Knapp 25 Jahre nach dem offiziellen Geburtsdatum des SK Rapid Wien eröffnete eine andere Hütteldorfer Institution ihre Pforten. Jenes Gasthaus, das heute bereits in... Anekdote zum Sonntag (74) – Viele Runden für eine Runde
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Freunde im PubKnapp 25 Jahre nach dem offiziellen Geburtsdatum des SK Rapid Wien eröffnete eine andere Hütteldorfer Institution ihre Pforten. Jenes Gasthaus, das heute bereits in der vierten Generation geführt wird, liegt in der Nähe des Bahnhofs und der Rapid-Heimstätte. Schon Alt-Legenden wie Rudi Flögel, Ernst Happel und Walter Glechner stillten hier ihren Durst und bis zum heutigen Tag kehren viele Vereinsmitglieder dort ein. „Rapid-Lokal“ wird das Wirtshaus genannt und die Familie scheut sich nicht offen zuzugeben, für welchen Verein ihr Herz schlägt. Selbst im Video zum Rapid-Leitbild ist der mittlerweile pensionierte Wirt als einer der Protagonisten zu sehen.

Nachdem Rapid 2005 den 31. Meistertitel mit den Fans auf dem Rathausplatz begossen hatte, fuhr der Bus mit der Mannschaft knapp vor Mitternacht Richtung Hütteldorf. Auf der Fahrt rekapitulierte der ein oder andere, was sie erreicht hatten: Kaum einer hätte zuvor gedacht, dass Feldhofers Oberarm-Schulter-Tor bereits den vorzeitigen Meistertitel bedeutet hatte. Nach dem 4:1-Sieg über Bregenz, wollte man mit einem Auswärtssieg bei Salzburg rechnerisch alles klar machen. Das Rémis zwischen der Austria und Pasching kam Rapid jedoch zuvor. Die anschließende spontane Feier am Stephansplatz war aufgrund der euphorischen Stimmung mehr nach dem Geschmack vieler Rapidler, ein offizieller Akt musste jedoch jedenfalls her. 15.000 Grün-Weiße huldigten ihrer Mannschaft an einem warmen Maitag am Rathausplatz. Alkbottle heizte die Stimmung an, die offizielle Tellerübergabe erfolgte durch die damalige Vize-Bürgermeisterin Grete Laska. Im Schritttempo drehte die Mannschaft im Bus einige Runden am Ring um sich bei den Fans zu bedanken. Nach 23 Uhr verabschiedete man sich.

Obwohl die Fahrzeit vom Stadtzentrum in den 14. Bezirk nur eine knappe halbe Stunde betrug, dürstete es einen Großteil der Besatzung bald wieder. Man hielt vor dem Hütteldorfer Wirtshaus und Zeugwart Ramhapp kam auf eine Idee. Der überraschte Wirt wurde von einigen lustigen Spieler gegen geringen Widerstand in den Bus gezerrt und Ramhapp fragte frech: „Na wie schauts aus! Zahlst a Runde?“  Der Wirt verneinte natürlich. Also ließ der Zeugwart die Türen schließen und den Bus einmal ums damalige Hanappi-Stadion fahren. Als das grün-weiße Gefährt wieder vor der Gasthaustür zum Stehen kam, wurde der ehrwürdige Hausherr begleitet vom Lachen der Meistermannschaft erneut gefragt: „Kriegen wir jetzt eine Runde?!“ Erneutes Kopfschütteln und schon ging‘s auf zur nächsten Fahrt. Das Spielchen dauerte noch einige Fahrten ums Stadion an, ehe sich der Kneipier erweichen lies und seinen Kellnern den Auftrag gab, jedem Rapidler ein Krügerl hinzustellen. Die Meisterfeier endete also dort, wo die Grün-Weißen seit Jahr und Tag gerne auf ein Bier zusammensitzen. Böse Zungen behaupten, dass der Wirt durch solche Meisterprämien eh nicht viele Sonderausgaben hat. Jedenfalls für die Saison 2016/2017 muss er diese unter Garantie nicht mehr einkalkulieren.

Marie Samstag, abseits.at

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Marie Samstag