Das 7:0 des FC Bayern unter der Woche gegen Shakhtar Donetsk hat sicherlich hohe Erwartungen gegenüber den Starkickern von der Isar geweckt, denen eben...
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_Pep Guardiola - FC Bayern MünchenDas 7:0 des FC Bayern unter der Woche gegen Shakhtar Donetsk hat sicherlich hohe Erwartungen gegenüber den Starkickern von der Isar geweckt, denen eben diese nach der Puck-Affäre von Eichin und Sammer im Spiel gegen Werder Bremen gerecht wurden. Mit einem ungefährdeten 4:0-Auswärtssieg schlugen die Mannen Pep Guardiolas die wiedererstarkten Werderaner im Weser-Stadion. Dabei fielen die Tore auf für bayrische Verhältnisse unorthodoxe Weise

Bayerns Veränderungen

Der FC Bayern begann im 3-5-2 mit dem gegenpressingstarken Rode und Götze als Achter, wobei Letzterer einen offensiveren, vorstoßenden Part übernahm. Guardiola hat gegenüber der Champions-League-Partie mehrfach umgestellt bzw. musste dies tun. Robben und Ribéry fehlten verletzungsbedingt, Xabi Alonso aufgrund einer Gelbsperre und Holger Badstuber und Manuel Neuer wurde eine Pause gewährt. Dafür gab Pepe Reina sein Bundesliga-Debüt und Benatia feierte nach überstandener Verletzungspause sein Comeback. Robert Lewandowski und Thomas Müller agierten als flexible Stürmer. Ab der 10. Minute ähnelte die Aufstellung eher einer Viererkette oder gar einem Hybrid aus 4-3-1-2 und 3-5-2, da Alaba seine Rolle als linker Halbverteidiger wie so oft sehr dynamisch und vorstoßend interpretierte und den Halbraum besetzte. Rafinha hielt sich im Vergleich zu den vergangenen Spielen im Einrücken sehr zurück, da diese strategische Maßnahme aufgrund von Robbens Abstinenz obsolet wurde.

Bremen macht es wie Hannover

Werder begann dagegen eher passiv im 4-5-1/5-4-1 und zeigte Ansätze einer Fünferkette im Stile von Korkuts Ausrichtung für Hannover im Spiel gegen den FCB in der vergangenen Woche, als Briand als tiefer Flügelspieler im Zwischenraum zwischen Mittelfeld und Abwehrreihe situativ aufrückte oder sich fallen ließ. Diese Rolle übernahm Davie Selke auf der linken Bremer Seite.

Werder wollte mit dynamischem, vertikalem Spiel und schnellen Bällen in die Spitze die bayrischen Staffelungen auskontern und zeigte dabei gute kombinative Ansätze, scheiterte jedoch an dem teils unsauberen und hektischen Ausspielen der Bälle.

Bayrische Konter existieren!

Über die meiste Zeit kontrollierte der FCB die Partie und insbesondere die Bremer Konter mit gutem Ballbesitzfußball und stabiler Überzahl in der Mitte, gegen Ende des ersten Durchganges – circa nach dem Führungstreffer Müllers nach einer starken Gegenpressingaktion von Mario Götze – traute sich Bremen eher heraus und begann früher und horizontal kompakter zu pressen.

In der zweiten Hälfte war diese Marschroute weiterhin zu erkennen und wurde im Verlauf sogar intensiviert, meist überfielen die Werderaner den FCB durch Isolationsversuche auf den Flügeln. Der Rekordmeister zeigte sich jedoch unbeeindruckt und agierte vermehrt vertikaler im zweiten Durchgang, wenn Bremen höher aufgerückt war. Vor allem Boateng fiel mit starken Vertikalpässen, die teilweise sogar die Mittelfeldreihe Werders überbrückten, auf. Nun hielt sich Alaba auch vermehrt im Mittelfeld auf, um Überzahl zu schaffen, so waren Boateng und Benatia im Spielaufbau auf sich alleine gestellt, wobei Schweinsteiger durch vereinzeltes Abkippen Unterstützung bot.

Bayerns drittes Tor fiel aber unüblicherweise nach einem Konter: Der Abstand der Mittelfeldreihe Werders zur Abwehrreihe war beim Gegentreffer zu groß, da die vorderen Reihen immer höher zu pressen versuchten. Auch nach dem Tor eröffnete das den Bayern enorme Räume (siehe Müllers Chance nach 78 Minuten). Letzten Endes markierte Lewandowski nach einem weiteren Schnellangriff den 4:0-Endstand.

Fazit

Das Spiel bot vielerlei Erkenntnisse: Skripnik hat in Bremen sehr stabile und entwicklungsfähige Strukturen in der Spielkultur etabliert und ist lediglich an einer abgezockten Mannschaft und kleineren defensiven Unstimmigkeiten zum Ende der Partie hin gescheitert. Nach der strategischen Umstellung zur zweiten Hälfte bekam Werder größeren Zugriff zum Spiel und stellte den amtierenden Double-Sieger sogar vor kleine Schwierigkeiten.

Für die Bayern bleibt festzuhalten, dass man auch vertikal Potenzial zu effizientem und schnellem Überbrücken von gegnerischen Strukturen besitzt. Das Ballbesitz- und Positionsspiel ist also nicht als stures und unflexibles Dogma implementiert.

Debütant Pepe Reina, der Ersatzkeeper der Münchner, ist im Vergleich zu Neuer wesentlich tiefer positioniert in der eigenen Ballzirkulation und spielt seine Pässe vertikaler. Dafür streute er aber auch einige lange Bälle und Befreiungsschläge ein, insgesamt sollte jedoch feststehen, dass er einen geeigneten Ersatzmann für den zweifachen Welttorhüter darstellt.

Shahin Bazani, abseits.at

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Shahin Bazani