Fortuna Düsseldorf gegen den VfB Stuttgart: Wir haben das erste Österreicher-Duell der zweiten Bundesliga in der Saison 2016/17 für euch analysiert. Florian Klein spielte... Passive Fortuna feiert 1:0-Heimsieg gegen VfB Stuttgart
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Fortuna Düsseldorf Wappen_abseits.atFortuna Düsseldorf gegen den VfB Stuttgart: Wir haben das erste Österreicher-Duell der zweiten Bundesliga in der Saison 2016/17 für euch analysiert. Florian Klein spielte von Anfang an, während Christian Gartner auf der Bank Platz nehmen musste.

Prinzipielle Ausrichtungen

Die Fortuna startete mit einer 4-3-3 Grundordnung, wobei man hier mit sehr hoch agierenden Außenverteidigern spielte. Diese zogen die mannorientierten Stuttgarter Flügelspieler weit mit, sodass die Achter der Fortuna, Sobotka und Fink immer wieder dynamisch in diese freien Räume abzukippen versuchten und die Bälle dort einige Male ungehindert verarbeiten konnten.

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Die Düsseldorfer Achter besetzen die Halbräume, so wurden die Außenverteidiger in recht hohen Positionen frei.

Im tieferen Mittelfeldpressing agierten die Heimischen im 4-1-4-1, versuchten hier mit einer hohen Kompaktheit und Mannorientierungen gegen Hosogai den Zugang ins Mittelfeld zu versperren. Dies gelang gut, auch weil die Stuttgarter im Aufbau nur sehr schwache Verbindungen herstellten.

Das Düsseldorfer Pressing schaffte es durch geschicktes Anlaufen von Bebou, sowie kluger Deckungsschattennutzung beim Rausrücken der Achter, den Stuttgartern immer wieder den Ball abzunehmen. Hierbei bildeten sich häufig 4-3-2-1 Staffelungen durch das Aufrücken der Achter, die die Halbräume gut versperrten und genau wussten wann sie Mannorientierungen aufnehmen mussten, ohne sich mit größeren strukturellen Folgen aus den Positionen ziehen zu lassen.

Die Stuttgarter agierten im Aufbau in einer 4-2-3-1 Grundordnung, wobei man hier, so wie montags, mit verhältnismäßig tief agierenden Außenverteidigern spielte. Gentner und Hosogai waren wieder die zentralen Aufbauspieler, die jedoch einige Probleme hatten diesen effektiv durchzuführen. Die Verbindungen zu den Mitspielern nach vorne waren nämlich kaum gegeben, man stand viel zu weit auseinander, sodass man bereits recht früh im Spiel die Bälle nur hoch auf die Flügel schlug.

Das Stuttgarter Pressing war einmal mehr sehr von Mannorientierungen geprägt, im 4-4-2 verfolgte man Gegner immer recht weit, was zu Problemen führte. Denn die Fortuna tauschte öfters Positionen, worauf die Stuttgarter Mannorientierungen entweder weiter vorne, also für leichten Spielaufbau für die Fortuna, oder weiter hinten für Bälle hinter die Abwehr Räume öffnete.

Fortuna macht das Mittelfeld dicht

Die Fortuna überließ den Bundesliga-Absteigern liebend gerne den Ball im Spielaufbau, man war sich der Stuttgarter Schwäche offensichtlich bewusst. Durch das sehr kompakte Pressing im 4-1-4-1 deckte man den Zwischenlinienraum sehr gut ab und rückte mit den Achter stets passend auf den Ballführenden, um diesen unter Druck zu setzen. Bebou versperrte hier stets den Passweg für Verlagerungen über die Mitte, sodass man den VfB oft einkesseln und zu unkontrollierten hohen Bällen auf die Flügel zwingen konnte. Durch die tiefen Außenverteidiger der Schwaben waren diese auch nicht überladen und man sah sich oft im Nachteil gegen die gut antizipierenden Fortuna Abwehrspieler.

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Stuttgart ohne Anbindung ins Mittelfeld

Dennoch gab es hie und da Durchbrüche auf den Flügeln zu sehen, dies lag vor allem an der individuellen Qualität der Stuttgarter, die mit Zimmer links und Maxim rechts eine sehr schnelle Flügelzange besitzen, die durch die Dribbelstärke Tashchis im Zentrum unterstützt wurde. Durch die voraussehbaren hohen Bälle konnte man jedoch immer wieder rechtzeitig nach hinten rücken und trotz Geschwindigkeitsnachteil immer wieder entweder Bälle abfangen oder zumindest in gute Positionen kommen um Maxim und Zimmer zu stellen und die Laufduelle zu gewinnen.

Durch die Überlegenheit der Fortuna im Zentrum und den Mannorientierungen Stuttgarts öffneten sich unweigerlich Räume auf den Flügeln, die die Gastgeber immer wieder für Durchbrüche nutzten. Hierbei reichten meist simple Doppelpässe um die Stuttgarter Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Oft spielten die breit aufgefächerten Düsseldorfer Innenverteidiger direkt auf den Flügel und konnte dies wegen der schlechten Defensivstaffelung der Stuttgarter recht oft und auch in passender Höhe tun. Die Fortuna agierte sehr direkt, und die Stuttgarter ließen dies zu.

Die Düsseldorfer konnten sich immer wieder mit guten Vertikalpässen und darauffolgenden sauberen Ablagen frei spielen.

Fortuna geht in Führung und wird passiv

Früh in der zweiten Halbzeit zeigte Sama, wie man aus dem Pressing ausbrechen könnte. Er ließ sich von Gentner freispielen und rückte mit dem Ball am Fuß weit ins Mittelfeld auf. Prompt konnte man einen Durchbruch generieren. Das Andribbeln und Aufrücken wurde aber nur bedingt fokussiert, sodass Stuttgart ähnlich harmlos agierte wie vor der Pause.

Die Gäste hatten weiterhin mehr Ballbesitz, wussten diesen jedoch kaum effektiv zu nutzen, wie in Halbzeit zwei fehlte es an der Anbindung ins Mittelfeld. Die Fortuna spielte nun noch direkter, was eine kurze Phase eines „Hin und Hers“ hervorbrachte, wo beide Mannschaften den Ball so schnell wie möglich auf ihre Stürmer zu bringen versuchten, was zu vielen Gegenpressing-Situationen führte und das Spiel hektisch wurde.

Genau in dieser Phase fiel das 1:0 der Düsseldorfer. Einmal mehr konnte man sich weit vorne am Flügel festspielen und einen Einwurf generieren. Dieser wurde schnell ausgeführt, Fink zog in den Strafraum gegen Sama und Schiedsrichter Cortus entschied auf Strafstoß, welcher von Bebou in Minute 53 verwandelt wurde. Die bis dahin schon abwartend spielenden Düsseldorfer behielten ihre Strategie natürlich bei. Die Elf von Friedhelm Funkel wurde jedoch recht bald zu passiv und erzeugte ballnah nicht mehr genügend Druck. Zudem spielte man nun selbst mehr Bälle hoch nach vorne als zuvor, das bisherige saubere Aufbauspiel wurde nicht mehr fortgesetzt.

Stuttgart im Aufwind

Die Stuttgarter konnten so nun leichter Ballgewinne erzeugen und versuchten über Konter zum Erfolg zu kommen. Um die Offensive zu verstärken brachte Jos Luhukay Tobias Werner für Sama, Zimmermann rückte in die Innenverteidigung. Durch das schwächere Pressing der Fortuna und die abnehmende horizontale Kompaktheit konnte Stuttgart nun besser die gegnerische Formation bespielen, wenngleich man Torchancen weiterhin primär durch Flanken vorzubereiten versuchte. Im Ballbesitz formierten die Stuttgarter sich nun eher im 3-4-2-1. wenngleich die Strukturen sich durch den umtriebigen Werner und die rochierenden Tashchi und Maxim nicht immer klar auszumachen waren. Klein rückte im Ballbesitz weit ein und förderte die Zirkulation im Halbraum. Er machte dies überraschend gut, ist er diese Position doch nicht gewohnt. Seine Freilaufbewegungen in den Zwischenlinienraum waren oft passend und er konnte seine Mitspieler bei kleinräumigen Kombinationen gut unterstützen.

Düsseldorf hatte nun einige Probleme mit dem steigenden Druck des VfB, die Gäste waren dem Ausgleich nahe. Lediglich die Abschlusspositionen arbeitete man nicht sauber genug heraus, weshalb die Abschlüsse zwar oft knapp vorbei gingen, jedoch aufgrund der schlechten Positionen nicht immer zwingend zu verwerten waren. Die Hausherren konnten jedoch zwei Mal große Chancen herausspielen, als man über die Halbräume konterte. Die Stuttgarter waren natürlich weit aufgerückt und man konnte den Raum hinter der Abwehr gut bespielen, die Hereinnahme des schnellen Ngombo, der nach Bebous Auswechslung Stürmer spielte, half natürlich dabei. ÖFB- Legionär Christian Gartner kam die letzten 10 Minuten ebenfalls zum Einsatz, er sollte primär Stabilität ins zentrale Mittelfeld bringen um die Schlussminuten zu überstehen..

Fazit

Die Fortuna machte bis zum 1:0 einen guten Eindruck, im Ballbesitz agierte man sehr flügelfokussiert, tat dies jedoch mithilfe passender Einbindung der Zentrumsspieler und deren Freilaufbewegungen, die die allzu simple, mannorientierte Defensive der Stuttgarter in Probleme brachte. Erst nach der Führung der Gastgeber konnten die Schwaben aus ihrer Überlegenheit an Ballbesitz mehr machen, Fortuna wurde zu passiv und die Stuttgarter hatten einige Möglichkeiten zum Ausgleich. Die Mannen von Friedhelm Funkel blieben jedoch konsequent in der Strafraumverteidigung und brachten so das 1:0 über die Zeit.

David Goigitzer, abseits.at

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David Goigitzer