Red Bull Salzburg im CL-Playoff: Zwei Tore nach Standards entscheiden einseitige Partie gegen Qarabag
Champions League 7.August.2014 Alexander Semeliker 0
Red Bull Salzburg ist dem großen Traum von der Gruppenphase der UEFA Champions League einen Schritt näher gekommen. Am Mittwoch setzte sich der amtierende österreichische Meister gegen Qarabag Agdam aus Aserbaidschan mit 2:0 durch und steht nun im Playoff. Die Tore für die überlegenen Gastgeber erzielte Martin Hinteregger jeweils im Anschluss an einen ruhenden Ball. Ansonsten taten sie sich vor allem in der ersten Halbzeit schwer.
Die 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel war zwar keine übermäßig schlechte, aber durchaus gefährliche Ausgangslage. In Baku hatten die Bullen das Spielgeschehen weitestgehend in Griff, scheiterte aber einerseits an einer schwachen eigenen Chancenauswertung und wurde von der Effektivität Qarabags kalt erwischt. Auch in Red Bull Arena ließ Salzburg die eine oder andere Chance liegen, siegte letztlich aber dank zweier Tore nach ruhenden Bällen.
Salzburg in Bestbesetzung
Nachdem Trainer Adi Hütter vergangenes Wochenende in der Meisterschaft einige Spieler schonte setzte der 44-Jährige weitestgehend auf das Personal, das in der letzten Saison hauptverantwortlich für das Double war. Im Sturm kehrte Alan nach seiner Sperre zurück und sorgte für mehr Präsenz im Angriffszentrum, war aber im Abschluss sehr ineffektiv. Im Hinspiel war Jonathan Soriano weitestgehend auf sich alleine gestellt.
Ebenfalls neu im Team verglichen mit dem 1:2 aus der Vorwoche war Stefan Ilsanker, der im defensiven Mittelfeld einmal mehr ein sehr wichtiger Stabilisator war, sowie Rechtsverteidiger Peter Ankersen. Der Däne ersetzte den gesperrten Christian Schwegler, agierte sehr offensiv. Ansonsten war das Positionsspiel der Gastgeber nicht so extrem wie dies in den ersten Bundesligaspielen der Fall war.
Qarabag im defensiven 5-4-1
Auch die Gäste aus Aserbaidschan mussten Spieler vorgeben, unter anderem Angreifer Reynaldo, einer der besten Akteure aus dem Hinspiel. In Salzburg war Qarabag sehr defensiv eingestellt, agierte in einer 5-4-1-Grundformation, wobei sich der Stürmer sehr weit vor dem tiefen, passiven Defensivblock positionierte. In diesem verschoben die Gäste sehr kompakt und nahmen so gut das Tempo aus dem Spiel.
Hier sieht man die Aufteilung bei Salzburger Ballbesitz. Der Zwischenlinien war zuweilen zwar weit geöffnet, bei Pässen in diesen zogen sich die beiden Ketten aber sehr schnell zusammen. Die Folgen waren dann entweder eine Balleroberung oder ein Rückpass der Salzburger auf die beiden Sechser. So konnte das Spiel in der ersten Halbzeit kaum die für das Salzburger Gegenpressing so wichtige Dynamik aufnehmen.
Kampl als freier Antreiber
Die einzigen Überraschungsmomente gingen auf die klugen und vielseitigen Bewegungen von Kevin Kampl zurück. In der obigen Szene ist der Slowene beispielsweise zwischen die Linien eingerückt. Dadurch stellte er gemeinsam mit den Stürmern eine Gleichzahlsituation gegen die Innenverteidiger her. Dies war für den Gegner insofern ungemütlich, weil die Salzburger über eine sehr hohe individuelle Klasse verfügen und in direkten Duellen Vorteile hatten. Deshalb orientierte sich immer wieder ein weiterer Qarabag-Akteur mit Kampl mit. Aufgrund der Flexibilität des Salzburgers war es aber nicht immer der gleiche.
In der obigen Szene orientierten sich beispielsweise sowohl die Sechser als auch der linke Außenverteidiger zur Mitte, was den Salzburg-Sechsern und Ankersen Räume ermöglichte. Der Däne zeigte den einen oder anderen interessanten Sprint in die Tiefe, seine Kollegen fokussierten sich jedoch meist auf Durchbrüche über links, wo man mit Sadio Mane einen herausragenden Individualisten hatte
Neben den Überladungen zwischen den Linien sah man bei Kampl aber auch Bewegungen in andere Richtung. Vereinzelt ging er sogar auf die linke Seite und überlud diese. Andere Male ließ er sich zu den Sechser fallen um dann mit Vertikaldribblings und –läufen nach Kombination das Spiel schnell zu machen. In den wenigsten Fällen konnten die Aserbaidschaner den 23-Jährigen kontrollieren oder isolieren.
Stabilitätsfokus gegen Konter
Im Spiel gegen den Ball fehlte den Salzburger zunächst der Zugriff in den hohen Zonen, obwohl sie durchaus hoch pressten. Qarabag nahm im Aufbauspiel und nach Ballgewinnen selten großes Risiko, was jedoch nicht heißt, dass sie den Ball ständig hoch nach vorne schlugen. Vielmehr blieben die Flügelverteidiger eher tief und waren wichtige Anspielstationen für Verlagerungen. Zudem gab es neben den Innenverteidigern auch stets mindestens einen Sechser, der sich fallen ließ. Dies war ebenfalls ein Grund dafür, dass das Gegenpressing zunächst kaum Wirkung zeigte.
Ein anderer Grund war die etwas vorsichtiger angelegte Spielanlage der Bullen, die sich dahingehend äußerte, dass die Salzburger Innenverteidiger etwas tiefer standen als gewohnt. So klaffte zwar ein Loch zum Mittelfeld und Qarabag kam das eine oder andere Mal schnell durchs zweite Drittel, aufgrund der individuellen Klasse von Hinteregger und Andre Ramalho bzw. der Überzahl blieben die Konter ohne große Wirkung. Grund für diesen Stabilitätsfokus könnte die Tatsache sein, dass man im Hinspiel auf die Tempogegenstöße durchaus anfällig war.
Mehr Zugriff nach Führung und volle Kontrolle in Halbzeit zwei
Nach der Führung, aber insbesondere nach dem zweiten Tor bekamen die Salzburger dann mehr Zugriff gegen den Ball. Qarabag musste mehr Risiko nehmen und spielte auch häufiger durch die Mitte nach vorne, wo die Sechser der Bullen aber sehr gut standen. Zuvor wurden sie meist mit Diagonalpässen aus der Abwehr überspielt. Auch das Gegenpressing klappte aus diesen Gründen fortan besser. So wurde das Spiel zusehends schneller und die Spieler Qarabags offenbar deutlich schneller müde als die Salzburger. In der zweiten Hälfte kontrollierten diese das Spiel dann nach Belieben und hatten, vor allem nach individuell starken Aktionen, Chancen auf noch mehr Tore.
Alexander Semeliker, abseits.at
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Alexander Semeliker
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