Wie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, und beleuchten Hintergründe und Motive.... Transfers erklärt: Deshalb verpflichtete Manchester City Wilfried Bony
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Manchester City - Logo, WappenWie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, und beleuchten Hintergründe und Motive. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen?

Diese Fragen sollen hauptsächlich beantwortet werden. Auch die taktische Perspektive soll nicht zu kurz kommen, immerhin ermöglicht ein neuer Spieler oftmals eine Vielzahl neuer Kombinationen und Synergien, die ebenfalls kurz erläutert werden sollen.

In dieser Ausgabe blicken wir auf einen interessanten Transfer von Manchester City, um die Kadertiefe auf einer wichtigen Position im Meisterschaftskampf gegen Chelsea zu erhöhen. Sie holen für eine exorbitante Summe von knapp über 32 Millionen Euro Wilfried Bony von Swansea City.

Die Entwicklung eines Multimillionenmannes

Vor seinem 19. Geburtstag wurde Bony von Issia Wazi FC zu Sparta Prag verliehen. Die Tschechen konnten sich den Ivorer ein Jahr lang genauer ansehen und verpflichteten ihn zur Saison 2008/09 fix. Die Summe betrug damals knapp 250.000 Euro; nach nur drei Jahren und einigen sehr guten Leistungen in der tschechischen Liga wechselte Bony im Winter 2011 zu Vitesse Arnheim in die niederländische Liga. Jetzt kostete er bereits vier Millionen Euro und nach zweieinhalb Jahren in der Ehrenvision sicherte sich Swansea seine Dienste um knapp 14 Millionen Euro.

Zehn Millionen in etwas über zwei Saisonen; einen ähnlichen Anstieg erwarteten sich Bonys Agent und er ebenfalls, als man bei Swansea unterschrieb. Die Ausstiegsklausel wurde bei 24,5 Millionen Euro festgesetzt, doch die starke Entwicklung bei Swansea sorgte für einen genialen Schachzug vor gut zwei Monaten – man kaufte für 1,5 Millionen Euro Bonys Ausstiegsklausel ab. Dadurch musste City nun 32 Millionen für den 26-Jährigen bezahlen und Swansea erhielt somit eine deutlich höhere Ablöse.

Dennoch überwies City diese enorme Summe und es stellt sich insbesondere für Fans außerhalb Englands und Wales‘ die Frage: Wieso?

City mit Verletzungsproblemen

Ein Faktor ist natürlich der akute Stürmermangel bei den Citizens. Früher gab es Stürmer im Kader wie Sand am Meer. Allerdings wurden in den letzten Jahren und auch im vergangenen Sommer Spieler wie Balotelli, Tévez und Negredo abgegeben, wodurch sich eigentlich nur noch zwei waschechte Mittelstürmer im Etihad wiederfinden: Edin Dzeko und Sergio Agüero. Stevan Jovetic ist eher ein hängender Stürmer mit viel spielgestalterischen Fähigkeiten, kann diese Rolle aber zur Not auch ausüben.

Das größte Problem ist allerdings, dass Jovetic in der englischen Liga unter mangelnder Konstanz leidet, Dzeko nicht ideal zum System und den Mitspielern passt und dadurch seine Fähigkeiten nicht durchgehend einbringen kann. Einzig Agüero ist als Stürmer unumstritten, leidet aber an vielen Verletzungsproblemen. In dieser Saison wurden auch Jovetic und Agüero nicht davon verschont, weswegen Jugendspieler wie Pozo Einsätze als Mittelstürmer erhielten und Pellegrini in den letzten Wochen gar auf ein stürmerloses 4-2-4-0 umstellen musste.

Hier waren es James Milner – eigentlich ein defensivorientierter Flügelstürmer und balancegebender Achter – und Spielmacher David Silva, welche als Pseudo-Sturmduo agierten. Meist hielt sich Milner in der letzten Linie auf, fokussierte sich auf das Öffnen von Räumen und Unterstützung. Das Experiment klappte an sich gut, dennoch benötigt City mehr Präsenz in letzter Linie und einen Ersatz für Agüero. Bony soll diese Lücke füllen. Mit seinen 26 Jahren passt er auch gut in die etwas überaltete Kaderstruktur Citys. Außerdem bringt er eine neue Komponente mit in den Angriff.

Einer der körperlich stärksten Mittelstürmer der Welt

Nur 182 Zentimeter soll Bony groß sein, doch auf dem Feld wirkt er locker noch zehn Zentimeter größer. Als Zielspieler für lange Bälle gehört Bony zu den besten seines Fachs. Kaum ein Spieler kann sich bei Ballbehauptungen von langen Bällen so präsent und konstant durchsetzen wie der Ivorer. Dabei nutzt er nicht nur seine beeindruckende Athletik, sondern auch interessante individualtaktische Aspekte.

So positioniert er sich bei den langen Bällen sehr gut, lässt sich nach hinten in den Gegner fallen und lehnt sich quasi an ihm an. Dadurch kann der Gegner nicht sauber in den Luftzweikampf gehen und auch nicht vor ihn kommen. Um Letzteres zu gewährleisten, nutzt Bony des Weiteren seine Hände und hält den Gegner fest oder verhindert, dass sein Gegenspieler ihn umläuft und vor ihm an den Ball kommt.

Diese Mischung aus intelligenter Nutzung seines Körpers und purer Kraft macht Bony zu einem herausragenden Zielspieler. Dazu ist er abschlussstark, bewegt sich taktisch passabel in seinen Laufwegen zum Tor hin und kann vereinzelt extrem gute Ablagen bei Kombinationen spielen. Somit kommt eine interessante Rolle für ihn bei City in Frage.

Bony erlaubt formative Veränderung und mehr Kadertiefe

Der grundsätzliche Hintergrund dieser Verpflichtung war natürlich, dass man mit Bony einen weiteren Stürmer hat. Dadurch kann man eventuell Dzeko abgeben, aber auch über Verletzungssorgen von Agüero und Dzeko hinwegkommen. Bony wäre im aktuellen 4-4-1-1/4-2-3-1-System eine interessante Personalie als alleiniger Stürmer. Silva als Zehner, Navas auf rechts und Nasri auf links sind aktuell Stammspieler und wären für Bony eine passende Mittelfeldbesetzung.

Silva und Nasri spielen gerne Schnittstellenpässe, die Bony in weniger weiträumigen Situationen sehr gut anläuft und abschließen kann. Außerdem spielen die beiden Pässe auf den Mittelstürmer und bieten sich für Doppelpässe an; Bony könnte hier nicht nur diese Ablagen spielen, sondern durch leichtes Ausweichen oder das Starten in die Tiefe Räume öffnen.

Allerdings ist Bony nicht nur eine Ersatzoption für Agüero, sondern ermöglicht auch eine grundsätzlich andere Spielweise. Gegen tief verteidigende Gegner könnte man Bony beispielsweise als Option für Flanken nutzen, da Bony gut im Kopfballspiel ist. City könnte sich auch verstärkt als Kontermannschaft betätigen. Bony wäre dann nach Balleroberungen der Zielspieler für lange Bälle, woraufhin Navas, Silva und Nasri sich für die Ablagen anbieten und sofort in die Spitze umschalten. Besonders die zentralen Mittelfeldspieler Fernandinho und Yaya Touré wären dafür geeignet.

So eine Spielweise würde aber womöglich eine formative Umstellung erfordern. Ein 4-4-2 mit Nasri und Silva auf den Seiten und Agüero als Sturmpartner von Bony wäre eine interessante Möglichkeit. Damit hätte man die individuell besten Spieler im Kader, Agüero könnte in die Tiefe gehen oder Bonys Ablagen erhalten, Nasri und Silva sind brillant beim Spielen von schnellen Pässen und Kombinieren auf engstem Raum. Eine Umschaltsituation mit Bony, Agüero, Nasri und Silva an vorderster Front wäre extrem gefährlich.

Weiters könnte man auch ein 4-3-3 spielen. Agüero, Silva und Bony vor Touré, Fernandinho und Fernando in einem 4-1-2-3 wären ebenso denkbar wie ein 4-2-1-3 mit Silva auf der Zehn hinter Agüero, Bony und Nasri oder Navas. Diese Variabilität durch Bony, der besser ins Spiel passt als Dzeko, könnte City im Meisterschaftskampf noch enorm helfen.

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Rene Maric