen Spiel auf dem Platz – beim 1:0-Sieg Liechtensteins in Moldawien. Wieser komplettiert die massive Dreifachsechs bei den Liechtensteinern.

Defensive Ausrichtung auch im links-offensiven Mittelfeld

Auch der linke Mittelfeldspieler Liechtensteins ist ein defensiv ausgerichteter Kicker: Andreas Christen konnte sich unter Pauritsch in die erste Elf des Fürstentums spielen. Der 25-Jährige spielt für den FC Balzers und bestritt bisher 17 Länderspiele. Die Position im rechten Mittelfeld füllt entweder der 25-jährige Seyhan Yildiz oder der 28-jährige Martin Büchel aus. Büchel bringt mehr Erfahrung mit und wäre vor allem im defensiven Umschaltspiel die geeignetere Lösung. Yildiz wäre die mutigere, offensivere Lösung. Der türkischstämmige Liechtensteiner spielt für den FC Balzers, während Martin Büchel aktuell für den deutschen Amateurverein Unterföhring in der Bayernliga Süd die Schuhe schnürt.

Einige Optionen für die Mittelfeldpositionen

Im Mittelfeld gibt es allerdings noch einige andere Optionen für den österreichischen Coach des großen Außenseiters. Wenn weitere Kampfkraft in der Mittelfeldzentrale gefragt ist, wäre etwa der 23-jährige Daniel Brändle eine Option. Auch der erst 20-jährige Vinzenz Flatz vom FC Vaduz, ebenfalls ein Sechser, stünde im Kader und wäre eine Alternative, sollte Liechtenstein wider Erwarten komplett „zumachen“ müssen. Auch eine Variante mit Yves Oehri als Außenverteidiger ist denkbar – dann müsste mit Franz Burgmeier eine der Stützen ins Mittelfeld vorrücken, was die Liechtensteiner noch defensiver ausrichten würde.

Neuer Star Salanovic: Von Atléticos U19 nach Istrien

Der interessanteste Mann im Team des heutigen ÖFB-Gegners ist zweifelsohne die Solospitze. Dennis Salanovic feierte vor einem Monat seinen 19.Geburtstag und hat das Zeug dazu, der beste Liechtensteiner Kicker der nächsten Jahre zu werden. Im Alter von 17 Jahren wechselte Salanovic vom FC Schaan in die U19 von Atlético Madrid. Vor einem Monat wurde Salanovic allerdings nach Istrien transferiert, wo er beim NK Istra Pula unterkam. Am letzten Wochenende feierte der Linksaußen, der nur im Nationalteam als echte Spitze agiert, sein Ligadebüt. Auch wenn er bisher noch keine Tore für die A-Nationalelf erzielte, spielte Salanovic in den letzten vier Länderspielen durch. Seine gute Physis, sein starkes Antizipationsspiel und vor allem seine Schnelligkeit machen ihn aktuell zur größten Waffe Liechtensteins. Ihn gilt es in Schach zu halten, denn auch wenn die Statistik (noch) etwas anderes sagt, geht von Salanovic mit Sicherheit die größte Gefahr aus.

Ein Gegner, den man knacken muss, wenn man zur EM will!

Auch wenn Liechtenstein längst keine Amateurtruppe mehr ist, wie es etwa in den 90er-Jahren der Fall war, darf es gegen die Auswahl des Fürstentums keine Ausreden geben. Durch dominantes Auftreten, hochstehende Abwehrreihen und vor allem schnelles Kombinationsspiel können und müssen die Liechtensteiner geknackt werden. Schwieriger wird es mit Flanken oder bei Standards, bei denen das Team stets gut organisiert ist. In der Luft ist der Gegner deutlich besser als auf dem Boden. Auch wird es stark darauf ankommen, den Kampf anzunehmen, denn gerade im zentralen Mittelfeld wird Liechtenstein alles entgegensetzen, was es zu bieten hat. Auch weil die beiden offensivsten Mittelfeldspieler ebenfalls sehr tief stehen werden und vor der Viererabwehrkette eine leicht versetzte Fünferkette bilden werden, von denen einer der Sechser situativ in den Zwischenlinienraum abkippen wird. Vorsicht ist zudem vor langen Bällen hinter die Abwehr geboten, denn Solospitze Salanovic ist unberechenbar und kann schon mal entwischen. Im Idealfall ist das Gegenpressing der Koller-Elf aber gut genug, um diese Situationen gar nicht erst geschehen zu lassen.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen