In dieser Serie sollen die legendären EM-Momente ausgewählter Teilnehmermannschaften betrachtet werden. Wer waren die großen Spieler? Was waren die entscheidenden Momente? Was die großen... Legendäre EM-Teams | Die Krönung der Generation Platini bei der EURO 1984

In dieser Serie sollen die legendären EM-Momente ausgewählter Teilnehmermannschaften betrachtet werden. Wer waren die großen Spieler? Was waren die entscheidenden Momente? Was die großen Rückschläge? Diesmal ist der zweimalige Europameister Frankreich dran.

EM 1984 in Frankreich – Die Krönung der Generation Platini

Am Ende dieser zwei Juni-Wochen konnte es eigentlich von vorne herein nur einen Sieger geben. Gastgeber Frankreich war bei der WM 1982 extrem unglücklich im Halbfinale gescheitert und startete als großer Favorit ins das Turnier. Die Mannschaft um das großartige Mittelfeld-Quartett Jean Tigana, Alain Giresse, Luis Fernandez und dem allesüberstrahlenden Superstar Michel Platini stellten damals auf dem europäischen Kontinent eine absolute Klasse für sich da. Diese vier Spieler vereinten alles, was es für ein Weltklassemittelfeld braucht. Auf der einen Seite Tigana, den unermüdlichen Kämpfer und Antreiber, dann Giresse den niemals aufgebenden Dribbelkünstler, der mit glänzender Übersicht ausgestattete  Stratege Fernandez und der Kopf und Kapitän der Mannschaft, Michel Platini. Ein klassischer Zehner, der überragende Pässe spielen konnte und bei diesem Turnier den bis heutige gültigen Torjägerrekord mit neun erzielten Treffern aufstellte.  Der Kader von Trainer-Legende Michel Hidalgo bestand, wie zu dieser Zeit üblich, fast nur aus einheimischen Profis. Einzige Ausnahme Michel Platini, der sein Geld in Italien bei Juventus Turin verdiente.

Trotz aller Vorschusslorbeeren gestaltete sich das Auftaktspiel gegen Dänemark als sehr mühsam. Die frech aufspielenden Dänen hielten lange dagegen, bis natürlich Platini die „Grande Nation“ in der 78. Minute mit dem 1:0 erlöste, was auch gleichzeitig den Endstand bedeutete. Nach diesem Stotterstart konnte sich die „equipe tricolore“ jedoch schon im nächsten Spiel gegen Belgien rehabilitieren. Durch Tore von Platini (3), Giresse und Fernandez gewannen die Franzosen souverän mit 5:0 und qualifizierten sich so vorzeitig für das Halbfinale. Am Ende stand nach dem 3:2-Sieg gegen Jugoslawien im letzten Gruppenspiel (Platini schoss wiedermal alle Tore) die überrangende Bilanz von 6:0 Punkten, sowie 9:2 Toren.

Im Halbfinale trafen die Franzosen auf Portugal, die in ihrer Gruppe Deutschland hinter sich ließen. Das vollgepackte Stade Vélodrome in Marseille wurde Zeuge eines echten Krimis. Frankreichs Verteidiger Jean-Francois Domerque brachte die Franzosen in der 24. Minute mit 1:0 in Führung, ehe Portugals Rui Jordao in der 74. Minute ausgleichen konnte. Das Spiel musste in der Verlängerung entschieden werden. Zum großen Entsetzen der Franzosen und ihren Fans ging Portugal durch einen Konter in der 98. Minute abermals durch Jordao in Führung. Nach einer kurzzeitigen Schockstarre gelang der Mannschaft von Michel Hidalgo aber durch, wen auch sonst, Michel Platini in der 114. Minute der Ausgleich. Als dann Domerque in der 119. Minute zum zweiten Mal einnetzte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Frankreich stand im Finale!

Dort traf man auf am 27.6. im Pariser Prinzenpark auf Spanien, das sich nur mit viel Mühe im Halbfinale gegen die Dänen im Elfmeterschießen durchsetzen konnte. Für Luis Fernandez ein ganz besonderes Spiel, ist er doch gebürtiger Spanier. Überraschenderweise begannen die ansonsten eher defensiv spielenden Spanier um ihren Abwehrstar Jose Antonio Camacho sehr Angriffslustig. In der ersten Halbzeit waren die Iberer klar überlegen, konnte doch Camacho Platini weites gehend aus dem Spiel nehmen. In der 57. Minute war der Superstar dieser EM jedoch zur Stelle: Spaniens Keeper Arconada flutschte ein eher harmloser Freistoß von Platini durch die Finger und der Ball kroch förmlich über die Linie. Als hätte man in ein Wespennest gestochen, wurden die Spanier nun erst recht wütend und starteten Angriff um Angriff auf das französische Tor. Die Abwehr um Maxime Bossis und Patrick Battiston hielt stand, obwohl in der 86. Minute Abwehrspieler Yvon la Roux mit Gelb-Rot vom Platz musste. In der Nachspielzeit erlöste Stürmer Bruno Bellone die Franzosen mit dem 2:0. Frankreich war zum ersten Mal Europameister.

Ral, abseits.at

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