Der achte Spieltag unterstrich die aktuelle Unberechenbarkeit der deutschen Bundesliga. Eine Zusammenfassung. Hamburg und Wolfsburg taumeln weiter durch die Liga Um die dramatische sportliche... Der achte Spieltag in Deutschland: Topteams patzen – Überraschungsteams setzen sich vorne fest
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BundesligaDer achte Spieltag unterstrich die aktuelle Unberechenbarkeit der deutschen Bundesliga. Eine Zusammenfassung.

Hamburg und Wolfsburg taumeln weiter durch die Liga

Um die dramatische sportliche Situation des HSV auf den Punkt zu bringen, reichen wohl folgende Zahlen aus: Hamburg gewann sein letztes Bundesligaspiel am 14. Mai; erzielte in dieser Saison bisher erst mickrige zwei Tore in acht Spielen und wartet nun seit sechs Bundesligaspielen auf einen Treffer. Den Spielverlauf gegen Eintracht Frankfurt bringt Torhüter Rene Adler auf den Punkt: „Mir fehlen die Wort: Wir verlieren 0:3 und lassen uns abschlachten – das geht nicht und das können wir als Bundesligamannschaft nicht machen.“.

Den Beweis, dass es sich beim HSV um eine solche handelt, blieben die Hanseaten erneut schuldig. Nach dem 0:1 (Eigentor Lewis Holtby) vor und dem Platzverweise von Dennis Diekmeier nach der Pause, fiel die Mannschaft komplett in sich zusammen. Die Defensive ging jedem Zweikampf aus dem Weg, während die Offensive keinen einzigen Torschuss und gerade einmal drei Schüsse insgesamt zu Wege brachte. Die Hamburger sind damit nun Tabellenletzter. Gegner Frankfurt dagegen setzt sich mit dem Sieg in der oberen Hälfte des Tableaus fest. Überragend dabei erneut Marco Fabian, der die Treffer von Haris Seferovic und Shani Tarashaj vorbereitete, und der zentrale Mittelfeldspieler Omar Mascarell.

Hamburgs Nordrivale VfL Wolfsburg geht es aktuell nicht viel besser. Auch unter Interimscoach Valerian Ismael lieferten die Wölfe beim 1:3 in Darmstadt, vor allem in der Defensive, eine besorgniserregende Vorstellung ab. Ein kapitaler Fehler von Innenverteidiger Jeffrey Bruma, nötigte den Niederländer zu einer Notbremse – Rote Karte, Platzverweise. Den anschließenden Freistoß verwandelte der Darmstädter Änis Ben-Hatira dann direkt zum 1:0 für die Lilien. Das Matchglück ist derzeit wahrlich nicht auf der Seite der Grün-Weißen.

Eines muss man den Wolfsburgern aber lassen: im strömenden südhessischen Regen, gab sich die Mannschaft zunächst nicht auf. In der zweiten Hälfte gelang durch Mario Gomez, der sein erstes Bundesligator für den VfL erzielte, sogar der zwischenzeitliche Ausgleich. Dieses Kopfballtor nach einer Ecke, war aber letztendlich die einzige gefährliche Offensivaktion, die die Wolfsburger aus 71 (!) Prozent Ballbesitz zu Stande brachten. Die Darmstädter hingegen gingen mit ihren Chancen cleverer und effizienter um: die beiden Tore durch Laszlo Kleinheisler und Sandro Sirigu versinnbildlichten den Willen der 98er. Darmstadt hat sich durch den ersten Sieg seit dem 10. September etwas Luft im Abstiegskampf verschafft, während Wolfsburg weiter in Selbigem feststeckt.

Vermeintliche Topteams können nicht mehr gewinnen

Was war das bitte für ein wilder Ritt zwischen dem FC Ingolstadt und Borussia Dortmund? Nach einer erschreckend schwachen Vorstellung des BVBs in der erste Hälfte, gingen sehr starke und entschlossene Ingolstädter, durch die Tore von Almog Cohen und Dario Lezcano, mit einer 2:0-Führung in die Pause. Auch in der zweiten Halbzeit waren zunächst die Schanzer am Drücker: den Dortmunder Anschlusstreffer durch Aubameyang, konterte das Team von Trainer Markus Kauczinski postwendend mit dem 3:1 (erneut Lezcano). Anschließend bot sich Moritz Hartmann die Riesenchance zum 4:1: der Ingolstädter scheiterte aber am Pfosten. Die Westfalen wirkten nach dem 3:1 ziemlich mitgenommen, zollten scheinbar der Energieleistung beim 2:1-Erfolg in Lissabon unter der Woche in der Champions League Tribut.

Umso beeindruckender gestaltete sich die folgende Aufholjagd der Schwarz-Gelben. Durch puren Willen gelang zunächst der Anschlusstreffer (Adrian Ramos) und in der Nachspielzeit sogar noch der Ausgleich durch den eingewechselten Christian Pulisic. Trotz aller Freude über das später Remis, tritt der BVB mit drei sieglosen Spielen in Folge tabellarisch auf der Stelle. Ingolstadt sendete mit dieser Leistung hingegen ein Lebenszeichen im Abstiegskampf.

Während die Dortmunder zumindest Moral zeigten, gingen die beiden anderen, vermeintlichen, Champions-League-Kandidaten in ihren Begegnungen sang –und klanglos unter. Leverkusen hatte nach dem frühen Platzverweis von Kevin Volland bei der 3:0–Heimniederlage gegen Hoffenheim nicht die geringste Chance. Die Kraichgauer waren in fast allen Belangen überlegen und münzten diese Tatsache in Tore von Kerem Demirbay, Sandro Wagner (4. Saisontreffer, dritter Treffer in Folge) und Steven Zuber um. Die TSG steht aufgrund des vierten Sieges in Folge auf Platz 4 der Tabelle. Leverkusen versinkt nach der zweiten Pleite in Serie im Liga-Mittelmaß.

Dort befindet sich derzeit auch Lokalrivale Borussia Mönchengladbach, nach der 2:0– Niederlage gegen den FC Bayern. Die Fohlen zeigten über die gesamte Spielzeit keine ernsthafte Gegenwehr gegen sehr entschlossene und, vor allem im Flügelspiel, sehr starke Münchner. Bester Akteur auf dem Platz war Bayerns David Alaba, der das 1:0 durch Arturo Vidal mustergültig vorbereitete. Douglas Costa erzielte bei seinem Startelfdebüt in dieser Saison gleichmal sein erstes Tor und feierte dies mit einem Selfie. Bayern bleibt mit diesem Erfolg souveräner Tabellenführer, während Gladbach nach dem dritten sieglosen Spiel in Folge den Anschluss nach oben zu verlieren droht.

Leipzig und Hertha erste Bayern-Verfolger

Auch beim verdienten 3:1-Erfolg über Werder Bremen überzeugten die Sachsen erneut durch ihre starke Defensive, die Eroberung der zweiten Bälle und die individuelle Klasse ihrer Offensiv-Akteure. Dieses mal standen Naby Keita und Davie Selke im Fokus: Keita erzielte die beiden ersten Tore, Selke bereitete als Einwechselspieler den zweiten Treffer seines Kollegen vor und setzte in der Nachspielzeit den Schlussstrich. Serge Gnabry sorgte unmittelbar nach dem 2:0 für einen zwischenzeitlichen Bremer Hoffnungsschimmer. RB bleibt damit weiterhin ungeschlagen und ist nun schon Zweiter, Bremen bleibt im Tabellenkeller.

Auch Berlin bleibt dank des 2:1 im Spitzenspiel gegen den 1. FC Köln, ganz oben dabei. Trainer Pal Dardai konnte sich mal wieder auf sein Super-Duo Mitchell Weiser und Vedad Ibisevic verlassen. Das 1:0 war eine Co-Produktion der beiden, die der Bosnier zu seinem 6. Saisontor vollendete. Per Freistoß leitete Weiser dann auch noch den 2:1-Endstand, erzielt von Niklas Stark, ein. Den zwischenzeitlichen Ausgleich für Köln markierte, wer sonst, Anthony Modeste, mit seinem 8. Tor im 8. Spiel. Hertha hatte in der Schlussphase dann ein wenig Glück, als Köln beste Möglichkeiten ungenutzt ließ. Letztendlich war der Sieg der Berliner, aufgrund der größeren Spielanteile, aber absolut verdient.

Zahlen und Fakten zu den restlichen Partien

SC Freiburg 2:1 FC Augsburg

Freiburg feierte mit diesem Erfolg den vierten Sieg im vierten Heimspiel. Nach dem 8. Spieltag haben die Breisgauer damit bereits 12 Punkte auf dem Konto – mehr waren es zu diesem Zeitpunkt nur vor 18 Jahren.

Maximilian Philipp erzielte bereits sein 4. Saisontor und Nils Petersen sein drittes (alle als Joker – Petersen liegt mit 13 Jokertoren nun auf Platz 5 des historischen Rankings).

Halil Altintop erzielte nun in jedem seiner vier Spiele für den FC Augsburg gegen Freiburg ein Tor. Trotzdem bleiben die Fuggerstädter auch im dritten Spiel nacheinander sieglos.

FC Schalke 04 3:0  FSV Mainz 05

Schalke holte aus den letzten drei Spielen 7 Punkte und erzielte in diesem Zeitraum die meisten Tore aller Bundesligisten (8).

Das 0:3 ist die höchste Mainzer Niederlage seit 13 Monaten.

Nabil Bentaleb ist der erste Algerier, der in der Bundesliga einen Doppelpack schnürt, Max Meyer traf das erste Mal seit 1007 Minuten wieder und Franco di Santo bereitete zwei Treffer vor: Bundesliga-Premiere für den Argentinier.

Rohrspatz des Spieltages

Roger Schmidt: „Ach, Roger…“, werden sich die Fans von Bayer Leverkusen, mal wieder, gedacht haben, als ihr Trainer im Spiel gegen Hoffenheim, mal wieder, auf die Tribüne geschickt wurde. Da Schmidt nach seiner Aktion in der letzten Saison – als er sich weigerte seiner Verbannung auf die Tribüne Folge zu leisten – derzeit nur auf Bewährung ist, könnte auf den Leverkusener, seitens der DFL, demnächst einiges an Ärger zu kommen. Dieses Mal musste er den Innenbereich aufgrund einer Beleidigung gegenüber Gästetrainer Julian Nagelsmann („Wer bist du denn, du Spinner“) verlassen.

Ral, abseits.at

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