U21-Europameisterschaft in Dänemark, Juni 2011: Die ukrainische Auswahl spielt eine grottenschlechte Partie gegen Tschechien. Die Hoffnungen ruhen auf Andriy Yarmolenko und Artem Milevskiy, die... Der Messi aus Kirovograd: Evgen Konoplyanka auf dem Weg zum internationalen Star

U21-Europameisterschaft in Dänemark, Juni 2011: Die ukrainische Auswahl spielt eine grottenschlechte Partie gegen Tschechien. Die Hoffnungen ruhen auf Andriy Yarmolenko und Artem Milevskiy, die bereits wie am Fließband bei ihren Klubs trafen. Gerade die beiden Stars der U21-Auswahl sind an diesem Tag jedoch die schwächsten Spieler auf dem Rasen. Die Ukraine verliert mit 1:2 und ein Spieler sticht nicht nur an diesem Tag besonders heraus – Evgen Konoplyanka.

Drei Länderspiele für die A-Nationalmannschaft hat der damals 20-Jährige bereits auf dem Buckel. Nach seiner ersten Halbsaison als Stammspieler bei Dnipro Dnepropetrovsk ist er in der Ukraine kein völlig Unbekannter mehr. Aber seine Leistungen und vor allem sein hohes Maß an Eigeninitiative, der Wille „das Heft in die Hand zu nehmen“, lassen Scouts aus ganz Europa aufhorchen. Der Arbeitgeber aus Dnipro spielte natürlich nicht mit, ließ das Zungeschnalzen der Beobachter verstummen, indem er den Vertrag mit dem Jungstar bis 2013 verlängerte. Allerspätestens im nächsten Sommer geht es für den jungen Flügelspieler aus Kirovograd also zu einem größeren Klub.

Unglaubliche Ballbehandlung

Die Anlagen für eine Karriere bei einem Topverein bringt der beidbeinige, 176cm große Konoplyanka mit. Eigentlich ist der 22-Jährige im linken Mittelfeld von Dnipro und im Nationalteam gesetzt, jedoch weicht er immer wieder auf die rechte Seite oder in die Zentrale aus, wo er mit guten Leistungen bereits des Öfteren seine große Flexibilität bewies. Kaum zu stoppen ist der Offensivakteur jedoch wenn er am linken Flügel den Ball bekommt. Enge Ballführung, schnelle Tempowechsel, eine äußerst dreidimensionale Auffassung seiner Laufwege mit dem runden Leder am Fuß. Den schmächtigen Wirbelwind vom Ball zu trennen, ist für die Gegenspieler des Ukrainers keine leichte Aufgabe. Manche Bewegungen erinnern an die größten Trickser der Welt – in der Ukraine wird er bereits längst zu einem solchen hochstilisiert.

Technisch perfekt – und effizient!

Aber die Spielweise des Evgen Konoplyanka ist keine brotlose Kunst, denn auch der Scoresheet des jungen Ukrainers kann sich sehen lassen. Die Abläufe sind dieselben, wie bei vielen anderen, technisch versierten Mittelfeldspielern. Der Ball liegt eng am Fuß, es folgen eine Körpertäuschung und einige schnelle Schritte, um den Gegenspieler hinter sich zu lassen. Doch wo andere für die TV-Kameras spielen und sich am Ende verzetteln, verlagert sich der 22-Jährige gemäß ukrainischer Tugenden auf den Endzweck: Alleine in der vergangenen Saison 2011/12 erzielte Konoplyanka 12 Pflichtspieltore und steuerte 9 Assists bei.  In der Saison davor waren es 8 Tore und 4 Assists.

Viele Wege führen nach Rom

Ein interessanter Aspekt an der Spielweise Konoplyankas: Die Wege in Richtung Tor, für die er sich entscheidet, sind äußerst ausgewogen. Er kann mit schnellen Schritten zur Mitte ziehen und abschließen, wie es Arjen Robben macht – er kann jedoch auch den Weg zur Grundlinie suchen oder seinen Gegenspieler mit einem völlig überraschenden „Gurkerl“ umspielen. Was Konoplyanka macht, merkt der Gegenspieler zumeist erst, wenn es bereits zu spät ist – und versetzt den Zuschauer damit ins Staunen. Der Vorteil des kleinen Ukrainers ist dabei auch seine Beidbeinigkeit beim Schießen und Flanken, wobei er seinen rechten Fuß häufiger einsetzt, als den linken.

Der letzte Schliff zur EM

Natürlich hat der Mittelfeldspieler aber noch Entwicklungspotential und so sind es etwa seine defensiven Fähigkeiten (bzw. vor allem defensive Sicherheit) und ein etwas präziseres Kurzpassspiel im Dreieck, an denen der Dnipro-Spieler noch feilen muss. Allerdings fehlt Konoplyanka tatsächlich nur noch ein wenig Feinschliff, um bereit für die großen europäischen Ligen zu sein. Die große Bühne der Europameisterschaft könnte diesem äußerst interessanten Spieler mit Potential zum „EM Shooting Star“ diesen Schliff geben.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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