Die Auslosung der UEFA Champions League fand vergangenen Freitagmittag statt und die Fußballfans auf der ganzen Welt freuen sich bereits auf die bevorstehenden Spiele... Taktik-Vorschau zum Champions-League-Viertelfinale 2014/15 (2)
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FC Barcelona Logo 2Die Auslosung der UEFA Champions League fand vergangenen Freitagmittag statt und die Fußballfans auf der ganzen Welt freuen sich bereits auf die bevorstehenden Spiele im April. Deswegen wagen wir schon jetzt einen kleinen Blick darauf, wo die Teams aktuell stehen und wie die Spiele ablaufen könnten.

Paris St. Germain – Barcelona

Dieses Spiel könnte ungemein interessant werden, weil von beiden Mannschaften keine wirklich defensive Ausrichtung zu erwarten ist. Beide Teams können sowohl in Ballbesitz, als auch im Konterspiel enorm gefährlich sein, obgleich den Franzosen mit den gesperrten Verratti und Ibrahimovic im ersten Spieltag gleich zwei herausragende Akteure fehlen. Allerdings zeigte PSG schon gegen Chelsea, dass auch ohne Superstar Ibrahimovic mit der Mannschaft zu rechnen ist.

Mit Lucas, wenn dieser rechtzeitig fit wird und in Form kommt, Cavani sowie Lavezzi haben sie drei hervorragende Optionen für den Sturm. Auch Pastore spielte schon einige Male als Flügelstürmer oder auch als falsche Neun. Trainer Laurent Blanc nutzt nämlich häufig ein 4-3-3 oder ein asymmetrisches 4-3-3, in welchem einer der Flügelstürmer sich eher in Richtung Mittelfeld orientiert. Auch ein 4-4-1-1/4-2-3-1 oder ein defensivorientiertes 4-5-1 wären gegen die Katalanen möglich.

Voraussichtlich dürfte es aber bei einem 4-3-3-haften System bleiben. Fraglich ist, wie das zentrale Mittelfeld gefüllt werden wird. Matuidi als überaus athletischer, weiträumiger und auch torgefährlicher Achter, Thiago Motta als spielstarker Alleskönner im zentralen Mittelfeld, sowie Rabiot als passstarker und athletischer Verbindungsspieler wären gegen Barcelona eine interessante Besetzung. Cabaye wäre eine Option, ist aktuell noch verletzt.

Alternativ könnte aber auch David Luiz aus der Innenverteidigung ins zentrale Mittelfeld rücken. Schon gegen Chelsea agierte Luiz als tiefster Mittefeldspieler auf der Sechs und könnte dies gegen Barcelona ebenfalls tun. Thiago Silva und Marquinhos würden dann die Innenverteidigung bilden, Maxwell und van der Wiel bilden in der Regel die defensive Flügelzange.

Anfällig könnte Paris aber im 4-3-3 über die Flügel und nach diagonalen Hereingaben sein. Barcelona spielte in den letzten Wochen und Monaten mit einem enorm interessanten 4-3-3, in welchem Messi und Neymar immer wieder sehr breit stehen, den Ball nahe der Seitenauslinie erhalten und dann ins Dribbling gehen. Besonders Messi ist hierbei natürlich extrem gefährlich. Er setzt sich gegen seinen Außenverteidiger mit fast schon spielerischer Leichtigkeit durch, erzeugt dann Überzahl und zieht weitere Aufmerksamkeit auf sich.

Immer wieder spielt er dann gefährliche Diagonalbälle aus dem rechten Halbraum hinter die gegnerische Abwehr, wo Suarez Räume für Neymar und bisweilen sogar Linksverteidiger Alba öffnet. PSG könnte Probleme haben, Messis Dribblings und Pässe zu verteidigen. Garniert wird dies mit ausweichenden Bewegungen Rakitics oder Rafinhas von der rechten Achterposition aus, um für Messi abzusichern und Breite zu geben, wenn er in die Mitte rückt. Dadurch hat Messi komplette Freiheit, kann zentral auftauchen, im rechten Halbraum wirbeln oder eben breit stehen und in Dribblings gehen.

Insbesondere in einem klassischen 4-3-3 mit hohen Flügelstürmern gäbe es hier zahlreiche Probleme für PSG, weswegen sie gegen den Ball vermutlich auf ein 4-1-4-1 umstellen sollten. Damit könnten sie flexibel die Viererkette durch einen zurückfallenden Sechser auffüllen (David Luiz?) und hätten eine bessere Flügelverteidigung, weil die Flügelstürmer tiefer agieren würden. Ob das aber trotzdem gegen die aktuell enorm formstarken und offensiv unglaublich durchschlagskräftigen Katalanen ausreicht?

FC Porto – Bayern München

Auf dem Papier wirkt das wie das womöglich sogar klarste Los im Viertelfinale. Porto setzte sich zwar in der Gruppe H gegen Shakhtar Donezk, Athletic Club und BATE Borisov als Gruppenerster ohne Niederlage durch und bezwang den FC Basel mit 1:1/4:0 im Achtelfinale – dennoch werden ihnen keine Chancen gegen die Bayern eingeräumt. Doch Porto ist keineswegs schwach: Sie haben die meisten Punkte von allen Mannschaften in Europa in dieser Saison geholt, noch vor Bayern, Barcelona und Real. Natürlich sind sie der Außenseiter, doch ganz so absurd wäre eine Überraschung nicht.

Seit Sommer hat Porto nämlich in Julen Lopetegui einen außerordentlich kompetenten Trainer. International ist Lopetegui weitestgehend unbekannt, doch der ehemalige Torhüter trainierte überaus erfolgreich die Jugendmannschaften der spanischen Nationalmannschaft. Er ist ein Fan des spanischen Ballbesitz- und Kurzpassspiels, was er seit Sommer dem FC Porto eingetrichtert hat.

Die Portugiesen überzeugen nicht nur mit dem starken Kombinationsspiel, sondern auch mit einer guten Arbeit gegen den Ball. Sie variieren ihr Pressing und bilden teilweise sogar innerhalb einzelner Spielzüge unterschiedliche Formationen durch komplexe Abläufe. Aus dem 4-3-3 kann ein 4-1-3-2, ein 4-1-4-1, oder ein 4-4-2 werden; im Aufbauspiel verhält es sich nicht anders. Immer wieder organisieren sie sich um und bewegen sich sehr gut, um Vorteile zu erzeugen.

Rechtsverteidiger Danilo dürfte zwar der einzige Akteur sein, der in die Startelf der Münchner Bayern kommen dürfte, doch mit Casemiro, Quintero, Oliver Torres, Brahimi und Hector Herrera oder auch international erfahrenen Akteuren wie Jackson Martinez, Indi Martins und Adrián haben sie durchaus starke Einzelspieler im Kader. Dennoch ist ein Weiterkommen unwahrscheinlich.

Guardiolas Startruppe ist letztlich die womöglich nicht nur individuell, sondern auch taktisch stärkste Mannschaft im Wettbewerb. Einzig Barcelona und Real können das noch von sich behaupten, ansonsten stehen alle anderen Mannschaften in beiden Aspekten relativ klar hinter den Münchnern. Sie passen sich enorm stark an den Gegner an, stellen von Spiel zu Spiel die Taktik und das Personal um, wobei sie hier natürlich nicht nur von Guardiola, sondern auch dem extrem breiten Kader profitieren.

Porto dürfte ihnen wohl sogar liegen, weil Lopetegui eher offensiv spielen lassen wird. Sie können Porto nach vorne locken, damit Räume öffnen und dann schnell kombinieren. Interessant wäre eine asymmetrische 3-4-1-2/3-4-2-1-Formation, wie sie schon im Herbst gegen den AS Rom genutzt wurde. Hier könnte Robben als rechter Flügelverteidiger agieren, der immer wieder nach vorne schiebt und nach Verlagerungen direkt in ein 1-gegen-1 nahe am gegnerischen Strafraum gehen kann.

Götze auf der Zehn, Lewandowski und Müller vorne, sowie Ribéry als Edeljoker – oder gar als Flügelverteidiger, wenn Guardiola sich für die totale Offensive entscheidet – wäre die weitere Offensivbesetzung. Mit Alaba, Boateng und Benatia oder Javi Martinez könnte man im Normalfall die dribblingorientierten Angriffe Portos durch die Dynamik extrem gut absperren und wäre im Gegenpressing überaus stark.

Alternativ wären natürlich auch die üblichen 4-3-3artigen Formationen eine Möglichkeit. Porto gegen Bayern ist womöglich nicht das spannendste Duell, könnte aber aus ästhetischer Perspektive das sehenswerteste werden.

René Maric, www.abseits.at

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Rene Maric