Es ist wieder Zeit für eine Jugendnationalteam-Turnier. Im Moment läuft die U17-EM in Aserbaidschan. Wir haben für euch das Spiel Frankreich gegen Dänemark analysiert....

SpielszeneEs ist wieder Zeit für eine Jugendnationalteam-Turnier. Im Moment läuft die U17-EM in Aserbaidschan. Wir haben für euch das Spiel Frankreich gegen Dänemark analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Die jungen Franzosen formierten sich in einem 4-1-4-1, im hohen Angriffspressing schoben die beiden Achter Cuisance und Guitane situativ aus der Formation, um den Stürmer zu unterstützen. Man griff immer wieder lose Mannorientierungen im Mittelfeld auf, um den Zugriff zu erhöhen. Ging der Ball verloren, versuchte man sofort gegenzupressen, was aufgrund ausreichend guter Staffelungen im Ballbesitz meist gut gelang.

Im Angriff war der Fokus auf die Flügel gelegt, beide Außenverteidiger schoben stets hoch und versuchten mit den einrückenden Flügelstürmern zu kombinieren. Meist wurden daraus jedoch nur simple Doppelpässe auf die eine Flanke folgte. Diese Flanken waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt, kamen oft ungenau, wenngleich die Strafraumbesetzung mit drei Spielern meist ausreichend war. Hingegen war der Rückraum meist nur mit einem Spieler besetzt, das Gesamtbild zeigt die Absicht der direkten Flankenverwertung und Vernachlässigung von Abprallern.

Im Aufbau wechselten sich Cuisance und Nguiamba ab und ließen sich meist vor den ersten Pressingwall der Dänen fallen, um den Spielaufbau zu übernehmen. Die beiden Innenverteidiger hatten hinsichtlich des Aufbaus kaum relevante Aufgaben.

Das Mittelfeldpressing der Dänen formierte sich in einem kompakten 4-4-2, wobei das Mittelfeld stets weiter einrückte als die Viererkette hinten. Dies ermöglichte den Außenverteidigern einen schnelleren Zugriff nach Verlagerungen. Nach Ballverlust versuchte meist nur der ballnächste Spieler den Gegner unter Druck zu setzen und der Rest zog sich zurück um Bälle in die Tiefe verteidigen zu können.

Offensiv hatte man einen deutlichen Umschaltfokus, der jedoch auch aufgrund des guten französischen Gegenpressings nicht sehr geordnet vonstatten und meist nur über hohe Bälle ging. Die beiden dänischen Stürmer Odgaard und Wind sind physisch bereits recht ausgereift, vor allem von Odgaard schien man das klassische „Bälle sichern und weitergeben“ eines großgewachsenen Mittelstürmers zu erwarten.

Screenshot (226)

Die Dänen standen stets sehr kompakt im 4-4-2 und versperrten den Zwischenlinienraum.

Dominante Franzosen, kompakte Dänen

Die Franzosen waren den Dänen spielerisch deutlich überlegen, übernahmen früh das Kommando und konnten den Ball meist über mehrere Stationen sauber zirkulieren lassen. Jedoch war diese Zirkulation ohne jegliche Penetration, meist konnte man nur über eine Rückpassstation auf die andere Seite verlagern, tat dies jedoch zu langsam um die kompakt und schnell verschiebenden Skandinavier auseinander zu ziehen. Nicht nur in der Horizontale, auch in der Vertikale waren die Dänen sehr kompakt und versperrten jegliche Passwege in den Zwischenlinienraum. Dies war ein Mitgrund für die vor allem zu Beginn oft vorkommenden Flanken der Franzosen, die einfach keine andere Möglichkeit sahen Torchancen herauszuspielen. Die Freilaufbewegungen der Franzosen waren unsauber und wirkten nicht abgestimmt, was das Defensivspiel der Dänen nur einfacher machte. Jene verlegten sich im Ballbesitz rein aufs Kontern, man suchte den schnellstmöglichen Weg zum Tor. Als Balleroberer und Vertikalpassgeber stach im zentralen Mittelfeld Kapitän Strunck besonders heraus. Wenn man zum Aufbau gezwungen war, meist bei Abstößen, denn Torwart Olsen hatte Probleme mit der passender Weite und Höhe, fächerten die Innenverteidiger zwar auf, jedoch boten sich die Sechser meist unpassend oder teilweise gar nicht an. Die Flügelspieler blieben auf den Linien und waren leicht abzudecken. Der französische Stürmer Karraoui versperrte meist jegliche Möglichkeit zur Verlagerung, sodass man hier oft zum hohen Ball griff.

Farblose zweite Halbzeit

Kurz nach Wiederanpfiff hätte sich der Umschaltfokus fast gelohnt, nach einem tollen weiten Ball von Strunck vergab Odgaard nur knapp, sein Lupfer ging nur wenige Zentimeter daneben. Die zweite Halbzeit war nun weiterhin geprägt von der französischen Dominanz, aber auch von ihrer Hilflosigkeit bezüglich Durchbruchsmöglichkeiten. Die Dänen standen sehr tief und nahmen, je näher man am Strafraum war, auch recht konsequente Mannorientierungen auf, sodass die Ballzirkulation der jungen Franzosen weiterhin primär im „U“ ablief. Mit fortlaufender Spielzeit wurden versuchten es die Bleus mit Schüssen aus der zweiten Reihe nach Ablagen vom Flügel in den Rückraum, dieser war jedoch meist defensiv ebenfalls gut von den Skandinaviern besetzt. Selbst die Dribblings auf den Flügeln wurden durch Doppeln der Dänen meist gestoppt, nur über rechts konnte sich El Mokkedem mehrere Male durchsetzen, der Spieler vom FC Toulouse zeigte sich auffällig.

Fazit

Die Dänen mauerten sich zu einem Unentschieden. Ob eine solch risikolose und “graue“ Spielweise zielführend bei Jugendnationalteams ist, sei dahingestellt. Die Franzosen zeigten, dass sie technisch begabt sind, jedoch trotzdem kein kreatives Mittel gegen die dänische Mauer fand.

Auffällige Spieler

Hakim El Mokkedem, geboren 15.02.1999, vom FC Toulouse. Der rechte Flügelspieler bestach mit gutem Freilaufverhalten, variabler Positionsfindung auf Flügel und Halbraum. Hat eine gute Übersicht und Mut im Dribbling, nahm es zeitweise auch mit zwei Gegenspielern auf.

Niklas Strunck Jakobsen, geboren 17.08 1999, vom FC Nordsjaelland. Der zentrale Mittelfeldspieler zeigte ein starkes Zweikampfverhalten, war Teil eines stets kompakt verschiebenden Mittelfeldes und konnte mit gutem Stellungsspiel einige Bälle abfangen. Seine Pässe in die Tiefe waren maßgeblich für den Umschaltfokus, zudem zeigte er zwei, drei Mal ein dynamisches Dribbling am Ball im Kontermoment.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer