Die Achtelfinalspiele sind vorüber und bevor es heute weitergeht, wollen wir ein kurzes taktisches Fazit ziehen. Wir fassen für euch die taktischen Aspekte der... Rückblick auf die Achtelfinalspiele der EM 2016
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Taktikboard schwarz_abseits.atDie Achtelfinalspiele sind vorüber und bevor es heute weitergeht, wollen wir ein kurzes taktisches Fazit ziehen. Wir fassen für euch die taktischen Aspekte der ersten K.o.-Runde zusammen.

Schweiz vs Polen

Simples 4-4-2 gegen simples 4-4-2 hieß es bei Schweiz gegen Polen. Die Schweizer hatten zwar leichte Feldvorteile, jedoch hatten beide Mannschaften Probleme im Aufbau, was sich deutlich auf die schwache Chancenausarbeitung auswirkte. Nach dem Rückstand fokussierte die Schweiz mehr die Flügel, was aufging. Im Elfmeterschießen hatten die Polen jedoch das bessere Ende für sich.

Kroatien vs Portugal

Die Portugiesen deckten die Kroaten stets eng, zeigten ein Fest der Mannorientierungen. Sie legten zwar so das Spiel des Gegners komplett lahm, jedoch auch ihr eigenes. Ein Geniestreich am Ende der Verlängerung entschied das Spiel zugunsten der auf die Defensive fokussierten Portugiesen.

Wales vs Nordirland

Beide Mannschaften traten im 5-3-2 an und neutralisierten sich zunächst. Die große Stärke der Waliser, das flexible Pressing, kam gegen die aufbauunwilligen Nordiren nicht zur Geltung. Nach der Halbzeit wurde auf beiden Seiten viel umgestellt, was die Partie etwas verbesserte. Das 1:0 durch ein Eigentor entschied ein chancenarmes Spiel.

Frankreich vs Irland

Die flexiblen Mannorientierungen der Iren im 4-3-3 gegen das französische 4-3-3 funktionierte lange Zeit sehr gut. Der frühe Elfmetertreffer half natürlich dabei. In Halbzeit zwei stellten die Franzosen auf 4-2-3-1 um, man besetzte die Mannschaft offensiver und fokussierte Dribblings von Coman. Schlussendlich drehte man das Spiel durch zwei Griezmann-Tore noch auf 2:1.

Deutschland vs Slowakei

Der (zurecht) viel gefeierte Kimmich durfte erneut starten, brachte wichtige Aspekte ins deutsche Spiel, die durchwegs dominant die tief, jedoch lückenhaft im 4-1-4-1 verteidigenden Slowaken ausspielten. Zwar gab es vereinzelt Nadelstiche über individuelle Aktionen der Slowaken, diese konnten jedoch meist recht einfach kontrolliert werden. Ein Lob gebührt auch Julian Draxler, der in die Startaufstellung rutschte und einer der besten Spieler am Platz war.

Ungarn vs Belgien

Die Ungarn spielten sehr mutig, mit hoch agierenden Achtern, flachem Aufbau mit Fokus auf Schnittstellen und Mannorientierungen im Pressing. Die Belgier hatten, ohne es zu beabsichtigen, genau das richtige Mittel: individuell starke Dribbler und extrem schnelle Konter. Letzteres erledigte die Ungarn auch, die sich naiv und zu schwach gegen eben jene Schnellangriffe absicherten.

England vs Island

Die Engländer konnten, wie bereits in der Gruppenphase angedeutet, bisweilen zwar gut den Ball zirkulieren lassen, jedoch ohne Penetration. Gegen gut gestaffelte Isländer kam man nicht in die Formation und verlor verdient. Das Gegenpressing, das für den fehlenden Spielmacher die Rolle übernehmen hätte können, griff kaum, die Verbindungen untereinander waren schwach.

Italien vs Spanien

Die Italiener zeigten mit einer Meisterleistung aus flexibel organisierten Mannorientierungen, wechselnder Pressinghöhe und -intensität ein grandioses Spiel, das die fehlende Durchschlagskraft der Spanier an diesem Tag aufzeigte und ausnutzte. Die Linksüberladungen der Spanier waren natürlich bekannt und wurden einfach verteidigt. Die Variabilität fehlte den Spaniern, die von einer perfekt eingebundenen und gecoachten Mannschaft zurecht geschlagen wurde.

David Goigitzer, abseits.at

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David Goigitzer