Supercups wird zwar nicht immer allzu viel Bedeutung zugeschrieben, im Falle des Duells FC Barcelona gegen den FC Sevilla ist dies natürlich was anderes.... Taktikanalyse: Die stets richtungsweisende Supercopa
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FC Barcelona - Logo, Wappen_abseits.atSupercups wird zwar nicht immer allzu viel Bedeutung zugeschrieben, im Falle des Duells FC Barcelona gegen den FC Sevilla ist dies natürlich was anderes. Unter Sampaoli und Lillo (und Manna, Spielanalyst und einer der bekanntesten Taktikblogger) hat sich der FC Sevilla zu einer Pressing- und Zirkulationsmaschine gewandelt. Aufgrund interessanter Vorzeichen haben wir das aufregende Hinspiel der spanischen Supercopa für euch analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Der FC Barcelona agierte in Ballbesitz im 4-3-3, wobei man aufgrund des hohen Pressings Sevillas die Außenverteidiger tiefer ließ um eine stabilere Ballzirkulation zu ermöglichen, was jedoch trotz der großen Fähigkeiten der Katalanen eine große Herausforderung war. Dies lag allem voran an den gut ausgeführten Mannorientierungen der Gastgeber, die mit ihrer Viererkette im Mittelfeld die Halbräume, sowie die ganze Breite gut abdecken konnten. Zwar fand man immer wieder Busquets mit den ersten Pässen aus der Abwehr, jedoch fehlten diesem meist die Anspielstationen nach vorne.

Durch die hohe horizontale und vertikale Kompaktheit der Sevillaner ergaben sich natürlich auch Räume, die man durch Schnellangriffe zu bespielen versuchte, was zweimal auch sehr gut gelang. Suárez war hierbei einmal auf den Flügel ausgewichen und konnte dort einen Pass in die Tiefe empfangen, seine Hereingabe aus kurzer Distanz konnte jedoch abgefangen werden.

Im Pressing formierten sich die Katalanen in einem 4-4-2-Mittelfeldpressing, Suárez und Messi bildeten die Doppelspitze und waren darauf fokussiert die Sevillaner auf die Flügel zu drängen. Dies gelang vor allem zu Beginn nicht ideal, immer wieder fanden die Sevillaner den Rücken des ersten Pressingwalls. Die besten Pressingsituationen der Katalanen fand man in tieferen Zonen vor, als man das Zentrum versperrte und Rückpässe und Stockfehler erzwang, wobei N’Zonzi hier der Anfälligste bei den Andalusiern war.

Der FC Sevilla, mittlerweile eine der Lieblingsmannschaften von Taktik-Hipstern, bildete im Ballbesitz meist eine 3-1-4-2-Staffelung, die sich jedoch sehr fluide zu verändern wusste. So gab es teilweise auch Situationen in denen nur zwei Innenverteidiger aufbauten und man eine 4-3-3-Grundordnung am Feld sah. So formierte man sich ab Minute fünf dann öfter, Kranevitter kippte nun seltener zwischen die beiden Innenverteidiger ab.

Dribblings sind ein fokussiertes Mittel des FC Sevilla unter Sampaoli und Lillo, vor allem Vitolo zeigt immer wieder Läufe in hohem Tempo mit dem Ball am Fuß, er visiert hier Schnittstellen an und ist meist nur schwer zu stoppen. Gegen mannorientiertere Mannschaften wird dies noch mehr Wirkung haben, also vor allem auf europäischer Ebene.

Ein gutes Beispiel für Sevillas Ballzirkulation: Ruhe im Aufbau auch unter Druck, gezielte hohe Bälle mit anschließenden Ablagen und temporeichen „Entkommen“ aus Engen, sowie Seitenverlagerungen.

Im Pressing wollten die Mannen von Sampaoli die Katalanen bereits früh unter Druck setzen und attackierten im 3-1-4-2 sehr hoch und intensiv. Hierbei verwendet man vor allem im Mittelfeld Mannorientierungen, N’Zonzi zum Beispiel übernahm oft Busquets und verfolgte ihn auf Schritt und Tritt, während sich Kranevitter meist an Rakitic und Kiyotake sich an Iniesta orientierte. Mithilfe der Doppelspitze konnte man die aufbauenden Innenverteidiger des FC Barcelona sehr gut unter Druck setzen, da man den Ballführenden attackieren und gleichzeitig mit dem anderen Stürmer die Verlagerungsoption versperren. Auf den Flügeln wartete man stets, bis die Außenverteidiger angespielt wurden und setzte diese dann erst unter Druck.

Durch das sehr weite, kompakte Verschieben konnte man den FC Barcelona oft auf einer Seite fest machen und dort entweder Ballgewinne erzielen oder einen Einwurf erzwingen.

Intensives Sevilla belästigt die Katalanen

Die erste Phase der Partie dominierten die Gastgeber deutlich. Durch ihr bereits erwähntes hohes Pressing schafften sie es zum größten Teil die Katalanen in Schach zu halten und gleichzeitig selbst mit hoher Vertikalität im Passspiel Tormöglichkeiten herauszuspielen. Deutlich fokussiert wird unter Sampaoli scharfes Passspiel, Spieler bieten sich sehr oft in Schnittstellen an und die Aufbauspieler, allen voran Kranevitter und Vitolo suchten diese konstant. Das Gegenpressing der Katalanen wurde regelmäßig ausgespielt und so konnten die Sevillaner oft mit viel Tempo aus dem Zwischenlinienraum die Viererkette der Gäste attackieren.

Die Katalanen wandten ab ungefähr 15 Minute mehr hohe Bälle im Aufbau an, da man die hohe Abwehrlinie der Heimischen nutzen wollte. Dies war jedoch ebenfalls eine Herausforderung, da die Sevillaner den Ballführenden passend unter Druck setzen konnte und hohe Bälle natürlich ebenfalls richtig vorbereitet werden müssen um effektiv zu sein. Aufgrund des hohen Drucks ließen sich Rakitic und auch Messi vermehrt tief ins Mittelfeld fallen und Busquets spielte nun öfter mit dem ersten Kontakt und fand so einige Male Optionen nach vorne, was angesichts des immens intensiven Pressings und der engen Deckung von N’Zonzi einmal mehr zeigte, wie unantastbar der schlaksige Spanier im Weltfußball eigentlich ist.

Sevilla mit sehr intensivem, schlussendlich erfolgreichem Angriffspressing im 3-1-4-2. Beeindruckend jedoch auch die Ruhe und Geduld, die Barcelona hier an den Tag legt und sich mithilfe vom Zurückfallen Messis und Rakitics fast befreit.

Das Spiel nahm gegen Ende der ersten Halbzeit an technischer Unsauberkeit an beiden Seiten zu, ebenso vermehrten sich die Anzahl der Fouls und der Unterbrechungen. Der FC Barcelona fokussierte nun mehr die eigene Vertikalität und suchte noch mehr den Weg in die Tiefe mit weiträumigen Läufen nach Abspielen, um etwas mehr Unruhe in das Pressing des FC Sevilla zu bringen. Noch mehr wurden nun Ablagen direkt gespielt um das Tempo in der Ballzirkulation zu erhöhen und den Zugriff für die Mannen von Sampaoli und Lillo zu erschweren.

Sevilla lässt kurz locker, Barcelona dominiert

Nach Wiederanpfiff presste Barca wieder etwas höher, Kranevitter wurde nun enger von Busquets verfolgt und war so schwieriger ohne Abkippen in den Aufbau einzubinden. Das Pressing der Sevillaner gestaltete sich weiterhin hoch und begann früh im Aufbau Barcelonas, jedoch war es vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht mehr so kompakt wie zuvor und man schien in einigen Situationen zu spät zu kommen, weswegen der FCB die gestellten Aufgaben besser lösen konnte. Weiterhin half hier Messi in tiefen Zonen und man wandte nun auch öfter hohe Seitenwechsel mit dem ersten Kontakt an, die Außenverteidiger agierten ballfern nun höher und sehr breit.

Verrückt scheinbar riskante und saubere Aufbauzirkulation Barcas. Doch wie riskant ist es wirklich, wenn man solche Spieler (und einen spielmachenden Torwart) hat?
Barca konnte sich nun konstanter in der Hälfte Sevillas festsetzen, das Pressing der Gastgeber gestaltete sich nicht mehr derartig intensiv wie noch im ersten Durchgang. Wenn sich der FC Barcelona erst mal in einen Rhythmus spielt ist es sehr schwierig ihm diesen zu nehmen. Selbst wenn Sevilla versuchte mehr Druck auszuüben fanden die Katalanen immer wieder kleine, jedoch zu nutzende Löcher in den Defensivstrukturen der Andalusier. Die sehr breiten Außenverteidiger banden die Flügelspieler Sevillas, was die ballfernen Halbräume entblößte und durch Dénis Suárez und Rakitic besetzt wurden. Ersterer war es auch der aufgrund des Raumes den er hatte einen tollen Chip hinter die Abwehr Sevillas auf Turan spielen konnte, der mit der Brust auf Luis Suárez ablegte, welcher die Führung der Katalanen erzielte.

Das 1:0 des FC Barcelonas, entsprungen aus dem linken Halbraum der durch den sehr hoch schiebenden Lucas Digne am linken Flügel geöffnet wurde.

Die Andalusierer verlieren den Zugriff

Barca dominierte das Spiel nun komplett, die Sevillaner schafften es nicht das Tempo, das sie vor der Halbzeit gingen, aufrecht zu erhalten. Im tieferen Pressing war man bei weitem nicht kompakt genug und konnte nie wirklich genug Druck ausüben um den Katalanen rechtzeitig die Passwege in die Formation zu versperren. Selbst wenn man es schaffte hohe Bälle zu erzwingen war man hierbei nicht druckvoll genug, sodass diese hohen Bälle noch recht gezielt gespielt werden konnten. Luís Suárez ist ja auch bei hohen Bällen ein fähiger Spieler und zeigte dies einmal mehr, er lieferte sich mehrere Luftduelle und gewann davon einige, welche für Ablagen auf nachrückende Mitspieler genutzt wurden.
Die abnehmende Kompaktheit, das zu spät kommende Gegenpressing und die erhöhte Ballsicherheit des FC Barcelona mündete schließlich in Minute 81 im 2:0 der Gäste, als Messi während eines Konters mit einem Traumpass die Restverteidigung der weit aufgerückten Sevillaner zerstückelte und Munir El-Haddadi auf die Reise schickte. Der lupfte mit dem Außenrist an Sergio Rico vorbei und entschied damit die Partie

Fazit

Beide Mannschaften dominierten jeweils eine Halbzeit, jedoch war Sevilla nach Wiederanpfiff löchriger im Pressing, als dies Barca im ersten Durchgang gewesen war. Die Gastgeber zeigten jedoch vor allem in der ersten Hälfte eine faszinierende Leistung, geprägt durch interessanten, fluiden Bewegungen im Ballbesitz und einem verrückt hohen und intensiven Pressing. Als der FC Barcelona jedoch wieder in die Spur fand ließ er dem FC Sevilla keine Chance und zeigte damit, dass das Spiel gegen den FC Liverpool definitiv nicht voraussagend für die kommende Saison war.
David Goigitzer, abseits.at

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David Goigitzer