„Der Erdkugel draht sie net um an Krankl, sondern um die Sonne!“, hat Gustl Starek anlässlich einer Zwistigkeit mit Goleador Johann K. treffend festgestellt.... Anekdote zum Sonntag (106) –  „Spielmacher“ bin ich, „Spielmacher“ bleib‘ ich

„Der Erdkugel draht sie net um an Krankl, sondern um die Sonne!“, hat Gustl Starek anlässlich einer Zwistigkeit mit Goleador Johann K. treffend festgestellt. Der Streit der beiden Wiener stellt eine legendäre Episode der österreichischen Sportgeschichte dar. Stein des Anstoßes war eine Kritik des Neo-Rapid-Trainers Starek am Ex-Rapid-Trainer Krankl. Der Konflikt gipfelte in einem Telefonanruf des ehemaligen Barca-Legionärs live in der ORF-Sendung „Sportarena“, wo die legendäre Nummer 9 Starek zum Gaudium des Publikums vorwarf „unter einem Krankl-Trauma, unter einem Syndrom [zu leiden].“ Letztendlich blieb Starek der sportlich-glücklichere am Ende der Saison 92/93, doch auch er musste – wie sein Kontrahent Krankl in Mödling – nach dieser Spielzeit die Koffer packen. Starek hatte sich nicht nur mit dem Goleador, sondern auch mit dem damaligen Hütteldorfer Funktionär Skender Fani angelegt und zog den Kürzeren.

Das Fußballspielen erlernte die Rotzpipn Starek als Bub im Pariser Viertel des 11. Wiener Gemeindebezirks. Mehr als einmal gingen dem „schwarzen Gustl“ schon als Bursche die Sicherungen durch: „Ich dachte, ich kann mit meiner Art die anderen mitreißen. Oft ist das gelungen. Aber in Wahrheit war ich ein Häferl. Zum Genieren.“, erklärte der damals 70-jährige Ex-Kicker 2015 im Interview mit dem Standard. Zahlreiche Platzverweise waren die Quittung für sein Temperament und auch mit seinem Hintern machten viele österreichische Fußballfans der 70er näher Bekanntschaft als ihnen lieb war. Eigentlich schade, denn sportlich war der gebürtige Simmeringer ebenfalls eine Ausnahmeerscheinung: Er begann in seinem Heimatbezirk mit dem Vereinsfußball, ehe er als österreichischer Meister von Rapid nach Süddeutschland wechselte. Dort holte er in seiner ersten Saison mit Nürnberg die Schale und ging postwendend zu den Roten aus München. Stürmer Starek – „Ich hatte ein Näschen“ – wurde mit dem FCB Double-Sieger, doch dann verließ ihn das Glück Schlag auf Schlag: Im ersten Meisterschaftsspiel der neuen Saison riss sich der streitlustige Angreifer das Kreuzband. Gustl biss auf die Zähne, spielte tatsächlich durch und wurde auch noch in den nächsten Matches eingesetzt. Dann war der Ofen aus. Die Knieverletzung mit Meniskusschaden kam damals einem Karriereende gleich. Gustl wollte das nicht wahrhaben.

Im Jahrestakt wechselte er nun die Klubs: Es ging zurück nach Hütteldorf, dann wieder zu Nürnberg, zum LASK, zum Sportklub und zur Vienna. Seine volle Leistung abzurufen gelang ihm aber nicht mehr. „Ich habe mich ständig mit dem Ball befasst, wollte immer im Zentrum sein und alles im Blick haben. Das Mittelfeld war meine Position, immer mit der Ausrichtung auf das Toreschießen oder -auflegen.“, beschrieb er seine Ballverliebtheit einst. Gustls Erfahrung und sein Einsatzwille „retteten“ ihn über die meisten Spiele nach der folgenschweren Blessur ‘69. Freiwillig zurückgesteckt hätte der Wiener nämlich niemals. Als er für den Sportklub kickte, spielte Alexander Elstner, Sohn der ORF-Reportlegende Peter Elstner, in der dortigen U-21. Als Xandi bei Testspielen der Kampfmannschaft hinter Starek eingesetzt wurde, machte ihm der Ex-Rapidler rasch klar, wer hier der Chef am Platz sei: „Burschi, du waaßt eh: Jeder Ball, jede Kombination wird über mi gspüt! Kloa?“ Elstner junior nickte und musste innerlich schmunzeln. Vielleicht haben Starek und Krankl doch mehr gemeinsam, als sie trennt. Aber zur Erinnerung: Die Erdkugel, Herr Starek, dreht sich immer noch um die Sonne!

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag