Martin Schmidts Mainz 05 gewann am Mittwoch überraschend gegen die Bayern, die in der bisherigen Saison bisher nur einmal gegen Borussia Mönchengladbach als Verlierer... Fünferkette als Rezept: Mainz entzaubert den FC Bayern München
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FSV Mainz 05 Wappen_abseits.atMartin Schmidts Mainz 05 gewann am Mittwoch überraschend gegen die Bayern, die in der bisherigen Saison bisher nur einmal gegen Borussia Mönchengladbach als Verlierer vom Platz gingen. Damals traten die Gäste in einer Fünferkette an, Schmidt ließ sich davon anscheinend inspirieren, vielleicht ebenso von Nagelsmanns 5-2-1-2 gegen den BVB einen Tag zuvor.

Fünferkette als Rezept

Die Mainzer traten in einem 5-2-3 an und spiegelten somit die Formation der Bayern, die im Aufbau in einem 2-3-5 agierten. Die Gäste igelten sich keineswegs ein, setzten die Münchner recht früh unter Druck und erzwangen hohe Bälle, die Baumgartlinger und Frei aufklauben sollten. Diese zwei rückten auch immer wieder mannorientiert mit nach vorne, um den Ballvortrag für die Bayern zusätzlich zu erschweren.

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Durch die hohe spielerische Qualität der Gastgeber konnten sich diese natürlich auch einige Male durchkombinieren, jedoch war dies oft unsauber, oder wurde rechtzeitig mit Fouls gestoppt. Ziel war es vor allem, die Bayern nicht in einen „Rhythmus“ kommen zu lassen, die Ballzirkulation früh zu stören oder zumindest dorthin zu leiten, wo man selbst Überzahl hatte. Dies war oft die Mitte: konnten die Aufbauspieler der Münchner den ersten Pressingwall der Mainzer durchspielen, waren Baumgartlinger und Frei bereits dicht an den Passempfängern und die drei Stürmer agierten mit intensivem Rückwärtspressing.

Der Mut schien jedoch in der Anfangsphase vielleicht zu groß gewesen zu sein, einige Male konnte vor allem Ribéry auf der linken Seite mit Dribblings durchbrechen und die Bayern kamen zu guten Chancen, weshalb Donati auch ballfern stets sehr nah bei ihm stand. Schmidt blieb jedoch konsequent beim Spielplan und trieb seine Spieler weiter zu hohem Druck an. Die Flügelverteidiger verfolgten ihre Gegenspieler ebenfalls oft weit in die gegnerische Hälfte, um sie am Aufdrehen zu hindern. Durch die Fünferkette hatte man überhaupt viel Flexibilität um immer wieder aufzurücken und den Gegner in den Zwischenlinienraum zu verfolgen. Mit Fortdauer der ersten Halbzeit wurde man immer mehr in die eigene Hälfte gedrückt und staffelte sich zunehmend im 5-4-1, der Zugriff wurde immer schwieriger. Man konnte diese Drangphase jedoch gut überstehen und mit der Führung im Rücken in die Halbzeit gehen.

Viel Breite für Konter

Im eigenen Ballbesitz schoben die Flügelverteidiger vor und man bildete ein breit gestaffeltes 3-4-3, in dem sich der Dreiersturm immer sehr flexibel im Zwischenlinienraum bewegte. Nach Ballgewinn sollte es natürlich so schnell wie möglich nach vorne gehen, Direktheit war gefragt. Das 1:0 fiel aus einer Mischung aus einem Befreiungsschlag und Diagonalpass, der in die Tiefe weitergeleitet wurde. Donati brachte den Ball in den Strafraum und Sampero erzielte die Führung. Die Mainzer Konter konnten jedoch durch das gut greifende Gegenpressing der Bayern weitestgehend in Schach gehalten werden. Baumgartlinger spielte bei diesen Kontern stets eine wichtige Rolle, versuchte er doch oft den wichtigen Ball in die Tiefe zu spielen und nahm dabei am Ball deutlich mehr Risiko, als er dies sonst tut.

Probleme mit Bayerns Anpassungen

Nach Wiederanpfiff agierte man ausschließlich im 5-4-1. Guardiola stellte zwei Mal um, brachte zuerst Mülller statt Coman und wenig später Costa für Thiago. Die Bayern wurden durchwegs dominanter und der Ausgleich Robbens fiel nach einer Kombination vom Flügel in die Mitte, was sich bereits vorhin als gutes Mittel bewiesen hatte. Die Bayern dominierten die Mainzer, die Gäste konnten jedoch mit aufopferungsvoller Arbeit rund um den eigenen Strafraum viel ausgleichen und fünf Minuten vor Schluss durch den einzig fertig gespielten Konter der zweiten Halbzeit die erneute Führung erzielen. Baumgartlinger war mit aufgerückt und spielte mit viel Übersicht an die Strafraumgrenze, von wo Cordoba ins kurze Eck traf.

Fazit

Die starke erste Halbzeit legte die Basis für den Erfolg gegen die Bayern. Das Pressing wurde konsequent umgesetzt und man konnte eine extrem dominante Mannschaft ganze 45 Minuten in Schach halten In Halbzeit zwei konnte man mit viel Einsatz und etwas Glück Schlimmeres als den Ausgleich verhindern, die Konsequenz bei eigenen Torchancen war natürlich ebenfalls ein sehr wichtiger Baustein für den 1:2 Auswärtssieg. Neben dem mannschaftlichen Erfolg darf sich Julian Baumgartlinger zudem über die Einberufung ins „kicker Team der Runde“ freuen. Der österreichische Nationalspieler erhielt vom deutschen Fachmagazin die Note 2 für seine starke Leistung.

David Goigitzer, abseits.at

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