Nicht nur kleine Vereine haben Aufholbedarf was die Betreuung neuer Spieler angeht, auch die großen finanzkräftigen Klubs gehen manchmal grob fahrlässig mit ihren neuen... Relocation: Fühl' dich wie zu Hause (Teil 2)

Nicht nur kleine Vereine haben Aufholbedarf was die Betreuung neuer Spieler angeht, auch die großen finanzkräftigen Klubs gehen manchmal grob fahrlässig mit ihren neuen Investitionen um. Didier Drogba musste nach dem Training wochenlang eine neue Wohnung suchen und Nicolas Anelka hatte bei Real Madrid von Anfang an keine Chance.

Im Jahr 1999 wechselte der damals 20-jährige Nicolas Anelka von Arsenal London zu Real Madrid. Die Spanier zahlten eine Ablösesumme von 22,3 Millionen Pfund, hielten es jedoch nicht für notwendig den jungen Spieler zu begrüßen und seinen Mannschaftskollegen vorzustellen. Als Anelka zum ersten Training erschien musste er warten, bis alle Mitspieler einen Spind ausgewählt hatten, da ihm niemand sagte, welcher Platz noch frei sei. Seine Mannschaftskollegen grüßten ihn nicht, lediglich Eto´o und Geremi nahmen ihn zur Seite und teilten ihm mit, dass mehrere Spieler gegen seine Verpflichtung waren. Viele Real-Madrid-Kicker hatten nämlich die Befürchtung, dass Fernando Morientes, der ein sehr gutes Standing in der Mannschaft genoss, wegen Anelka aus der Startelf fliegen könnte. Gerade introvertierte Spieler wie Anelka, die weder große Sprachtalente sind, noch einfach mit anderen Menschen Kontakt knüpfen können, brauchen eine perfekte Betreuung von Vereinsseite, die keine Wünsche offen lässt.

ACHTUNG – IMMOBILIENHAI

Fünf Jahre nach dem Anelka-Transfer wechselte der damals 25-jährige Didier Drogba um 24 Millionen Pfund von Olympique Marseille zum FC Chelsea. Die Engländer hatten das große Glück, dass Didier Drogba viel selbständiger als Nicolas Anelka war, denn sonst wäre auch dieser Transfer zu einem Fiasko geworden. Der FC Chelsea quartierte den Nationalspieler der Elfenbeinküste in einem Hotel ein und gab ihm die Nummer von einem Immobilienmakler, der ihm eine Villa um 18 Millionen Dollar verkaufen wollte. Auch die anderen Objekte waren in derselben Preiskategorie, sodass Drogba nach dem Training auf eigene Faust eine Wohnung suchen musste. Auch bei der Schulauswahl für seinen Sohn Isaac war ihm der Verein keine Hilfe und es dauerte eine Zeit, bis die Familie Drogba eine passende Schule für den ältesten Sohn fand. Die ersten Wochen waren für den Mittelstürmer extrem turbulent und er konnte sich nicht zu hundert Prozent auf seinen Beruf konzentrieren. Die Teamkollegen William Gallas, Claude Makélélé und Geremi berichten allesamt von ähnlichen Erlebnissen und bestätigen, dass der große FC Chelsea in dieser Hinsicht enormen Aufholbedarf hat.

GIBT ES HIER KEINE RICE KRISPIES?

Der Engländer Luther Blissett landete in der Saison 1982/83 mit dem FC Watford auf dem zweiten Platz der englischen Meisterschaft und war mit seinen 27 Treffern maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt. Blissett, der auch der erste dunkelhäutige englische Nationalspieler war, wechselte um die damals beachtliche Ablösesumme von einer Million Dollar zum AC Milan. Der Engländer hatte jedoch große Anpassungsschwierigkeiten bei seinem neuen Verein und wurde bereits nach einer Saison um die Hälfte des Kaufpreises wieder zurück an Watford verkauft. Blissett sagte nachher in einem Interview, dass er in Italien nicht glücklich wurde, was auch daran lag, dass er seine geliebten Rice Krispies nirgends kaufen konnte. Hätte der AC Milan nur ein Promille des Kaufpreises in Rice Krispies investiert, dann hätte der Engländer jeden Tag ein Bad in den Cornflakes nehmen können – und da es im Leben oft auf die kleinen Dinge ankommt, hätte er dann wahrscheinlich auch öfter getroffen…

Im dritten und letzten Teil der Relocation-Serie schauen wir uns Vereine an, die ihre neuen Spieler nicht im Regen stehen lassen.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger

  • Escobar

    Sie lessen also auch gerade Soccernomics