Im zweiten Anlauf klappte es nun doch mit dem Wechsel von Philipp Hosiner zum 1. FC Köln. Nachdem der deutsche Bundesligist im Winter aufgrund... Fünf Stürmer für zwei Positionen: Philipp Hosiner und die Konkurrenz beim 1. FC Köln

FC KölnIm zweiten Anlauf klappte es nun doch mit dem Wechsel von Philipp Hosiner zum 1. FC Köln. Nachdem der deutsche Bundesligist im Winter aufgrund eines Nieren-Tumors beim Stürmer noch Abstand nahm, lieh er ihn – nach überstandener Operation und Genesung – nun für ein Jahr aus und sicherte sich zudem eine Kaufoption. Wir sehen uns seine Chancen in der Domstadt an und stellen seine Konkurrenten vor.

Für mich schließt sich ein emotionaler Kreis“, so Hosiner nach dem Transfer. Ausrasten darf er sich jedoch nicht, denn im Kader der „Geißböcke“ stehen neben ihm noch vier weitere Stürmer, die berechtigte Ansprüche auf einen Platz in der Stammelf stellen. abseits.at nimmt die Personalsituation genauer unter die Lupe.

Philipp Hosiner: Stögers Vorzeigeschüler

Dass Hosiner ausgerechnet zum 1. FC Köln wechselt und dieser selbst nach dem gescheiterten Medizincheck im Winter an ihm drangeblieben ist, ist wenig verwunderlich, schwingt in der Domstadt doch Peter Stöger das Trainerzepter. Gemeinsam mit dem 49-Jährigen wurde Hosiner bekanntlich 2013 Meister und obendrein Torschützenkönig. Die Spielweise der damaligen Austria passte sehr gut zu Hosiners Spielerprofil. Der 26-Jährige ist kein großartiger Individualist, dafür aber jemand, der sich passend an die taktischen Abläufe anpassen konnte.

Im Kombinationsspiel zeigte er unscheinbare, aber wirksame Bewegungen. Er bot sich einerseits immer wieder für Kurzpasskombinationen an, zog damit seinen Gegenspieler aus dessen Position und ging dann mit seiner Antrittsstärke in den geöffneten Raum. Zum anderen bewegte er sich auch gut Schulter an Schulter mit dem tiefsten Abwehrspieler, drückte damit die gegnerische Viererkette nach hinten. Herausragend war aber sein Umschaltverhalten in der Offensive – neben seiner Kaltschnäuzigkeit der Hauptgrund für seine starke Trefferquote.

Während der „Effzeh“ in der ersten Saison unter Stöger stark an die Austria in der Meistersaison erinnerte, musste man letztes Jahr als Bundesliga-Aufsteiger die Spielweise adaptieren. Der Fokus ging weg vom dominanten, aber zielstrebigen Kombinationsfußball. Das Hauptaugenmerk lag auf der Defensive, was eindrucksvoll umgesetzt wurde. Ganze 13 Mal spielten die Kölner zu null – nur Bayern München gelang dies häufiger. Diese Ausrichtung, verbunden mit dem generell hohen Umschaltfokus in der Bundesliga, könnte gut zu Hosiner passen.

Yuya Osako: Arbeiter ohne Durchschlagskraft

Ein durchaus ähnlicher Spielertyp wie Hosiner ist Yuya Osako. Der 25-jährige kam letztes Jahr von 1860 München, wo er in 15 Spielen sechs Tore erzielte. In seiner ersten Saison in der Domstadt blieb er mit drei Saisontoren jedoch unter den Erwartungen. Osako besticht durch seine Arbeitsrate, war in der 4-4-2-Formation dementsprechend auch eher das Bindeglied, während Neo-Bremer Anthony Ujah das Sturmzentrum besetzte. In manchen Fällen fand man ihn auch konstant am Flügel.

Seine Laufstärke kann er auch passend ins Pressing einbringen, wo er – wie Hosiner – gute Bogenläufe zeigt, jedoch zeigte er dies in der letzten Saison nicht immer. Abseits seiner guten situativen Bewegungen hat Osako individuell jedoch die eine oder andere Schwäche. Wie Hosiner ist der Japaner insbesondere kein Spieler, von dem man sich große Überraschungsmomente erwarten darf. Dafür ist seine Ballführung zu schwach. In der Luft ist er zudem tendenziell schwächer als der etwas kleinere Hosiner.

Anthony Modeste: Französischer Stoßstürmer

Kurz vor Hosiner verpflichteten die Kölner mit Anthony Modeste einen weiteren Stürmer. Der Franzose kam von der TSG Hoffenheim, wo er landete, nachdem die Wiener Austria Hosiner den Wechsel dorthin untersagte. Für die Kraichgauer traf er in 55 Spielen immerhin 19-mal. Modeste ist jedoch ein etwas anderer Spielertyp als der fünfmalige ÖFB-Teamspieler – vor allem individuell. Er überzeugt in erster Linie mit seiner Physis, wenngleich er wuchtiger wirkt als er mit seinen 83kg bei 1,86m in Wahrheit ist.

Behält Stöger die 4-4-2-Formation und in weiterer Folge die Rollenverteilung der Stürmer bei, dann dürfte der 27-Jährige eher ein direkter Konkurrent von Hosiner sein als Osako. Auch wenn Modeste nicht stur das Angriffszentrum besetzt, sondern vergleichsweise mobil ist, so ist vor allem sein Kombinationsspiel zu schwach um das verbindende Element zu sein. Würde er gemeinsam mit Hosiner spielen, könnte das ähnliche Probleme wie seinerzeit im Duo mit Roman Kienast geben. Für Modeste spricht, dass er sich sehr gut mit dem arbeitsamen Osako ergänzen würde. Andererseits würde eine Variante mit Hosiner und Osako die Kölner wohl weniger ausrechenbar machen.

Simon Zoller: Komplette Anlagen – theoretisch

Große Erwartungen hatte man in Köln wohl auch an Simon Zoller, als dieser letzten Sommer um 3,5 Millionen Euro aus Kaiserslautern kam. In 483 Minuten reichte es für den 23-Jährigen im Herbst nur zu einem Tor, sodass er wieder zu seinem alten Verein verliehen wurde. In der zweiten Liga kam er auf je drei Tore und Assists in 13 Spielen – ebenfalls keine großartige Ausbeute, die selbst FCK-Trainer Kosta Runjaic kritisierte.

Dabei wäre Zoller, gemessen an den Anlagen, wohl der kompletteste Stürmer im Kader der Kölner. Er ist körperlich äußerst robust, hat die nötige Technik, um den einen oder anderen Verteidiger auszuspielen und verfügt auch über eine solide Schnelligkeit. Auch im Kombinationsspiel sah man bereits ab und an sehr gute Aktionen. Das Problem, dauerhaft diese Anlagen umzusetzen, existiert beim Angreifer jedoch schon länger.

Bard Finne: Hochveranlagt, aber mit schwachem Output

Der fünfte Anwärter auf einen Platz in der Stammelf ist ebenfalls ein interessanter Mann: Bard Finne, ein 20-jähriger Norweger. Er kam im Winter 2014 in die Domstadt und ist damit unter den hier genannten Spielern der dienstälteste. Der Nachwuchsteamspieler verfügt ebenfalls über große Anlagen, stand aber vor allem in der letzten Saison immer wieder in der Kritik. Das liegt an seiner ausbaufähigen Torausbeute. In 21 Spielen für die FC-Profis konnte er erst zweimal einnetzen – einmal in der zweiten, einmal in der ersten Liga. Daneben stehen vier Assists.

Finne ist ein äußerst dynamischer Spieler, der technisch sehr sauber agiert und sich im Angriffsdrittel viel bewegt. Er kommt ebenfalls eher für die Rolle des hängenden Stürmers in Frage, wurde von Stöger zudem häufig auf den Außenbahnen gebracht. Auch wenn der Youngster bis jetzt noch keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen konnte, so ist ihm eine Leistungsexplosion jederzeit zuzutrauen – zumal Stöger große Stücke auf ihn hält.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem