Am letzten Spieltag der Serie A traf der SSC Neapel auf Absteiger Frosinone Calcio. Die Hausherren kamen zu einem ungefährdeten 4:0-Sieg, der den zweiten... Rote Karte spielt Napoli in die Karten: Higuaín-Hattrick bei 4:0-Heimsieg gegen Frosinone
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SSC Napoli Wappen_abseits.atAm letzten Spieltag der Serie A traf der SSC Neapel auf Absteiger Frosinone Calcio. Die Hausherren kamen zu einem ungefährdeten 4:0-Sieg, der den zweiten Platz und damit die direkte Qualifikation für die CL-Gruppenphase sicherte. Higuaín erzielte in der zweiten Halbzeit einen lupenreinen Hattrick und schraubte sein Tor-Konto damit auf beachtliche 36 Saisontreffer, was einen neuen Rekord in der Serie A markiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Napoli trat im standesgemäßen 4-3-3 an, im Ballbesitz fächerten die Innenverteidiger ausreichend auf, um Jorginho das Abkippen zwischen ihnen zu ermöglichen. Dennoch blieben die beiden zentralen Abwehrspieler verhältnismäßig eng beieinander. Wenn der Ball in höhere Zonen gelangte zog man sich auch wieder zur Absicherung von Kontern etwas zusammen.

Der Angriffsvortrag ging recht direkt vonstatten, durch das von Frosinone verdichtete Zentrum war es schwierig dieses gleich mit Pässen aus der Abwehr zu überspielen, weshalb man meist auf die sehr breit und hoch agierenden Außenverteidiger spielte, die anschließend die Achter im Mittelfeld suchen. Vor allem die linke Seite bestehend aus Ghoulam und Hamsik wurde hier fokussiert.

Im Pressing versuchte man in hohen Zonen ebenfalls im 4-3-3 den Aufbau der Gäste früh zu stören. Um Zugriff zu erlangen wandte man teils recht klare Mannorientierungen an, dies zwang die Laziali oft zu hohen Bällen, die nur sehr schwierig zu verwerten waren. Aber besonders vor der roten Karte funktionierte das flache Aufbauspiel der Gäste oft sauber genug, dass sich dann Napoli nach Überspielen des ersten Pressingwalls schnell ins Mittelfeld und im 4-5-1 zurückzog. Diese Staffelungen sah man mit Fortlauf der Spielzeit jedoch immer weniger, da man immerhin 75% Ballbesitz hatte und die meisten Defensivaktionen im Gegenpressing gelöst wurden.

Frosinone verteidigte in einem 4-3-1-2-Mittelfeldpressing, ließ dabei aber die Stürmer Cioafani und Donisi auf Höhe der Mittellinie meist zum Zocken über. Die Zentrumsverdichtung war oberste Priorität, weshalb der Zugriff auf die Flügel weniger gegeben war, was Napoli mit ihren hohen Außenverteidigern und der situativ doppelten Besetzung des Flügels nutzte und sich so auf Hereingaben fokussierte. Die rote Karte wegen Beleidigung von Mirko Gori war natürlich alles andere als hilfreich für die Gäste, die in Unterzahl nun tiefer verteidigten in einer 4-3-1-1-Formation mit mannorientierten Achtern, die die  Flügelstürmer mannorientiert verfolgten, verteidigten.

Bei einem Ballgewinn versuchte man meist schnelle Konter zu fahren, Zielspieler war hier der robuste Ciofani, der den Ball in einigen Situationen gut behauptete und einmal auch nach einer Drehung um den Gegner zum Abschluss kam. Dionisi kreiste stets um seinen Sturmpartner herum, sollte für Ablagen anspielbar sein oder nach Abfälschungen ins Gegenpressing gehen können. Aus dem Mittelfeld kam meist der Ex-Rieder Kragl mit weiträumigen Nachrückbewegungen zur Unterstützung. Durch die frühe Unterzahl waren Angriffsvorträge jedoch natürlich deutlich schwieriger.

Frosinone früh in Unterzahl, Napoli dominiert

Der Platzverweis für Gori spielte den ballsicheren Gastgeber natürlich in die Karten, man nutzte die Mannorientierungen auf den Flügeln um die Außenverteidiger sehr hoch schieben zu lassen, um die verfolgenden Achter zu binden und Überzahl im Zentrum herstellen zu können. Dies erlaubte eine fast störungslose Ballzirkulation bis nahe an den gegnerischen Strafraum, Frosinone agierte teilweise zu passiv, stellte den Ballführenden regelmäßig zu, setzte diesen jedoch kaum unter Druck, sodass viele Situationen von der Heimmannschaft sauber ausgeführt werden konnten. Um  Frosinone zu ermüden zirkulierte Napoli meist im Zentrum und arbeitete mit vielen Verlagerungen, um weite Verschiebebewegungen der Gäste zu provozieren. Diese Seitenwechsel kamen teilweise jedoch zu ungenau und die gegnerischen Außenverteidiger konnten diese meist gut vereidigen.

Zwei Mal ergab sich dadurch auch eine Umschaltsituation für die Gelben, jedoch war man mit Ciofani gegen  drei Verteidiger unterbesetzt, die Bälle auf ihn kamen meist nicht genau genug und seine Fähigkeiten in der Verarbeitung sind einfach nicht vorhanden, um stabil hohe Bälle gegen mehrere Verteidiger zu halten und weiterzuspielen. Zudem stellte man sich im Ausspielen dieser Kontersituationen nicht sonderlich klug an, meist gab es nur vereinzelte, ungestaffelte Läufe in die Tiefe, sodass schnelle Kombinationen und Raumgewinn kaum möglich waren.

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Kragl gewinnt den Ball und geht sofort ins Dribbling Richtung Eckfahne, er hat kaum reelle Optionen, da Ciofani einfach nur die Verteidiger begleitet, keinen Lauf macht. Kragl dribbelt diagonal in die Ansammlung von Napoli Spielern und verliert anschließend den Ball.

Wenn Frosinone sich mal in diese höheren Positionen begab nutzte Napoli das sofort zu Gegenangriffen. Callejon und Higuaín boten sich geschickt im Zwischenlinienraum an und legten auf die nachrückenden Achter ab. Mit diesem Schema konnte man zwei aussichtsreiche Konter herausspielen, die jedoch zunächst nichts einbrachten. Zudem konnte man vor allem über links mit Überladungen mit Hysaj, Insigne und Hamsik einige Durchbrüche mit anschließenden Hereingaben herausarbeiten, die für Torjäger Higuaín gedacht waren, der sich immer wieder dynamisch mit gutem Timing in den Strafraum bewegte und von dort Stanglpässe verwerten wollte. Vor allem Insigne bereitete der Frosinone Abwehr Probleme, da er sich sehr flexibel bewegte, mal im Zwischenlinienraum gleich mehrere Gegner band und den Flügel für Ghoulam frei machte, sowie selbst über die Seitenlinie  mit seiner Dribbelstärke oder diagonale Läufe nach außen kam.

Die sehr tief stehende Frosinone Defensive konnte mit diesen Angriffen jedoch prinzipiell umgehen, dadurch dass der Strafraum meist nur vom argentinischen Torjäger Higuaín besetzt wurde, konnte man diesen eng decken und an sauberen Abschlüssen hindern. Callejon startete nun jedoch auch ballfern diagonale Läufe hinter die Abwehr, diese Pässe konnten jedoch aufgrund des geringen Raums, in dem Callejon den Ball forderte, kaum gefunden werden. Kurz vor der Halbzeit besetzte nun auch Insigne deutlich öfter den Strafraum und die Außenverteidiger waren nun primär die Zuständigen für Hereingaben. Kurz vor der Halbzeit rutschte einer dieser Stanglpässe von Ghoulam zu Hamsik durch, der in Minute 44 das 1:0 erzielte.

Gonzalo Higuaín, Strafraummonster

Was in Halbzeit eins nur selten probiert wurde, fokussierte Napoli nun im zweiten Durchgang: Lupfer. Bei tief stehenden Abwehrketten sind Heber hinter die Verteidiger sehr wirksam, da man nicht die hohe Kompaktheit um-, sondern einfach überspielen kann. Durchbrüche suchten die Gastgeber weiterhin über die Flügel, die Breite sollte die Frosinone- Abwehr auseinander ziehen, was in Minute 52 auch perfekt gelang und Higuaín dabei half die Führung auf 2:0 zu erhöhen. Nach einer kurzen Kombination zwischen Callejon und Hysaj ließen sich zwei Frosinone Spieler aus dem Halbraum locken, in den Allan hineinstartete, mit viel Raum auf die Grundlinie ging und zu Higuaín in der Mitte passte, der mit den Ball direkt über die Linie brachte.

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Der nachrückende Allan erkennt den geschaffenen Raum, dribbelt in diesen hinein und spielt einen Stanglpass zum sich klug bewegenden Higuaín.

Nach dem zweiten Tor ließ Napolis Intensität etwas nach, Frosinone hatte einige wenige Durchbruchsmöglichkeiten, die hohen Bälle hinter die Napoli Abwehr, die man fokussierte, kamen jedoch meist zu weit, sodass man keine wirklichen Chancen generieren konnte. Diese kurze, schwächere Phase beendete Napoli schnell und versuchte deutlich höher zu pressen, wenngleich man dies nur zwei bis drei Pässe lang machte und sich dann, sofern es keinen Ballgewinn gab, schnell ins Mittelfeld ins 4-5-1 zurückzog.

Zudem agierte man wieder etwas zielgerichteter mit Ball und brachte mehr Hereingaben mit viel Effet aus dynamischeren Situationen, sodass der argentinische Stürmer im Zentrum in die Bälle hineinsprinten konnte. Zwei dieser Aktionen gab es innerhalb einer Minute, die zweite endete mit einem Tor nach halbhoher Flanke für Higuaín von Hysaj. Direkt nach dem Treffer kam Dries Mertens für Callejón ins Spiel, man war auf beiden Seiten nun kombinativ und diagonal ausgerichtet, wo hingegen Callejón davor eher eine geradlinige Rolle innehatte. Mertens‘ einrückende Bewegungen schafften bessere Verbindungen untereinander. Eines dieser diagonalen Dribblings von Mertens leitete auch das 4:0 von Higuaín ein, der mit einem Fallrückzieher und seinem 36. Tor den Serie-A-Torrekord für eine Saison brach. Um die Dominanz weiterhin hoch zu halten attackierte Napoli früh die Aufbaubemühungen Frosinones. Durch die kurzen Verbindungen zueinander konnte man nach Ballverlusten effektiv ins Gegenpressing gehen, weshalb die Gäste noch früher und noch ungenauer den Ball nach vorne schlugen, als sie es sowieso taten.

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Kein ballferner Breitengeber, kurze Verbindungen untereinander, eine drei Mann Absicherung als gute Konterabsicherung.

Mit längeren Ballstaffetten brachten die Heimischen die Führung sicher über die Zeit, durch die gute Absicherung ließ man nichts anbrennen, die Gäste hatten über die gesamten 90 Minuten nur zwei Torschüsse zu verbuchen.

Fazit

Die frühe rote Karte spielte Napoli natürlich perfekt in die Karten, anschließend nutzte man die Dominanz im Ballbesitzspiel und band die Frosinone-Defensive sehr mittig, um von außen Hereingabe um Hereingabe zu schlagen und Higuaíns Strafraumgefährlichkeit ins Szene zu setzen, was sichtlich gelang. Gegenangriffe der dezimierten Gäste konnte man oft frühzeitig vermeiden und im schlimmsten Fall leicht kontrollieren, vor allem das Gegenpressing der Hausherren griff aufgrund der guten Basis der Staffelungen im Ballbesitz sehr gut.

David Goigitzer, abseits.at

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David Goigitzer