Da sich das Wetter endlich wieder der Jahreszeit angepasst hat, steht einem Samstag-Nachmittagsausflug auf dem Sportplatz nichts mehr im Wege. Die heutige Reise führte... Groundhopping: Zu Gast beim Derby im oberösterreichischen Julbach
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Oberösterreich Landeswappen_abseits.atDa sich das Wetter endlich wieder der Jahreszeit angepasst hat, steht einem Samstag-Nachmittagsausflug auf dem Sportplatz nichts mehr im Wege. Die heutige Reise führte uns ins oberste Eck des Mühlviertels. In Julbach, einem 1.600-Seelen-Dorf an der Grenze zu Deutschland, wurde ein Unterhausderby mit den Prädikaten „Spitzenspiel“ und „Aufstiegskracher“ beworben. Grund genug für uns, dort vorbeizuschauen. In der oberösterreichischen Bezirksliga Nord ging es da nämlich darum, die Frage aller Fragen zu beantworten: Wer steigt in die Landesliga auf?

Angekommen im sogenannten „Friedhofstadion“ wird erst mal über die Voraussetzungen informiert: Es stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die Jahrzehnte lang eine gemeinsame Vergangenheit in der untersten Liga des oberösterreichischen Amateurfußballs fristeten. Nun – gefestigt zwei Stockwerke höher – wollen beide Lokalrivalen den großen Sprung in die  fünfthöchste Spielklasse schaffen, um sich dort zukünftig mit regionalen Aushängeschildern wie Freistadt, Gallneukirchen oder Rohrbach zu matchen. Der Gastgeber aus Julbach, führt mit drei Punkten Vorsprung auf Verfolger und Gegner Lembach die Tabelle an. Dementsprechend bedeutend ist dieses „Rohrbacher Derby“ auch über die engen Gemeindegrenzen hinaus. Im Sommer pilgerten bei diesem Duell schon knapp 1.000 Zuschauer ins Friedhofstadion, das eigentlich für solche Menschenansammlung zu unterdimensioniert ist. Auch dieses Mal dürften es wieder nur knapp weniger Fußballinteressierte gewesen sein, die sich am engen Sportplatz ihr Plätzchen suchten. Selbst die angrenzende Friedhofsmauer wurde dabei als Sitzgelegenheit zweckentfremdet.

Die Veranstalter dieses Duells haben keine Mühen gescheut und sämtliches Geschütz, was in der Sektion steckt aufgefahren. Zuerst kickte schon die Jugend, dann die Reserve-Mannschaften (die hier auch ganz originell „1B“, „E24“ oder „Zwoate“ genannt werden), ehe Kindergartenkinder die Protagonisten aufs Feld begleiten. Rund um den kleinen Platz, eingebettet zwischen einem auf heiße Sommertage wartenden Freibad und des örtlichen Friedhofs, sorgten die beiden Fanlager schon vor dem Spiel für Derby-Stimmung. Doch nicht nur der Duft des möglichen „Bald-Schon-Landesliga-Fußballs“ liegt in der wieder etwas wärmeren Mühlviertler Landluft, auch der Geschmack von Frittierfett und Bier hüllt die Friedhofstribüne ein. Über die Gerstensaft-Vorräte wacht übrigens der Abt des benachbarten Klosters, einer Stifsbrauerei, der als Ehrengast und Sponsor hochwürdige Daumen drückt. Nachdem alle Spieler die überaus strenge Adjustier-Kontrolle vom Unparteiischen bestanden haben, kann’s auch schon losgehen. Zur Einlaufmelodie wünscht der lokale Energy-Drink-Produzent den Heimischen nochmal alles Gute.

Beim Spiel selber kennt man dann rasch die Wichtigkeit für die beiden Aufstiegsaspiranten. Keiner will die Ausgangslage mit einer Unkonzentriertheit unnötig verkomplizieren. Das Spiel ist zwar von Beginn an taktisch geprägt, doch beide Teams werfen viel Leidenschaft in die Partie. Dann gibt´s auch erste Halbchancen. Ein Zuschauer merkt an, dass man in der Torschuss-Statistik schon früh die Werte vom Champions-League-Kracher zwischen Manchester City und Real Madrid überboten hat. Stimmt eigentlich. Dann hat Simon Schauberger seinen Auftritt, der auf 1:0 für die Gastgeber stellt. Vor der Pause der Ausgleich per Eckball. Da Hofer war´s. Die zweite Halbzeit verläuft ohne große Möglichkeiten. Die Fans werden langsam nervös. Lange passiert wenig, da ergreift Joker Sascha Berger die Chance und zirkelt einen Freistoß frech ins Eck. 2:1 für die Gäste. Danach werfen die Gastgeber noch alles nach vor, Tore bleiben jedoch aus. Damit gewinnt Lembach den Aufstiegskracher und zieht in der Tabelle wieder gleich.

Nach dem Spiel wird’s dann noch einmal emotional. Der langjährige Erfolgscoach der Gastgeber Anton Autengruber, machte aus dem Aufsteiger Julbach vom Abstiegskandidaten einen doppelten Vizemeister und aktuellen Tabellenführer. Nun wurde er von einem deutschen Viertligisten abgeworben und soll die abstiegsbedrohten Passauer retten. Dort misst er sich dann mit den Fußballprofis der zweiten Mannschaft von Bayern München oder Augsburg ebenso, wie mit Unterhaching oder Regensburg. Dementsprechend hoch lässt man den lokalen Sympathieträger noch einmal leben.

In der Kantine herrscht inzwischen weiterhin reges Treiben. Die Bosna-Vorräte sind zwar bereits aufgebraucht, doch der Zapfhahn glüht weiterhin im Akkord. Dazu wird ausgiebig gefachsimpelt, analysiert und debattiert, geträumt und gezweifelt – heimgehen will irgendwie noch keiner. Immerhin ist ja morgen Sonntag. Und „Fußballfeste“ müssen nun mal gefeiert werden wie sie fallen.

Werner Sonnleitner, abseits.at

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Werner Sonnleitner