Für den englischen Fan wird mit der heute beginnenden neuen Saison einiges etwas anders als gewohnt. Mit einer für britische Verhältnisse Lawine an Veränderungen... Zum Saisonstart: Die Änderungen in der Premier League
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England - Flagge_abseits.atFür den englischen Fan wird mit der heute beginnenden neuen Saison einiges etwas anders als gewohnt. Mit einer für britische Verhältnisse Lawine an Veränderungen wartet das Mutterland des Fußballs heuer auf. Damit ihr beim Premier-League-Schauen mit (unnützem) Fachwissen glänzen könnt, haben wir Wesentliches genauso wie Unwesentliches noch einmal zusammengefasst!

Terminplan-Reform: 10 Freitagsspiele

Ein Nasenrümpfen bei den Fans löste der Deal zwischen der Liga und den TV-Vermarktern aus. Um noch mehr Spiele live zeigen zu können, wurde ein zusätzlicher Spieltermin eingeführt. Ab sofort spielt die Premier League auch freitags. Neben den Stammterminen am Wochenende, wird es heuer auch zehn Friday- und 18 Monday-Night-Games geben.

Dunkle Mattscheibe

Wer bislang bei uns die Premier League legal und bequem über die Fernbedienung mittels des größten deutschsprachigen Pay-TV-Anbieters genoss, der muss zukünftig auf die gewohnte englische Fußballdosis in bekannter Form verzichten. Die TV-Rechte gingen nämlich verloren. Ab sofort werden die Spiele im deutschsprachigen Raum über einen neuen Internetanbieter zum Streaming angeboten. Dort dafür in größerer Anzahl (200 Spiele pro Saison sind geplant) und jederzeit abrufbar.

Regeländerungen mit Schwerpunkt auf Unsportlichkeiten

Neben den 95 bei der Euro bereits gültigen neuen Fußballregeln, wird von der FA heuer noch ein eigener, zusätzlicher Schwerpunkt gelegt. Respektloses Verhalten gegen den Schiedsrichter, Rudelbildung, sowie die intimen Kopf-an-Kopf-Zwiegespräche sollen vermehrt und rascher mit Verwarnungen abgegolten werden. Interessant, da dies massiv im Gegensatz zum aktuellen Erfolgsrezept von Mark Clattenburg steht. Der heißeste (und momentan irgendwie einzige) Kandidat auf eine englische Beteiligung bei internationalen Finalspielen setzt bei Konflikten nämlich erfolgreich auf Deeskalation und Gesprächen.

Reserve-Liga: Premier League 2

Weniger im Fokus der Öffentlichkeit, doch bedeutend für die Zukunft ist die Neuaufstellung des wichtigsten Nachwuchsbewerbes. Mit der Premier League 2 wurde die bislang bestehende U21 Liga abgelöst. Ab sofort wird das Alter auf „unter 23 Jahren“ erhöht, zusätzlich können drei ältere Spieler eingesetzt werden. Mit diesem attraktiveren Bewerb möchte man die unsägliche Kaufen und Weiterverleihen-Politik der Vereine etwas einbremsen. Dazu wurden auch die Leihbedingungen verschärft. Spieler können jetzt nicht mehr so einfach zurückbeordert werden, weshalb zum Beispiel Liverpools Manninger-Transfer zu Stande kam.

Ein 4. Spieler-Wechsel, aber nur wenn…

Ein Dauerbrenner-Thema: Die Stars sind nach der langen Saison körperlich ausgepowert. Um die physische Belastung etwas zu mindern, denkt man natürlich nicht über die Abschaffung des FA-Cup-Wiederholungsspiels nach einem Unentschieden nach. Dafür darf jetzt im Entscheidungsspiel in der Verlängerung ein viertes Mal gewechselt. Aber da wir in England sind geht’s nicht ohne eine zusätzlich eingezogene, kleine Besonderheit: Nämlich nur dann, wenn man in der regulären Spielzeit schon alle drei Wechsel verbraucht hat.

Entscheidung über die Winterpause

Da die vorher beschriebene Maßnahme wohl nicht der Stein der Weisen für lockere, frische Beine nach einer langen englischen Fußballsaison sein wird, wird momentan intensiv an der Einführung einer Winterpause diskutiert. Eine Entscheidung könnte schon bald fallen. Doch ein Weihnachtsfest ohne den Boxing-Day-Intensivspieltag im Pub oder live im Stadion? Für den echten Fan undenkbar…

Namenlos durch den Liga Cup

Einen zweiten, etwas kleineren Cup gibt’s ja bekanntlich auch noch. Bei dem für die Liga-Krösusse eher ungeliebten Stiefkind „Liga-Cup“ wird wieder ein Ticket für die bei den Liga-Krösussen unbeliebten Europa-League vergeben. Die dazu ausgeschriebenen 100.000 Pfund Preisgeld steigern bei den bereits erwähnten Liga-Krösussen die Begeisterung für diesen Bewerb auch nur bedingt.

Für den Großteil der anderen englischen Profiklubs ist dieser Cup dagegen eine beliebte Möglichkeit Wembley, den Europa-Cup und ein zumindest kleine Trophäe zu gewinnen. Aus dem Carling-Cup, der zuletzt Capital-One-Cup hieß, wurde heuer der „English Football League Cup“. Ein Namenssponsor wurde nämlich nicht mehr gefunden…

Noch mehr Geld

Und das wichtigste zum Schluss: Der TV-Deal spült weiterhin die Millionen in die Kassen und Kritiker beobachten wie die „Blase“ weiter wächst. Die Protagonisten der 20 Mannschaften sind momentan theoretisch utopische 5 Milliarden Euro schwer, der durchschnittliche Premier League Kicker soll einen Marktwert von 8,7 Millionen haben. Die Legionärsquote ist mit 67 % wieder deutlich gestiegen. Alleine im Sommer wurden bislang knapp hundert Spieler für 367 Millionen Euro abgegeben und 71 neue um 885 Millionen geholt. Mit einem Negativsaldo von über einer halben Milliarde Euro ist man damit absolute Spitze. Die spanische LaLiga gab „nur“ 80, die deutsche Bundesliga um 24 Millionen mehr für Spieler aus, als man einnahm. Und endlich krallte sich das Mutterland des Fußballs den Titel für den weltweiten (zumindest offiziellen) Rekordtransfer punkto Ablösesumme. Dieser ist nun Paul Pogba für den 105 Millionen hingeblättert wurden, um den gleichen Betrag holte der Stadtrivale die Herren John Stones und Leroy Sané nach Manchester.

Soweit das Organisatorische vor dem Beginn! Das wichtigste für jeden Premier-League-Fan: ab heute 14 Uhr rollt endlich der Ball wieder. Beim Kick-Off kommt es zum Duell der beiden Titelträger aus Hull (gewannen das Championship Play-Off um den dritten Aufstiegsplatz) und Leicester. Ab dann liegt bis Mitte Mai die Wahrheit wieder auf glitschigen Grünflächen in den windigen Premier-League-Fußballtempeln zwischen Sunderland und Bournemouth! Die Manege ist damit frei für die Startrainer rund um Guardiola, Wenger, Mourinho, Klopp oder Conte. Doch auch die hungrigen Außenseiter wollen und werden mit guten Ideen gegen große Namen bestimmt immer mal wieder Überraschungen liefern!

Werner Sonnleitner, abseits.at

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Werner Sonnleitner