In dieser begleitenden Serie zur Europameisterschaft in Frankreich werden pro Gruppenspieltag die Schlüsselduelle der einzelnen Begegnungen kurz unter die Lupe genommen. Wer die Duelle... Die Schlüsselduelle des 6. Spieltags: Kann Albanien Payet und Co. stoppen?
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Marek Hamsik - SSC Napoli_abseits.atIn dieser begleitenden Serie zur Europameisterschaft in Frankreich werden pro Gruppenspieltag die Schlüsselduelle der einzelnen Begegnungen kurz unter die Lupe genommen. Wer die Duelle für sich entscheiden konnte und ob es überhaupt zu den vorgestellten Auseinandersetzungen gekommen ist, wird am folgenden Tag besprochen. Diesmal mit den Paarungen Russland – Slowakei, Rumänien – Schweiz und Frankreich – Albanien.

Roman Neustädter  vs. Marek Hamsik

Man muss sich Roman Neustädter als glücklichen Menschen vorstellen. Der 28-Jährige ist erst seit wenigen Wochen offiziell russischer Staatsbürger – gegen England bestritt er sein zweites Länderspiel – und steht nun mit der Sbornaja in Frankreich auf der großen Fußballbühne. Bei Schalke 04 spielte Neustädter in der letzten Saison vorwiegend in der Innenverteidigung, im russischen Team jedoch auf der Sechser-Position. Zusätzliche sprachliche Probleme erklären den durchwachsenen Einstand im Nationaldress. Gegen England präsentierte sich das russische Team zudem in Gänze als fragiles Gebilde, wogegen auch Neustädter keine Abhilfe schaffen konnte, der noch wie ein Fremdkörper innerhalb der Mannschaft wirkte.

Die Fragilität und mangelnde Handlungsschnelligkeit der russischen Defensive könnte sich Marek Hamsik zunutze machen. Nach einer sehr durchwachsenen Partie zum Auftakt gegen Wales, dürfte er gegen Russland mehr Freiräume vorfinden, um so sein Spiel durchschlagskräftiger als gegen die britischen Defensivspezialisten zu gestalten. Nach der Niederlage in dieser ersten Begegnung steht die slowakische Elf bereits jetzt unter Zugzwang – besonders ihr Star ist nun gefordert.

Vlad Chiriches vs. Breel Embolo

Die rumänischen Defensivkünstler um Kapitän Vlad Chiriches überraschten die Öffentlichkeit mit ihrem mutigen Auftritt gegen Frankreich. Sie konzentrierten sich nicht nur auf ihre Kernkompetenz Torverhinderung, sondern versuchten auch offensiv Akzente zu setzen. Gegen im Angriff noch nicht eingespielt wirkende Franzosen, standen die Rumänen in der Defensive gewohnt sicher, wobei auch Vlad Chiriches immer wieder Probleme mit Oliver Giroud und vor allem Dimitri Payet hatte. Trotzdem zeigte der 26-Jährige eine solide Leistung, die Körperlichkeit eines Giroud und das Tempo von Payet gaben Chiriches jedoch das ein und andere Mal Rätsel auf.

In der Person des 19-jährigen Supertalents Breel Embolo gehen eben genau diese Eigenschaften eine vielverspechende Symbiose ein. Der 185cm große Stürmer kommt vorwiegend über seine körperliche Power und die guten technischen Anlagen. Gegenüber Chiriches hat der Schweizer klare Tempovorteile, ein ausgewiesener Torjäger ist Embolo jedoch (noch) nicht. Bereits nach seiner Einwechslung gegen Albanien brachte der Spieler vom FC Basel in Ansätzen jene Komponenten ins schweizerische Spiel, aufgrund derer er auf dem Notizzettel etlicher Scouts gelandet ist: eben jene Mischung aus Kraft und Tempo, die auch die routinierte rumänische Abwehr vor Probleme stellen könnte.

Dimitri Payet vs. Elseid Hysaj

Dimitri Payet war unbestritten der überragende Mann im Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien. Mit seinen Tempodribblings, seiner Stärken im Abschluss und seiner Fähigkeit, den letzten Pass zu spielen, stellte er die rumänische Abwehr vor teils unlösbare Rätsel. In einer sonst eher mauen französischen Offensive schwang sich der 29-Jährige zum richtigen Zeitpunkt zum Leader auf. Mit seinem Traumtor in der 89. Minute krönte er seine Weltklasseleistung und sorgte mit seinen Tränen bei der anschließenden Auswechslung für den Gänsehautmoment des französischen Auftakts, der allerdings auch den enormen Druck offenbarte, unter dem die equipe tricolore bei diesem Heimturnier zu stehen scheint.

Mit Elseid Hysaj vom SSC Neapel haben die Albaner einen der vielversprechensten Spieler auf der Position des Außenverteidigers in ihren Reihen. Der 22-Jährige kann sowohl links als auch rechts agieren, ist enorm zweikampfstark und überzeugt sowohl defensiv, als auch offensiv. Gerade bei seinen offensiven Ausflügen kommt ihm seine Schnelligkeit zu pass, sodass er bei eigenem Ballverlust schnell wieder hinter dem Ball ist. Mit Payet, Griezmann oder Martial kommen im Spiel gegen Frankreich jedoch andere Kaliber auf ihn zu. In diesen Duellen könnte er unter Beweis stellen, ob er wirklich zu Höherem berufen ist.

Nachbetrachtung der gestrigen Duelle

Christian Fuchs ließ sich von den Unsicherheiten, die die österreichische Mannschaft im gesamten Spiel ausstrahlte, anstecken. Genau wie seine Teamkollegen fehlte ihm der defensive Zugriff und, was viel schwerer wog, die kämpferische Grundeinstellung. Die in der Vorschau angesprochenen Schwächen von Fuchs im defensiven Bereich traten in dieser Partie teilweise deutlich zu Tage; jedoch ist Fußball ein Mannschaftssport und es fehlte Österreichs Kapitän auch ganz klar die Unterstützung durch seine Mitspieler. Die schlechte Abstimmung und mangelnde Zweikampfbereitschaft in der österreichischen Defensive nutzte die ungarische Offensive um Balazs Dzsudzsak kontinuierlich zu gefährlichen Vorstößen über die Flügel, wobei der ungarische Kapitän zwar eine gute, aber keine überragende Vorstellung lieferte. Mehr brauchte es an diesem Tag gegen schwache Österreicher aber auch nicht.

Die lebhafte Partie zwischen Portugal und Island war zum Abschluss der ersten Runde ein Spiegelbild des bisher gesehenen: der vermeintliche Außenseiter steht tief, während das individuell bessere Team über 90 Minuten den spielerischen Schlüssel sucht, um das sich vor ihnen auftürmende Bollwerk zu knacken. Auch die technisch feineren Spieler der Außenseiter reihen sich nahtlos in die Defensivarbeit der eigenen Mannschaft ein und setzen nur vereinzelt Nadelstiche. Gylfi Sigurdsson lieferte hierfür ein Musterbeispiel: der Isländer rieb sich immer wieder in Zweikämpfen auf, blieb nach vorne aber immer brandgefährlich. Joao Moutinho hingegen versuchte bis zu seiner Auswechslung dem etwas wilden Spiel der Portugiesen Struktur und Balance zu geben, was ihm aber nur leidlich gelang. Seine persönliche Bilanz wies am Ende zwar eine starke Passquote von 95 Prozent aus, trotzdem lieferte Moutinho für seine Verhältnisse aber eine durchwachsene Partie ab.

Ral, abseits.at

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