Der junge Niederösterreicher Florian Grillitsch kam in letzter Zeit zu immer mehr Einsätzen. Seine Leistung gegen die TSG 1899 Hoffenheim ist Gegenstand unserer heutigen... „Brave“ Grillitsch-Leistung und die Probleme des ÖFB-Youngsters im aktuellen Bremer System
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Florian Grillitsch - SV Werder Bremen_abseits.atDer junge Niederösterreicher Florian Grillitsch kam in letzter Zeit zu immer mehr Einsätzen. Seine Leistung gegen die TSG 1899 Hoffenheim ist Gegenstand unserer heutigen Analyse.

Bremen spielte in einem biederen 4-4-2 mit Flankenfokus. Grillitsch nahm dabei die Position des rechten Mittelfeldspielers ein, als Hintermann hatte er den laufstarken Theo Gebre Selassie. Bei Ballbesitz rückte er meist weit ein, um seinem laufstarken Rechtsverteidiger Räume zu öffnen. Er agierte etwas höher als Galvez, sein Pendant auf der anderen Seite. Grillitsch war auch verantwortlich für die Eckbälle von beiden Seiten. Sein erster Corner ging auch prompt ins Tor, zwar über Umwegen (abgefälscht nach Vestergaard Kopfball von einem Hoffenheim-Verteidiger), jedoch war er nichtssdestotrotz gut angetragen. Grillitsch wurde danach mit einem weiteren Eckball sehr gefährlich, Ujahs anschließender Kopfball wurde jedoch gerade noch gehalten.

Im Pressing agierten die Bremer im 4-1-4-1, aus dem nur sehr konservativ aufgerückt und situativ mannorientiert verfolgt wurde. Die Zentrumsverdichtung war Werders oberste Prämisse, was auch sehr gut gelang. Grillitsch selbst schob stets passend mit und griff einmal „rettend“ ein, als er einen Schnittstellenpass durch das Mittelfeld antizipiert hatte, seine Position verließ und den Ball in der Mitte eroberte. Im Offensivspiel selbst kam der passsichere Akteur eher selten zur Geltung, da der Flankenfokus seiner Spielweise weniger entgegen kommt. Grillitsch bewegte sich gut in den wenigen Momenten in denen es kurze Kombinationen gab, rückte dabei immer wieder stark in die Mitte ein. In der Entscheidungsfindung bewies er sich ebenfalls als klug.

In untenstehendem Screenshot sieht man nun folgendes: Im offensiven Umschaltmoment bekommt Grillitsch den Ball, täuscht hier auf der rechten Seite eine Flanke an und dreht ab, nimmt das Tempo aus dem Angriff. Scheinbar nichts Besonderes, andere möchten dies vielleicht sogar als falsche Entscheidung sehen. Ich habe jedoch oft genug schon Spieler gesehen, die hier den langen Pass auf den dann völlig isolierten Pizarro spielen, oder vielleicht sogar flanken und somit den Ball leichtfertig an den Gegner abgeben, weshalb ich diese Aktion als taktisch klug bewerte.

cruyff turn

Grillitsch wechselt Position

Öztunali kam in Halbzeit zwei statt Galvez, Grillitsch rückte daraufhin auf die Position des linken Achters/Sechsers in der Anpassung auf ein 4-4-1-1. Diese Rolle liegt ihm zwar prinzipiell besser, doch durch die Spielweise der Bremer, die den Aufbau und schnelle Vorstöße über die Seite fokussieren, hatte er auch hier nicht allzu viele Ballkontakte.

Jedoch konnte er hier seine Stärken besser einsetzen. Der Neunkirchner gibt gern Verbindungen, lässt den Ball prallen oder verlagert. Dies ist unter Viktor Skripnik beim SV Werder Bremen nicht mehr so gefragt. Weniger Kombination, mehr über individuelle Aktionen über die Flügel. Wahrscheinlich ein Mitgrund, warum Junuzovic zurzeit nicht ganz so gute Leistungen liefert wie in den vorherigen Saisonen. Als ebenjener eingewechselt wurde wechselte Grillitsch auf den linken Flügel und gab die Verantwortung für die Standardsituationen ab.

Die gelb-rote Karte von Hoffenheim veranlasste die Bremer dazu, offensiver zu agieren. Grillitsch suchte nun mehr den Zwischenlinienraum und bot sich teilweise sogar für Flanken aus dem Halbraum an, was jedoch unpassend war. Damit hätte man den Hoffenheimern nur in die Karten gespielt, das Verteidigen in Unterzahl einfacher gemacht. Mit fortlaufender Spielzeit ließ sich Grillitsch vom Bewegungsdrang Junuzovic‘ anstecken, man konnte in einen wenigen Situationen sogar halbwegs saubere Kombinationen spielen.

Ähnlich wie Junuzovic kommen Grillitschs Fähigkeiten im derzeitigem Bremer System nicht ganz zum Tragen, wobei Grillitsch auf der rechten Seite durchaus ansprechend spielte. Diese Seite ist nämlich die offensivstärkere und mit Gebre Selassie und dem ausweichenden Pizarro hat er hier Partner für Kombinationen.

David Goigitzer, abseits.at

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David Goigitzer