Zu Saisonbeginn litt der Liverpool FC unter enormen Problemen. Aus den ersten sechs Spielen holte man nur sieben Punkte, auch später ließ man immer...
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Brendan Rodgers - FC LiverpoolZu Saisonbeginn litt der Liverpool FC unter enormen Problemen. Aus den ersten sechs Spielen holte man nur sieben Punkte, auch später ließ man immer wieder die Konstanz vermissen und hatte beispielsweise eine Niederlagenserie Mitte der Saison. Bereits in einem älteren Artikel auf abseits.at Anfang Dezember wurden diese Schwächephase und die Ursachen dafür erklärt. Dabei wurden speziell Steven Gerrard und generell die Offensivmechanismen sowie die defensive Kompaktheit kritisiert.

Kurz nach diesem Artikel gab es allerdings eine Systemumstellung, welche einige personelle Veränderungen beinhaltete. Seitdem geht es wieder aufwärts.

Die Lösung des Gerrard-„Problems“

Die letzten drei Siege in den vergangenen vier Spielen gab es allesamt in einem interessanten 3-4-2-1 sowie in einem 3-4-1-2 und ohne Gerrard auf der Sechs, der bei diesen drei Siegen nur einmal auflief und dabei die Zehner-Position übernahm. Doch es liegt nicht nur an den verringerten Einsätzen für die Vereinslegende, sondern auch an seiner Leistungssteigerung, wenn er spielt. Er ist nun frischer und wird besser eingebunden, wodurch seine enormen Stärken, die er nach wie vor besitzt, wieder besser zum Tragen kommen.

Allerdings ist er dennoch kein konstanter Stammspieler mehr und in Anbetracht seines nun feststehenden Abgangs zu Saisonende ist es auch höchste Zeit geworden, dass jüngere Spieler auf seine Position rutschen. Dabei überzeugt insbesondere das Material auf der Doppelsechs, wenn sie ohne Gerrard auflaufen und die Stürmer sie passend unterstützen.

Leiva, Henderson und Allen als interessante Sechseroptionen

Je nach Gegner kann Rodgers nämlich seine Doppelsechs flexibel verändern. Joe Allen und Lucas Leiva sind hierbei die defensivste Variante; beide konzentrieren sich auf das Absichern und Unterstützen bei eigenem Ballbesitz, stoßen nur selten bis an den gegnerischen Strafraum, sind aber insgesamt unterschätzte Spieler im Aufbauspiel. Sowohl Allen als auch Lucas besitzen ein gutes Gespür für Räume und lassen den Ball gut laufen, auch wenn sie natürlich keine dribbelstarken oder extrem kreativen Spielmacher aus der Tiefe à la Pirlo sind.

Dennoch können diese beiden ein sehr stabiles Duo bilden, was allerdings kaum genutzt wird. Stattdessen hat Jordan Henderson vermehrt eine wichtige Rolle als offensiver Sechser eingenommen, welcher immer aus der Tiefe nach vorne stößt, offene Räume besetzt und für die beiden Halbstürmer deren Position übernimmt. Meistens spielt er mit Lucas als Doppelsechs, da sich Lucas sehr gut auf das Absichern dieser Läufe fokussieren und auch eine Rolle als alleine aufbauende Sechs übernehmen kann. Bei den drei Siegen in den letzten vier Spielen hieß die Doppelsechs Henderson-Lucas; beim Unentschieden gegen Abstiegskandidat Leicester war Henderson für Gerrard auf die Position des rechten Flügelverteidigers gerückt.

Insgesamt lässt sich konstatieren, dass mit Hendersons Läufen auf der Sechs und der strategischen Intelligenz bei gleichzeitigem Defensivfokus die Offensivmechanismen ebenso verbessert sind, wie die defensive Kompaktheit. Bei Letzterem muss man allerdings auch die zentrale Dreierabwehr loben.

Kompaktheit, Sicherheit und Geschick

Eine sehr interessante Sechs wurde im letzten Absatz bewusst nicht erwähnt. Nominell könnte Emre Can im defensiven Mittelfeld eine extrem wichtige Rolle für Liverpool spielen, doch aktuell wird der Neuzugang von Bayer 04 Leverkusen verstärkt in der Abwehr verwendet. Das ist allerdings durchaus vorteilhaft. Als Halbverteidiger überzeugt Can und zeigt tolle Leistungen. Insgesamt wirkt die Abwehr deutlich verbessert und ist der eklatanteste Unterschied zu Saisonbeginn.

Die zahlreichen Fehler, geöffneten Räume und mangelnde Präsenz im Zwischenlinienraum sowie Probleme beim ballorientierten Verschieben haben sich quasi in Luft aufgelöst, weil jetzt drei zentrale Abwehrspieler miteinander agieren und zusätzlich von zwei Flügelverteidigern unterstützt werden. Can, Skrtel und Sakho können nun besser abgesichert aus ihrer Position herausrücken, ihre Fehler sind weniger gefährlich, dazu gibt es eine bessere Breitenstaffelung, wodurch das nicht immer intensive ballorientierte Verschieben abgefedert wird.

Diese verbesserte Defensivleistung durch mehr Präsenz und Kompaktheit ist aber nicht das Einzige. Es überzeugt auch das Aufbauspiel in der ersten Linie. Sie haben fast immer Überzahl, dazu bauen Sakho und besonders Can von den Halbpositionen in der zentralen Dreierabwehr ziemlich stabil auf und es gibt insgesamt weniger Ballverluste. Ein besseres Einleiten von Angriffen bedeutet im Normalfall auch eine bessere Fortführung dieser, wie es schon in den letzten Spielen gut zu sehen war.

Das liegt aber nicht nur an den Sechsern und Innenverteidigern.

Neue Offensivbesetzung weiß zu gefallen und harmoniert

Zu Beginn gab es teilweise Kritik an Rodgers, weil er die Flügelverteidigerpositionen in seinem System unpassend einbrächte. Insbesondere Markovics Aufstellung als rechter Flügelverteidiger wurde skeptisch gesehen. Doch Rodgers variiert aktuell geschickt; manchmal spielt mit Manquillo ein defensiverer Spieler, ein paar Mal kam schon Henderson als Allrounder zum Einsatz oder eben Markovic, der seine enorme Schnelligkeit und Dribbelstärke auf dieser Position vermehrt einbringen soll. Auch wenn er aktuell noch instabil agiert, so ist das Experiment langfristig ein durchaus vielversprechendes.

Seitdem sich Markovic auf rechts mehr oder weniger etabliert hat, wird auf links wiederum kaum rotiert. In den meisten Partien der letzten Wochen lief Alberto Moreno dort auf, welcher eigentlich ein sehr offensiver Außenverteidiger ist, wodurch er diese Rolle passend ausfüllen kann. Dazu kommt, dass die Offensive die Flügelverteidiger sehr gut unterstützt.

Coutinho und Lallana agieren meistens als hängende Stürmer in diesem 3-4-2-1, sie lassen sich flexibel zurückfallen und sind keine klassischen Flügelstürmer, sondern eher verkappte Spielgestalter von der Seite aus. Dadurch sind die Offensivmechanismen besser geworden; Coutinho und Lallana bieten sich intelligent an, sind spielstark und lassen sich zurückfallen. Es fehlt allerdings noch an einem Punkt: Durchschlagskraft.

Das Suarez-Problem noch nicht ganz gelöst

Als Suarez den Verein verließ, gingen viele einmalige Fähigkeiten und Stärken mit ihm. Was in der Vorsaison am beeindruckendsten war, ist natürlich sein unglaublicher Output gewesen. Mehr als ein Tor pro 90 Minuten ist eine herausragende Quote und er sorgte auch dafür, dass seine Mitspielermehr trafen; besonders Sturridge profitierte davon.

Aktuell wird Sterling als Mittelstürmer genutzt, doch er bringt nicht diese enorme Präsenz im Attackieren der Räume hinter der Abwehr und diese schiere Torgefahr mit. Sterling ist eher ein einrückender Flügelstürmer oder moderner Zehner, welcher seine Rolle als Mittelstürmer zwar intelligent und kombinationsstark erfüllt, aber nicht ganz diese Torgefahr erzeugen kann.

Borini und Lambert wurden auch schon als Optionen genutzt, ebenso wie Balotelli im alten 4-2-3-1 und 4-3-3, keiner dieser drei bringt aber die perfekte Eignung für diese Rolle. Es dürfte wohl die Rückkehr Sturridges sein, welche endgültig über die Zukunft Liverpools und des 3-4-2-1 Ausschlag geben wird. Fakt ist: Rodgers scheint (vorerst) die Lösung für viele der Probleme gefunden zu haben.

René Maric, www.abseits.at

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Rene Maric