Die Weltmeisterschaft 2002 haben die Fans der Squadra Azzurra in schlechter Erinnerung, da das Team von Coach Giovanni Trapattoni im Achtelfinale gegen den Gastgeber... Byron Moreno: Vom Skandal-Schiedsrichter zum Drogendealer
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Pfeife, SchiedsrichterDie Weltmeisterschaft 2002 haben die Fans der Squadra Azzurra in schlechter Erinnerung, da das Team von Coach Giovanni Trapattoni im Achtelfinale gegen den Gastgeber Südkorea den Kürzeren zog. Schon in der Gruppenphase mussten die Italiener einige strittige Entscheidungen der Schiedsrichter hinnehmen, den Vogel schoss aber der Ecuadorianer Byron Moreno ab, der mit seinen Pfiffen das Aus des viermaligen Fußball-Weltmeisters besiegelte. Dieses Spiel markierte den Start in eine Abwärtsspirale für den Ecuadorianer.

Gelb-Rot für Totti und ein aberkanntes Golden Goal gegen Südkorea

Das Achtelfinalspiel begann für die Italiener vielversprechend, denn Christian Vieri brachte den Favoriten bereits nach 18 Minuten in Führung, nachdem die Südkoreaner in der fünften Minute einen Elfmeter vergaben. Seol Ki-hyeon erzielte jedoch zwei Minuten vor dem regulären Ende der Partie den Ausgleich, sodass eine Verlängerung die Entscheidung bringen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war noch die Golden-Goal-Regel in Kraft, die erst zwei Jahre später abgeschafft wurde. Schiedsrichter Byron Moreno erhöhte während dieser Verlängerung weltweit seinen Bekanntheitsgrad, da er zuerst Francesco Totti wegen einer Schwalbe im gegnerischen Strafraum zu Unrecht die gelb-rote Karte zeigte und anschließend einen regulären Treffer von Damiano Tommasi aberkannte. Ahn Jung-Hwan entschied die Partie in der 117. Minute für den Gastgeber, was ihm seinen Job bei der AC Perugia Calcio kostete. Klubpräsident Luciano Gaucci sagte gegenüber der Gazzetta dello Sport: Ich werde nicht das Gehalt eines Spielers zahlen, der den italienischen Fußball ruiniert hat.“

Toilleten-Model Moreno

Giovanni Trapattoni war nach dem Spiel außer sich und attestierte dem Unparteiischen eine „kriminelle Vorstellung“. Die Medien in Italien sprachen von einer Schande, meinten damit aber nicht die eigene Mannschaft, sondern Byron Moreno. In Sizilien taufte eine Gemeinde neu errichteten Pissoirs an der Strandpromenade nach dem Ecuadorianer und selbst Joseph Blatter verkündete, dass zukünftig bei Weltmeisterschaften nur noch die besten Schiedsrichter eingeladen werden, auch wenn dies heißen würde, dass nur noch einige wenige Länder die Unparteiischen abstellen würden. Moreno selbst ließ der Aufruhr um seine Person zumindest äußerlich kalt. Er behauptete er würde Totti auch heute noch ausschließen und brauche sich dafür nicht einmal eine Zeitlupe ansehen. Die Schuld für das nicht gegebene Tor schob er auf seinen Linienrichter.

Skandalöse Leistungen auch nach der Weltmeisterschaft

In seiner Heimat setzte er nach der Weltmeisterschaft seine Fehlpfiffe und kuriosen Entscheidungen zunächst unbeirrt fort. Moreno, der es in einer Saison einmal auf 1,08 Ausschlüsse pro Partie brachte, erreichte einen weiteren unrühmlichen Höhepunkt, als er in der Partie zwischen Liga Deportiva Universitaria de Quito und dem Barcelona Sporting Club so lange nachspielen ließ, bis die Mannschaft aus der Hauptstadt die Partie gewann. Zunächst ließ er sechs Minuten Nachspielzeit anzeigen, die Partie pfiff er jedoch erst nach 13 Minuten ab, nachdem LDU zwei Treffer erzielte und das Spiel noch mit 4:3 gewann. Zufällig kandidierte er zu dieser Zeit für ein politisches Amt in der Hauptstadt und wollte wohl so für zusätzliche Stimmen bei den Fußballfans sorgen. Stattdessen gab es nach der Partie jedoch größere Tumulte und der ecuadorianische Verband suspendierte ihn. Kurz nachdem er seine Sperre abgesessen hatte, verteilte er drei umstrittene rote Karten in einer Partie und trat nach erneuter Kritik an ihm zurück. Die FIFA hatte ihn zu diesem Zeitpunkt bereits für alle internationalen Partien ausgeschlossen.

Der ganz tiefe Fall

Nach seiner aktiven Karriere analysierte er für das ecuadorianische Fernsehen Schiedsrichterentscheidungen, trennte sich von seiner Frau und zog mit seiner jüngeren Freundin in eine neue Wohnung. Es wurde relativ still um den ehemaligen Schiedsrichter, bis er im September 2010 am John F. Kennedy International Airport in New York Zollbeamten auffiel, die nachträglich im Bericht angaben, er hätte einen sehr nervösen Eindruck auf sie gemacht. Moreno wurde abgetastet und man fand sechs Kilogramm Heroin, das er in zehn Säcken verteilt an seinen Körper befestigt hatte. Vier Monate später bekannte er sich vor Gericht schuldig und gestand, dass er sich aufgrund von Geldproblemen zu dieser Dummheit hinreißen ließ. Er wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, in denen er sich laut Protokoll vorbildlich verhielt. Er bügelte die Kleidung seiner Mithäftlinge, um ein wenig Geld dazuzuverdienen und organisierte Fußballspiele für die Insassen. Nach 26 Monaten wurde er vorzeitig entlassen und kehrte in seine Heimat zurück.

Moreno beteuerte, dass er seine Tat bereut und er hofft, dass Gott ihm verzeihen würde. In Italien zumindest hat man dem Schiedsrichter nicht vergeben – nach der Bekanntgabe seiner Verhaftung spottete Keeper Buffon: „Sechs Kilogramm Drogen? Die hatte er schon 2002 dabei. Allerdings nicht in der Unterwäsche, sondern im Blutkreislauf.“

Stefan Karger, www.abseits.at

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Stefan Karger

  • Amy

    Schöne Story, nur die Überschrift ist leider Bullshit. Nix Drogenhändler, nein: Drogenkurier. Auskünfte über den Unterschied gibt vielleicht der Polizeireporter vor Ort oder der nächste „Tatort“.