Immer wieder kommt es vor, dass Vereine nicht an den Meisterschaften in ihren Heimatländern teilnehmen, sondern Teil ausländischer Ligasysteme sind. Die Gründe dafür sind... Grenzgänger: Wenn Vereine an ausländischen Meisterschaften teilnehmen

Immer wieder kommt es vor, dass Vereine nicht an den Meisterschaften in ihren Heimatländern teilnehmen, sondern Teil ausländischer Ligasysteme sind. Die Gründe dafür sind vielschichtig, oftmals schließen sich jedoch Teams kleinerer Länder größeren Nationen an, um von der höheren Professionalität zu profitieren. Abseits.at verschafft einen Überblick über die aktuelle und historische Situation.

Da Großbritannien zwar eine Nation ist, jedoch aus vier Fußballverbänden besteht, kommt es zu zahlreichen Fällen, in denen Clubs ausländischen Ligen angehören.

Wales und England

Derzeit nehmen sechs walisische Vereine am englischen Ligasystem teil, wobei es Swansea City als erster Verein schaffte, in die 1992 gegründete Premier League aufzusteigen. Von 1981 bis 1983 befanden sich die Swans jedoch bereits in der Football League First Division, die damals die höchste englische Spielklasse darstellte.

Cardiff City, das derzeit in der zweitklassigen Championship spielt, war von 1921 bis 1929, 1952 bis 1957 sowie von 1960 bis 1962 ebenfalls im englischen Oberhaus aktiv. Zudem ist Cardiff der einzige ausländische Club, der den FA-Cup gewinnen konnte (1927), im Jahr 2008 unterlag man im Finale.

In der Conference National, der fünften Liga spielen aktuell Newport County und Wrexham, ein Stockwerk darunter, in der Conference North, kickt Colwyn Bay und in der neunten englischen Liga, der Western Football League findet sich schließlich Merthyr Town.

Diese Vereine nehmen auch am englischen FA-Cup teil, unterstehen jedoch nicht dem englischen, sondern dem walisischen Verband. Sollten sich die Vereine für den Europacup qualifizieren, repräsentieren sie dort ebenfalls England und nicht Wales. Bis 1995 konnten die Vereine auch am walisischen Cup teilnehmen, jedoch keinen Europacupstartplatz über ihn beziehen.

Bevor 1992 die League of Wales gegründet worden war, nahmen auch Bangor City, Barry Town, Caernarfon Town, Newtown und Rhyl am englischen Ligasystem teil und spielten in diversen Amateurligen.

Der Grund für die Teilnahme an englischen Ligen ist vor allem in der dort erheblich höheren Professionalität zu suchen, denn in Wales spielen auch in der höchsten Liga zahlreiche Vereine auf Amateurniveau. Eine Heimstätte, wie das 20.000 Zuschauer fassende Liberty Stadium von Swansea, wäre dort unmöglich zu realisieren. Zwar können sich die walisischen Teams über ihre Liga für den Europacup qualifizieren, müssen dort aber fast immer hohe bis teils sehr hohe Niederlagen einstecken, so dass dies für die in England tätigen Clubs kein Argument ist, in der ursprünglichen Heimat zu spielen. Immerhin befinden sich aktuell in Swanseas Kader elf walisische Spieler.

Umgekehrt gibt es auch einige englische Vereine, die am walisischen Ligasystem teilnehmen.

The New Saints, einer von nur zwei professionellen Clubs der Welsh Premier League, repräsentiert kurioserweise sowohl den walisischen Ort Llansantffraid-ym-Mechain als auch das englische Oswestry, die nur wenige Kilometer von einander entfernt liegen, da die New Saints im Jahre 2003 mit Oswestry Town fusionierten. Seit 2007 spielt der Club in Oswestry, zuvor trug man seine Heimspiele in Llansantffraid-ym-Mechain aus.

Die Heimstätte des englischen Clubs Chester, das Deva Stadium, befindet sich übrigens exakt auf der Grenze zwischen England und Wales.

England, Schottland, Irland und Nordirland

Die Berwick Rangers, ein englischer Verein, spielen im schottischen Ligasystem und sind aktuell in der Third Division, der vierthöchsten Spielklasse, engagiert.

Umgekehrt spielt derzeit kein schottischer Verein in England mit, ein bekanntes Beispiel für einen solchen Fall ist jedoch Gretna FC, ein Club aus einer Ortschaft mit 2.700 Einwohnern an der schottisch-englischen Grenze, der 2002 nach Schottland wechselte und es sogar in die dortige Premier League schaffte, das schottische Cupfinale erreichte und in der UEFA Cup-Qualifikation an den Start ging. Im Jahr 2008 musste der Verein aus finanziellen Gründen allerdings den Spielbetrieb einstellen, da die Geldgeber, die den Club nach oben gebracht hatten, nicht mehr zahlungsfähig waren.

Insgesamt  gibt es zwei Vereine mit dem Namen Derry City, die, obwohl aus Nordirland stammend, in Irland spielen.

Der ursprüngliche, 1928 gegründete Club, nahm bis 1972 an der nordirischen Liga teil, und wurde dann als Konsequenz der politischen Konflikte zwischen Iren und Nordiren aus der Liga ausgeschlossen wurde. Für dreizehn Jahre nahm Derry forthin an keiner Meisterschaft teil, ehe man 1985 in die zweite irische Liga einstieg und zwei Jahre später den Aufstieg in die höchste Spielklasse schaffte. 2009 wurde der Verein aufgrund finanzieller Probleme schlussendlich aufgelöst und ein Nachfolgeclub gegründet. Dieser stieg in die zweite irische Liga ein und schaffte prompt den Aufstieg.

Derry City ist sowohl irischer als auch nordirischer Meister, ebenso Cupsieger beider Länder und repräsentierte auch beide Nationen im Europacup.

Festländisches Europa

Alle sieben Liechtensteiner Vereine nehmen am Schweizer Ligasystem teil, da das kleine Land über keine eigene Meisterschaft verfügt. Der mit Abstand bekannteste von ihnen ist der FC Vaduz, der in der Saison 2008/09 sogar den Sprung in die Super League schaffte und derzeit in der zweitklassigen Challenge League vertreten ist. Mit Mario Kienzl, Mario Sara und Trainer Eric Orie sind dort auch einige in Österreich bekannte Männer aktiv.

Im Gegensatz zu einer Meisterschaft wird allerdings sehr wohl der Liechtensteiner Cup ausgespielt, den Vaduz als einziger Profiverein Jahr für Jahr gewinnt und daher an der Europacupqualifikation teilnehmen darf.

Auch ein deutscher Verein, der FC Büsingen und ein italienischer Club, AP Campionese, spielen in der Schweiz, da es sich bei beiden Orten um Enklaven handelt, die von Schweizer Landesgebiet umgeben sind.

In der Segona Catalana, der sechsten spanischen Liga, spielt der FC Andorra, dessen Herkunft nicht schwer zu erraten ist. San Marino Calcio nimmt an der vierten italienischen Liga (Lega Pro Seconda Divisione) teil, während das ebenfalls aus San Marino stammende Juvenes/Dogana in der Saison 2007/08 in die Heimat zurückgewechselt ist.

Der österreichische SV Kleinwalsertal nimmt an der deutschen Meisterschaft teil und spielt aktuell in der B-Klasse Allgäu 6.

Unter dem Naziregime wurde in Deutschland die so genannte Gauliga ausgetragen, Vienna und Admira Wien konnten damals ins Meisterschaftsfinale vorstoßen, Rapid Wien dieses im Jahre 1941 im Berliner Olympiastadion sogar gewinnen. Auch französische, luxemburgische, polnische und tschechoslowakische Vereine waren zu dieser Zeit dem deutschen Ligasystem angeschlossen.

Griechenland und Zypern verfügen über eine gemeinsame fußballerische Vergangenheit, denn in den 1960ern und 70ern spielten zahlreiche zypriotische Vereine wie APOEL oder Omonia Nikosia in Griechenland mit und von 1967 bis 1974 stieg der Meister Zyperns sogar in die erste griechische Liga auf.

Der vielleicht bekannteste ausländische Verein, der in einem fremden Land mitspielt, ist der AS Monaco, da es keine eigene monegassische Liga gibt. 1992 konnte er das Finale des Cups der Cupsieger erreichen und 2004 sogar jenes der Champions League. Momentan befindet man sich nach dem letztjährigen Abstieg nur in der Ligue 2, soll mit russischen Millionen aber wieder nach oben geführt werden.

OoK_PS, abseits.at