Im ersten Halbfinale dieser Europameisterschaft trifft der große Favorit Spanien auf die Portugiesen, die eindeutig die Außenseiterrolle bekleiden. Trotzdem hoffen die Menschen in Portugal... Eusebio, Luis Figo, Cristiano Ronaldo – die unerfüllte Sehnsucht Portugals nach einem  großen Titel

Im ersten Halbfinale dieser Europameisterschaft trifft der große Favorit Spanien auf die Portugiesen, die eindeutig die Außenseiterrolle bekleiden. Trotzdem hoffen die Menschen in Portugal darauf, dass gegen alle Wahrscheinlichkeit ein Sieg gegen den großen Bruder herausspringt und somit der nächste Schritt auf dem Weg zur Beendigung eines Traumas getan wird. Viele große Spieler Portugals sind bisher bei dem Versuch gescheitert, einen großen Titel nach Hause zu holen. Ein Rückblick.

Eusebio bei der WM 1966

Eusebio da Silva Ferreira war der erste große Superstar des kleinen Landes. Mit Benfica Lissabon schaffte es der aus der ehemaligen Kolonie Mosambik stammende Stürmer in den 60er-Jahren zwei Triumphe im Europapokal der Landesmeister zu feiern. Dementsprechend war die portugiesische Mannschaft dank ihres Superstars einer der Geheimfavoriten bei dieser Weltmeisterschaft in England.

Obwohl Portugal noch nie bei einem großen Turnier teilgenommen hatte, machten sie in der Gruppenphase mit tollem Offensivfußball auf sich aufmerksam und ließen dabei sogar überraschend Titelverteidiger Brasilien hinter sich.

Im ersten Gruppenspiel besiegte Portugal die starken Ungarn dank Toren von Augusto (2) und Torres mit 3:1. Gegen Außenseiter Bulgarien traf dann auch Eusebio, neben Torres und einem Eigentor von Vutsov, zum ersten Mal, so dass die Portugiesen dieses Spiel souverän mit 3:0 für sich entschieden. In der letzten Gruppenpaarung traf man auf die ehemalige Kolonie Brasilien. Aufgrund zweier Tore von Eusebio und einem Treffer von Simoes siegten die Iberer mit 3:1.

Im Viertelfinale musste Eusebio und seine Mannschaft gegen das Überraschungsteam aus Nordkorea antreten. Auf dem Papier eine klare Angelegenheit. Doch nach einer Minute stand es schon 1:0 und nach 25 Minuten bereits 3:0 für Nordkorea! Doch dann schlug die Stunde von Eusebio: Zwischen der 27. und 59. Minute traf der Superstar vier Mal und drehte so das Spiel im Alleingang. Das Tor von Augusto zum 5:3 Endstand, bereite Eusebio zusätzlich vor. Portugal stand bei seiner ersten WM-Teilnahme gleich im Halbfinale.

Gastgeber und Favorit England wartete dort auf die „Selecao“. Eusebio und seine Kollegen hielten zwar tapfer dagegen, hatten aber gegen die „Three Lions“ um Bobby Charlton keine wirkliche Chance. Eben jener Charlton traf in der 30. und 79. Minute zur 2:0-Führung. Eusebio machte es dank eines Elfmeters in der 82. Minute nochmals spannend, konnte dem Spiel aber keine Wendung mehr geben.

Im Spiel um Platz drei siegten die Portugiesen zwar mit 2:1 (Eusebio, Torres), jedoch war der Traum vom Weltmeistertitel ausgeträumt, obwohl Eusebio neun Treffer erzielte und damit Torschützenkönig wurde.

 

Der goldenen Generation bleibt die Krönung versagt – Luis Figo bei der EM 2000

Mit Rui Costa, Joao Pinto, Paulo Sousa, Fernando Couto, Vitor Baia und eben Luis Figo verfügte Portugal über eine großartige Mannschaft, die zu Recht als einer der Mitfavoriten galt. Der „goldenen Generation“ befand sich auf dem besten Weg zu ihrer Krönung.

Zunächst einmal musste man aber die wohl schwierigste Gruppe mit England, Rumänien und Deutschland überstehen. Gleich im ersten Spiel ging es gegen England. Alles sah schon nach einem klassischen Fehlstart aus, als Paul Scholes und Steve McManaman die Briten früh mit 2:0 in Front brachten. Doch innerhalb von nur zehn Minuten nach dem zweiten Tor der Engländer, gelang Portugal durch Luis Figo und Joao Pinto der Ausgleich. Nuno Gomes besorgte dann in der 59. Minute den 3:2-Endstand. In einem extrem zähen zweiten Gruppenspiel gegen Rumänien erzielte Costinha erst in der vierten Minute der Nachspielzeit das erlösende 1:0. Im letzten Gruppenspiel trat die „Selecao“, im Wissen des sicheren Weiterkommens, mit einer besseren B-Elf gegen Deutschland an. Trotzdem siegte man souverän mit 3:0, wobei Sergio Conceicao alle Treffer markierte. Mit der optimalen Punktzahl von neun Punkten stand Portugal als Gruppensieger im Viertelfinale.

Das Spiel gegen die Türkei im Viertelfinale, entwickelte sich zu einer hart umkämpften Partie. Erst nach der roten Karte für Alpay in der 29. Minute und einem verschossenen Elfmeter von Arif Erdem, konnte sich Portugal aus der defensiven Umklammerung der Türken befreien. In der zweiten Halbzeit erzielte Nuno Gomes zwei Treffer. Portugal stand im Halbfinale.

Gegen Frankreich war man während der gesamten Spielzeit das klar bessere Team. Vollkommen verdient gingen Figo und Co. dann auch in der 19. Minute durch Nuno Gomes in Führung. Auch der Ausgleich von Thierry Henry brachte Portugal nicht aus der Fassung. Jedoch konnten sie die Überlegenheit einfach nicht in etwas Zählbares verwandeln, sodass das Spiel in die Verlängerung musste. Abwehrrecke Abel Xavier hatte hier die Riesenchance zum verdienten Golden-Goal-Treffer, konnte diese aber nicht nutzen. Zu allem Überfluss verursachte der Paradiesvogel dann auch den spielentscheidenden Elfmeter, den Zinedine Zidane souverän verwandelte. Luis Figo und Portugal waren damit gescheitert.

Trotz Heimvorteil, kein Triumph – Cristiano Ronaldo und Luis Figo bei der EM 2004

Bei der EM im eigenen Land galten die Portugiesen um ihre Superstars Cristiano Ronaldo und Luis Figo mal wieder als einer der absoluten Favoriten. Bei seinem ersten großen Turnier lagen die Hoffnungen besonders auf dem Jahrhunderttalent Ronaldo. Er sollte die „Seleccao“ zusammen mit Volksheld Figo zum ersten Titel führen.

Der Start in das Turnier war jedoch schon mal alles andere als optimal. Im Eröffnungsspiel unterlag Portugal dem krassen Außenseiter Griechenland mit 1:2 (Ronaldo). Im nächsten Spiel stand der Gastgeber bereits unter extremem Druck. Mit einem 2:0 gegen Russland war man aber nun, dank Toren von Maniche und Rui Costa, endlich bei der EM angekommen. Im „Bruderduell“ gegen Spanien markierte Nuno Gomes das einzige Tor und sorgte so für das Weiterkommen –  letztendlich sogar als Gruppensieger.

Im Viertelfinale war mal wieder England der Gegner. Dies war gleichzeitig das Aufeinandertreffen der beiden neuen Superstars Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney. In Führung ging England aber durch ein ehemaliges Supertalent: Micheal Owen erzielte bereits in der 3. Minute das 1:0. Erst in der 83. Minute und nach einer extrem hart umkämpften Partie kam Portugal durch Helder Postiga zum Ausgleich. Englands Shootingstar Rooney war da bereits nicht mehr auf dem Platz, da er sich tragischerweise den Fuß brach. In der 89. Minute wurde den „Three Lions“ ein reguläres Tor von Sol Campbell aberkannt, was Schiedsrichter Urs Meier in die Schusslinie der englischen Fans rückte. In der Verlängerung kam Portugal durch Rui Costa zum 2:1. Frank Lampard erzielte aber nur fünf Minuten später den Ausgleich und so musste das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen. Gleich den ersten Elfer drosch David Beckham weit über das Tor. Auch Rui Costa versagten später die Nerven. Beim Stande von 5:5 trat Darius Vassell an und scheiterte an Ricardo, der das Ende des Elfmeterschießens ohne Handschuhe bestritt. Eben jener Ricardo traf dann zum entscheidenden 6:5.

Nach diesem dramatischen Match traf Portugal im Halbfinale nun auf die Niederlande, die bis dato kein wirklich überzeugendes Turnier spielten. In der 26. Minute köpfte Ronaldo nach Deco-Flanke das 1:0. Maniche erzielte in der 58. Minute dann das 2:0. Kurzes Zittern kam nochmals nach einem Eigentor von Jose Andrade fünf Minuten später auf. Doch letztendlich zog der Gastgeber verdient in das Finale ein.

Dort wartete mit Griechenland ein alter Bekannter aus der Gruppenphase –und der klare Außenseiter. Ganz Portugal glaubte, das Ergebnis des Eröffnungsspiels sei einer gewissen Überheblichkeit und Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit der Griechen geschuldet gewesen. Das würde im Finale nun nicht mehr passieren und man würde klar gewinnen. In der grauen Theorie hörte sich diese Annahme recht plausibel an. Doch schafften es die Portugiesen nicht, den hellenischen Beton zu zerschlagen und so geschah das, was geschehen musste: Ein Eckball für die Griechen – 1:0 durch Charisteas! Die Griechen brachten das Ergebnis über die Zeit und Portugal war mal wieder gescheitert.

Ral, abseits.at

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