Ganz klar: In Madrid sind die Ansprüche andere als anderswo auf der Welt. Speziell nach dem fulminanten Triumph in der Champions League 2013/14 lechzt... Die Probleme eines 94-Millionen-Kickers: 2/3 der Fans wollen Bale nicht mehr in Reals Startelf
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Gareth Bale - Real MadridGanz klar: In Madrid sind die Ansprüche andere als anderswo auf der Welt. Speziell nach dem fulminanten Triumph in der Champions League 2013/14 lechzt man in der spanischen Hauptstadt nach einer Bestätigung für diesen großen Erfolg. Niemand spürt das derzeit so stark wie der walisische Teamspieler Gareth Bale.

Er kostete 94 Millionen Euro und brachte Real Madrid im letztjährigen Champions League Finale mit seinem Treffer in der Verlängerung gegen Atlético Madrid auf die Siegerstraße. In der laufenden Saison schlagen Bale aber hohe Wellen entgegen. Schon zu Saisonbeginn beäugte man seine Leistungen skeptisch. Einige seiner Leerläufe und sein manchmal zu geradliniges Spiel wurden kritisiert – da er mit Wales nicht bei der WM spielte, wurde eine möglicherweise zu kurze Sommerpause nie als Ausrede zugelassen.

Zwei Drittel der Fans wollen Bale nicht in der Startelf

Nach der 1:2-Niederlage Reals im Clasico gegen den FC Barcelona stieg der Druck auf Bale noch weiter. Die renommierte spanische Sportzeitschrift „as“ veröffentlichte eine Umfrage, nach der mehr als zwei Drittel der befragten Fans Gareth Bale nicht mehr in der Startformation der Königlichen sehen wollen. An der Umfrage nahmen immerhin über 8.000 Fans teil. Die zweite große Sportzeitschrift des Landes, die „Marca“, zog ebenfalls über den Briten her. In der Spielerbewertung einen Tag nach dem Spiel, erhielt Bale keine Note. Zu unauffällig war seine Leistung.

Erste Halbzeit ok, zweite Halbzeit nicht

Dabei sollte man diese gegen ein dominantes Barcelona nicht zu dramatisch bewerten. Natürlich spielte Bale im Camp Nou nicht seine beste Partie, aber seine erste Halbzeit war passabel. Bale erzielte sogar einen Treffer, allerdings wurde der einleitende Cristiano Ronaldo wegen Abseits zurückgepfiffen. Natürlich war die zweite Hälfte miserabel: Bale spielte nur sieben Pässe, setzte kein einziges Mal einen Fuß in den Barca-Strafraum und am Ende hatte er die schlechteste Passquote aller Spieler auf dem Feld. Ungeachtet dessen, dass er keine Torgefahr ausstrahlte.

…aber auf diese zweite Halbzeit warteten die Medien

Bales durchwachsene Leistung in der zweiten Clasico-Hälfte wurde nur als Spitze des Eisbergs angesehen. Endlich „dürfen“ die Medien auf einen ungeliebten Delinquenten draufhauen, der ihnen schon über die gesamte Spielzeit ein Dorn im Auge ist. Natürlich ist die spanische Liga von einem enormen Leistungsgefälle geprägt, aber wenn man sich die nackten Zahlen ansieht, kann man schwer glauben, dass hier von einem Spieler die Rede ist, den die Fans gerne – zumindest kurzfristig oder temporär – absägen wollen.

Nichts desto trotz gute Werte

Bale bestritt in der laufenden Saison 39 Pflichtspiele für Real Madrid, erzielte dabei 16 Tore und bereitete acht weitere vor. In der Liga hält er nach 25 Spielen bei zwölf Toren und fünf Assists, ist somit immerhin alle 120 Minuten an einem Treffer beteiligt. Eine dauerhafte Flaute kann man Bale demnach nicht vorwerfen. Erst eine Woche zuvor erzielte er bei einer schwachen Mannschaftsleistung beide, wichtige Tore beim 2:0-Sieg über Levante. In der Vorsaison erzielte Bale übrigens in 44 Pflichtspielen 22 Tore und 19 Assists. Klar spielt Bale eine schwächere Saison als in seinem Einstiegsjahr für die Königlichen, aber dennoch weist der 25-Jährige Werte auf, die andere Spieler gerne hätten. Es ist nur alles ein bisschen schwieriger zu verkaufen, wenn man einst 94 Mille kostete…

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen