Otto Fodrek, einstiger ÖFB-Masseur, hat am westlichsten Punkt Europas Wasserball „gespielt“. Georg „Schurli“ Schreitl, der Hexer der Fischhofgasse, „fuhr“ auf Mallorca Wasserski. Die Masseure... Anekdote zum Sonntag (57) – Für eine Handvoll Schilling

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Otto Fodrek, einstiger ÖFB-Masseur, hat am westlichsten Punkt Europas Wasserball „gespielt“. Georg „Schurli“ Schreitl, der Hexer der Fischhofgasse, „fuhr“ auf Mallorca Wasserski. Die Masseure des österreichischen Fußballes scheinen ein unfreiwilliges Faible für Wassersportarten zu haben. Auf jeden Fall wurden sowohl Fodrek als auch Schreitl Opfer der Gruppendynamik ihrer Schützlinge. 

Zwanzig Anekdoten ist es „her“, dass Schreitl schon einmal in dieser Serie auftauchte. Damals erzählte die Episode von Schreitls enger Beziehung zu „seinen“ Austria-Spielern: Fast 31 Jahre lang massierte er ihre Waden, lachte und weinte mit ihnen. Der Hobbysänger knetete als junger Mann Brotteig, flocht Striezel und Brezel, ehe er dazu überging lebende Personen durchzuwalken. Ob Herbert Prohaskas marode Achillessehnen oder Ogris´ Oberschenkel – „Schurli“ kannte die Wehwehchen der Spieler und entwickelte sich für viele auch zu einer Vertrauensperson. Nicht wenige riefen Schreitl „Papa“, weil er sich wie ein Vater um sie kümmerte. Er war die Gutmütigkeit in Person und ärgerte sich nicht darüber, dass ihn die Austrianer regelmäßig beim Schmäh nahmen. Einmal nötigte ihn ein Kicker, den er gerade bearbeitete, zu einem Gespräch über Geschäftsführer Joschi Walter, als dieser direkt hinter Schreitl ins Kammerl schlich: Als „Schurl“ gerade referierte, dass Bürohengst Walter ja noch nie einer anstrengenden Arbeit nachgegangen sei, räusperte sich der Austria-Boss hörbar. Schreitl drehte sich um und musste verlegen einwerfen, dass er diese Aussage doch ironisch gemeint hätte.

„Papa“ war unglaublich großzügig und hilfsbereit: War Not am Mann war er zu jeder Tages- und Nachtzeit innerhalb kürzester Zeit zur Stelle. Zur festzusammengeschweißten FAK-Truppe rund um Prohaska, Baumeister, Morales, Obermayer, Sara und Co. gehörte auch der Masseur selbst, der von der Fantribüne mit „Schurli, Schurli“- Gesängen in den Rang einer violetten Legende erhoben wurde, dazu. „Schurli“ Schreitl hatte nur einen Fehler: Seine zur Gier mutierende Sparsamkeit. Ging es nicht um Moneten war er – wie oben angesprochen – der großzügigste Mensch auf diesem Planeten, doch wie so viele Menschen, die einen Weltkrieg und eine Wirtschaftskrise durchmachen mussten, blieb „Schurl“ in Geldangelegenheiten knausrig: Wahrscheinlich zählte er daheim das Klopapier ab und hätte seine Morgenzeitung nach dem Lesen gerne weiterverkauft. Aber für seine Spieler waren Schreitls geizige Anwandlungen nur ein Grund mehr ihn auf der Schaufel zu haben, denn bald war klar, dass dem Herrn Masseur für Geld nichts zu schwör war.

Als die Austria in den 70ern zur Wintervorbereitung auf Mallorca weilte und die Mannschaft einen Tag Erholung am Strand genoss, kam einem die Idee: „Schurli“ muss Wasserskifahren. Einige Spieler offerierten „Papa“ die verhängnisvolle Wette: „Schurli, wenn du hundert Meter Wasserski fährst, bekommst du von jedem von uns einen Tausender geschenkt!“ Schreitls Augen glitzerten: Er beobachtete den gutgebauten Mann, der auf zwei Bretteln spielerisch leicht übers Wasser glitt. Auch wenn er nie zuvor auf Ski – weder im Schnee, noch auf Wasser – gestanden war, wollte er es für die versprochenen Blauen probieren. In eine Schwimmweste gepackt startete er seinen ersten Versuch und konnte sich schon beim Wegfahren vor einem Sturz nicht retten. Tapfer, obwohl er vom mallorquinischen Salzwasser – im wahrsten Sinne des Wortes – bereits nach dem ersten „Tauchgang“ die Nase voll hatte, versuchte er es immer wieder, doch er schaffte es einfach nicht sich aufrecht auf den Brettern zu halten. Die Kicker bogen sich vor Lachen. Schreitl gab schließlich auf, schmiss die Rettungsweste in den Sand und schrieb die nicht gewonnenen Tausender in den Rauchfang. Er wusste, dass er bald eine neue Chance bekommen würde.

Marie Samstag, abseits.at 

Marie Samstag