Nicht nur Klubs, sondern auch die Auswahlmannschaften der Länder sind selbstverständlich in den sozialen Netzwerken aktiv. Dabei lassen sich zwar nicht die ganz großen... Könige der Likes und Follower: Social-Media-Analyse aller 211 Nationalteams (10/2016)
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Nicht nur Klubs, sondern auch die Auswahlmannschaften der Länder sind selbstverständlich in den sozialen Netzwerken aktiv. Dabei lassen sich zwar nicht die ganz großen Zahlen an Anhänger rekrutieren wie bei den Topklubs, nichtsdestotrotz haben einige Verbände eine beachtliche Reichweite. Von Kontinent zu Kontinent findet man allerdings teilweise erhebliche Unterschiede – sowohl bezogen auf die Anzahl als auch mit Blick darauf, welches Netzwerk führend ist.

Alle Daten stammen vom 1. Oktober 2016. Es wurden nur offizielle Mitgliedsländer der FIFA berücksichtigt. Dadurch fielen die Länder Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Saint-Martin und Sint Maarten (alle CONCACAF), Nördliche Marianen (AFC), Réunion und Sansibar (alle CAF), Kiribati, Niue und Tuvalu (alle OFC) aus der Analyse heraus, da sie nur assoziierte oder Vollmitglieder im jeweiligen Kontinentalverband sind. Insgesamt wurden somit 211 Mitgliedsverbände betrachtet. Dabei war die Zusammensetzung folgendermaßen:

UEFA (Europa) = 55
CAF (Afrika) = 54
AFC (Asien) = 46
CONCACAF (Nord- und Zentralamerika, Karibik) = 35
OFC (Ozeanien) = 11
CONMEBOL (Südamerika) = 10

Falls ein Verband mehrere offizielle Accounts betreibt, wurde sich auf den in der jeweiligen Landessprache beschränkt. Beim Vergleichen der Einwohnerzahlen mit den Likes und Followern zählte für Russland, die Türkei und Kasachstan nur der Teil, der in Europa liegt. Die Zahl in schwarz hinter der Anzahl steht für die Position des Facebook-Rankings im Verhältnis zur Position in der aktuellen FIFA-Weltrangliste vom 15. September 2016. Grün kennzeichnet die Stellung im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

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Trotz der in den letzten Jahren miserablen Leistungen bei den großen Turnieren führt England die Wertung an, was sich größtenteils durch die Sprache erklären lässt. Obwohl die spanische und französische Sprache deutlich verbreiteter ist, liegt Deutschland auf dem zweiten Platz. Dadurch könnte man folgern, dass in erster Linie die Einwohnerzahl des eigenen Landes zählt, bei der Deutschland klar vor Frankreich und Spanien liegt. Andererseits ist Portugal mit relativ wenigen Einwohnern schon an vierter Stelle. Da ist die Zahl in erster Linie wahrscheinlich durch den Europameistertitel bedingt, wobei die portugiesische Sprache auch weit verbreiteter ist als die deutsche Sprache. Ansonsten fällt noch die sehr gute Position von Griechenland im Verhältnis zur Weltrangliste auf, wobei die Hellenen nur in der letzten Qualifikation zur EM schlecht waren und davor regelmäßig an den großen Turnieren teilgenommen haben. Während die hohe Position von Kroatien im Vergleich zur Einwohnerzahl an den guten sportlichen Leistungen liegt, ist bei Schottland, Irland und Wales der Grund dagegen eher wie bei England der Sprachvorteil. Auffällig weiterhin das schlechte Abschneiden einiger großen Nationen wie Italien, Türkei und Russland, wobei in letzterem vkom.ru das führende soziale Netzwerk ist. Generell ist dies in vielen osteuropäischen beliebter als Facebook, weswegen beispielsweise auch die Ukraine und Weißrussland schlecht abschneiden. In der Türkei waren Twitter und Facebook in der Vergangenheit zeitweise von der Regierung gesperrt. Bei Island macht sich schon der erfolgreiche Auftritt an der Europameisterschaft bemerkbar.

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Die nicht vollständige Abdeckung einzelner Länder mit Internet bedingt natürlich, dass soziale Netzwerke in Afrika noch nicht eine so große Rolle spielen wie auf anderen Kontinenten. Dazu kommen Kriege und Hunger, sodass anderes wichtiger erscheint. Wenn man sich die afrikanischen Teilnehmer an den Weltmeisterschaften im Social-Media-Zeitalter in Erinnerung ruft (Ghana, Tunesien, Algerien, Elfenbeinküste und Nigeria) findet man diese auch hier auf den vorderen Plätzen. Sambia an der Spitze überrascht, hat es sich doch noch nie qualifizieren können. Ebenfalls die gute Platzierung des gerade einmal 524.000-Einwohner zählenden Landes Kap Verde überrascht, vor allem in Bezug auf die Einwohnerzahl. Dagegen muss der zehnte Platz des mit Abstand bevölkerungsreichsten Landes Nigeria fast schon als Enttäuschung bezeichnet werden. In Ägypten waren beide Netzwerke von der Regierung gesperrt, wobei sie generell während des Arabischen Frühlings eine wichtige Roll gespielt haben. Verglichen mit der Einwohnerzahl sehr schlecht im Ranking liegen die DR Kongo, der Sudan und Äthiopien. In diesen Ländern herrscht große Armut. Zieht man den Human Development Index (HDI) zurate, der als Wohlstandsindikator gilt und das Bruttonationaleinkommen pro Kopf, die Lebenserwartung und die Bildungsdauer berücksichtigt, sind diese Länder auf den Plätzen 186 (DR Kongo), 166 (Sudan) und 173 (Äthiopien) von insgesamt 189 zu finden. Auch die Zentralafrikanische Republik (185), der Tschad (184), Sierra Leone (183), Eritrea (182), Burkina Faso (181), Burundi (180), Guinea (179) und Dschibuti (170) schneiden nicht nur im Social-Media-Ranking schlecht ab. Manche Verbände haben noch nicht einmal eine eigene Website.

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Als allererstes muss China angesprochen werden. Aufgrund der Internetzensur gibt es dort mit Sina Weibo (chinesische Version von Twitter) und RenRen (chinesische Version von Facebook) landeseigene Alternativen. In Nordkorea haben nur einige tausend Privilegierte Zugang zu einer stark zensierten Version des Internets und damit stehen auch Facebook und Twitter nicht zur Verfügung. Im Iran hat die Regierung beide Netzwerke ebenfalls gesperrt. In Japan und Südkorea ist Facebook und Twitter natürlich zugänglich, jedoch sind dort die beliebtesten sozialen Netzwerke Line (Japan) und Kakao Talk (Südkorea). Indien ist trotz der schlechten sportlichen Leistung auf dem zweiten Platz, was sich aber durch die enorme Einwohnerzahl (1,2 Mrd.) erklären lässt. Trotzdem liegt dort noch enormes Potenzial, sodass Facebook schon versuchte, der Regierung kostenloses Internet anzubieten. Damit sollten jedoch nur einige Dienste zugänglich sein, weshalb die Regierung es aus Gründen der Netzneutralität schließlich ablehnte. Cricket ist dort wesentlich beliebter als Fußball. Im gleichen Maße ist dies in Pakistan so, sodass auch dieses Land ungeachtet seiner vielen Einwohner im Social-Media-Ranking schlecht dasteht. Indonesien platziert sich mit 240 Mio. Einwohnern ebenfalls schlecht, aber dort ist vor allem Badminton populär. Bangladesch, die Philippinen und Myanmar profitieren im Ranking von ihren hohen Einwohnerzahlen und nicht von der sportlichen Leistung. Bei Australien ist es umgekehrt. Auffällig ist die gute Platzierung des gerade einmal 6,3 Mio.-Einwohner-Landes Jordanien, fiel dieses doch in der Vergangenheit nicht durch große Erfolge auf. Gleiches gilt für den Oman mit seinen 3,1 Mio. Einwohnern. Bei Katar dürfte sich schon das Engagement rund um die bevorstehende Heim-WM bezahlt gemacht haben. Der sehr reiche und hochentwickelte Stadtstaat Singapur profitiert von der Verbreitung der englischen Sprache und nicht von den Leistungen seines Nationalteams. Abschließend bleibt festzuhalten, dass auch in diesem Kontinentalverband die regelmäßigen WM-Teilnehmer der letzten Turniere (Japan, Australien, Südkorea) auf den vorderen Plätzen zu finden sind.

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Wenig überraschend liegen die USA ganz klar vorne. Dann folgt aber schon die erste Überraschung, denn Costa Rica und Panama liegen vor dem größeren und regelmäßigen WM-Teilnehmer Mexiko im Facebook-Ranking. Costa Rica konnte sich bekanntlich für die letzten Weltmeisterschaften qualifizieren, aber Panama war noch nie bei einer WM und hat mit gerade einmal drei Millionen Einwohner auch nicht die ganz große Fanbasis. Zudem ist dort Baseball am beliebtesten. In Kanada dagegen ist Eishockey die Nationalsportart. Das Nationalteam im Fußball war in den letzten Jahren kein WM-Teilnehmer, sodass es noch hinter den Ländern Costa Rica und Panama liegt, wo Fußball beliebter ist. Ansonsten erzielen noch Honduras, Jamaika, El Salvador und Haiti erwähnenswerte Reichweiten. Der Rest sind vornehmlich kleine (Insel-)Staaten, deren Nationalteams in jeder WM-Qualifikation ohne echte Chance sind.

Kuba ist eines der am schlechtesten mit Internet versorgten Länder der Welt. Es ist entweder nicht verfügbar oder nur zu für die Bevölkerung extrem hohen Preisen. Dazu kommt, dass dort nur eine Minderheit Zugang zum freien Internet hat. Der Rest muss sich mit einem staatlich kontrollieren Intranet begnügen. Nach Lockerung des Embargos seitens der USA dürfte sich dort die Situation aber künftig bessern. Demzufolge hat das Nationalteam auch keine Präsenz in sozialen Netzwerken.

Ozeanien

Nach dem Wechsel von Australien zum asiatischen Kontinentalverband im Jahr 2005 dominiert Neuseeland unangefochten. Trotzdem ist die Anhängerzahl eher klein, weil Rugby Union im gesamten ozeanischen Raum als die Nationalsportart gilt. Dazu kommt, dass man keinen WM-Startplatz sicher hat, sondern immer in einem Playoff gegen einen Gegner aus einem anderen Kontinentalverband antreten muss. So schaffte man es bislang nur 1982 und 2010 zur WM. Die restlichen Mitglieder sind zu vernachlässigen – sowohl sportlich als auch im Social-Media-Ranking. Wie einige afrikanische Verbände haben auch hier einige noch nicht einmal eine eigene Website oder nur eine Baukasten-Website, die von mehreren Verbänden genutzt wird.

Suedam

Sportlich finden sich keine starken Abweichungen im Social-Media-Ranking. Betrachtet man die Einwohnerzahlen, sticht der sechste Platz der kleinsten Nation Uruguay heraus. Der zweimalige Weltmeister mit gerade einmal 3,4 Mio. Einwohnern bringt immer wieder großartige Fußballer heraus und ist permanent bei Weltmeisterschaften dabei. Venezuela rutscht beim Vergleichen mit den Einwohnerzahlen um vier Plätze ab, was aber durch die hohe Zahl an Anhängern bei Twitter kompensiert werden kann. Chile durfte sicherlich enorm von den beiden Copa-América-Titeln 2015 und 2016 profitiert haben. Einzig die gute Position von Peru überrascht ein wenig, waren doch im Social-Media-Zeitalter die WM-Teilnehmer Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Chile, Uruguay, Ecuador und Paraguay.

Conclusio

Generell lässt sich festhalten, dass die Nationen, die sich im Social-Media-Zeitalter regelmäßig für Weltmeisterschaften qualifizieren konnten, auch davon in Form von Likes und Followern profitieren. Dazu kommen dann noch lokale Besonderheiten wie die Nutzung von anderen Netzwerken wie in Asien, der Sprachvorteil einiger Nationen in Europa (England, Schottland, Wales und Irland), die Internetzensur (China, Iran, Nordkorea) und der erschwerte Zugang zum Internet (teilweise Asien und Afrika).

Konti_Vergleich

Es ist natürlich Europa, wo der Fußball seine Wurzeln hat, wo er am beliebtesten ist und wo alle einmal spielen wollen, deshalb führt es auch in Facebook-Ranking. Bei Twitter liegt allerdings Südamerika vorne. Auffällig, dass Afrika der einzige Kontinent ist, auf dem mehr Leute den Nationalverbänden auf Twitter folgen als auf Facebook. Während Asien bei Facebook vor Nord- und Zentralamerika, Karibik liegt, ist es beim Twitter umgekehrt. Dort haben letztere Kontinentalverbände sogar mehr als doppelt so viele Follower wie in Asien. Einmal mehr ein Zeichen dafür, dass dort andere Netzwerke wichtig sind und ein großer Markt für Facebook und Twitter brachliegt (China). Dies wird auch vor dem Hintergrund deutlich, dass mit Abstand am meisten Menschen in Asien leben. In Afrika, dem zweitmeisten bevölkerten Kontinent, ist der schlechte Ausbau des Internets der Grund für die wenigen Follower und Likes. In Südamerika lassen sich die hohen Zahlen durch die enorme Popularität des Fußballs dort erklären.

Top20FacebookTop20Twitter

Wie schon beim Kontinentalvergleich zeigt sich, dass in spanischsprachigen Ländern mehr Leute auf Twitter den Nationalverbänden folgen als auf Facebook. So sind mit Kolumbien, Argentinien, Spanien, Peru, Mexiko, Venezuela, Uruguay, Ecuador und Honduras neun Verbände in den Top 20, wohingegen es bei Facebook nur sechs sind. Eine Dominanz Europas lässt sich nur etwas bei Twitter feststellen. So kommen in den Top 20 bei Twitter acht Verbände aus Europa, bei Facebook sind es sechs. Afrika ist in beiden Top 20 nur mit Algerien bei Twitter vertreten. Zumindest in der Top 20 von Twitter ist nur ein Vertreter aus Asien, was nochmal unterstreicht, dass dort andere Netzwerke wichtiger sind. Auf den ersten Blick nicht in den Top 20 erwartet hätte man sicherlich Polen, Peru, Costa Rica, Afghanistan, die Philippinen, Honduras und Jordanien, was größtenteils durch die Einwohnerzahl bedingt ist. Generell ist der Eindruck, dass sich sportliche Situation in den Top 20 von Twitter eher widerspiegelt, wohingegen bei Facebook die Einwohnerzahlen das Ranking stärker bestimmen. Wirklich in das Auge sticht das Fehlen des viermaligen Weltmeisters Italien. Aufgrund der niedrigen Einwohnerzahlen muss zudem das Vorhandensein von Uruguay und Costa Rica in den Top 20 abermals besonders erwähnt werden. Diese beiden Länder leisten sportlich wirklich Enormes. Ähnliches gilt für Portugal, wenngleich die Einwohnerzahl etwas höher ist. Der Europameistertitel dürfte für die Anzahl an Followern und Likes außerdem nicht abträglich gewesen sein.

Zusammenfassend sind die Zahlen der Topnationen verglichen mit denen der absoluten Topklubs gering. Klubfußball ist immer noch führend im Weltfußball.

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Christoph Trompeter