Andi Reisinger war viele Jahre lang Trainer der Rapid-Amateure. Der Wiener begann seine aktive Karriere beim Sportclub ehe er für zwei Jahre zu den... Anekdote zum Sonntag (114) – Trophäe auf Ski

Andi Reisinger war viele Jahre lang Trainer der Rapid-Amateure. Der Wiener begann seine aktive Karriere beim Sportclub ehe er für zwei Jahre zu den Hütteldorfern wechselte. Mit Casino Salzburg wurde er österreichischer Meister, danach spielte der Mittelfeldspieler noch für Zeiselmauer, den FAC, St. Pölten, den SC Triester und Krems.

Zehnmal zog er sich das Trikot des Nationalteams über, zu den großen Legenden der Bundesligageschichte gehört „Reisi“ allerdings nicht. In seiner Glanzzeit feierte Andi einen persönlich großen Erfolg als er 1990 zum „Besten Spieler“ des Wiener Hallenturniers gewählt wurde. Doch das war ihm nicht genug: Er wollte unbedingt auch Torschützenkönig in der Halle werden. Jahrzehnte zuvor hatte sich Herbert Prohaska – der die Stadthalle einst als „sein Wohnzimmer“ bezeichnete – den Unmut seiner Mitspieler zugezogen, als diese den Vorbereiter der Nation zum Torschützenkönig „machen“ wollten. „Schneckerl“ war damals überzeugt in keiner Saison – nicht mal in der Jugend – die meisten Goals erzielt zu haben und wollte es aus „Stolz“ auch dabei belassen. Seine Kameraden sahen das anders und als Herbert Sitzer zu vergeben begann und so den Mannschaftssieg gefährdete, wurden sie ungemütlich. Viele Jahre später, als die ehemalige Nummer 8 an ihrer Biografie schrieb, entdeckte der Simmeringer, dass er in seiner Jugend sehr wohl einmal Torschützenkönig gewesen war und diese fragwürdige Tradition somit nie bestanden hatte. Der Ärger – der wienerische „Köhch“ um den Kelch – war also vollkommen umsonst.

Neben Reisinger ritterten 1992/1993 Herzog, Stöger und Pfeifenberger ebenfalls um diesen Hallentitel. Doch „Reisi“, der für Salzburg kickte, setzte sich durch und krönte sich mit 13 Treffern zum Torschützenkönig. Das Turnier gewann damals die Austria, während ihr Stadtrivale Letzter wurde. Reisinger war nach Feiern zu Mute und anno 1992 quartierten sich die meisten Kicker zu solchen Anlässen in Kurt Benders Restaurant „Noodles“ (später „Lobster Dock“) in der Nähe des Wiener Musikvereins ein. So auch Andi und zahlreiche Berufskollegen. Reisinger hielt seinen ganzen Stolz im Arm. Der Kelch musste als Trinkgefäß herhalten, die Fußballerrunde füllte ihn immer wieder mit alkoholischen Getränken und reichte ihn umher.

Um fünf Uhr früh hatte Heimo Pfeifenberger dann DIE Idee: Wie wäre es, wenn man die nächste Woche skifahrend verbringen würde? Schließlich standen fünf freie Tage auf dem Programm. Pfeifenberger, der in Zederhaus im Bezirk Lungau, geboren wurde, verstand unter Freizeit im Winter nur eines: Carven und Hüttengaudi! Karl Blitzenetz, Heri Weber, Andi Herzog, Peter Schöttel und Jan-Aage Fjörtoft willigten ein. Sie verstreuten sich in ihre jeweiligen Wohnungen und packten das Notwendigste ein. Dann hieß es: Abfahrt Richtung Salzburg. In Pfeifenbergers Stammskigebiet wurde gleich nach der Ankunft ein Kaffee mit Schuss eingenommen ehe man den Gipfel erklomm. Nach ein, zwei Stunden Rutschvergnügen kehrte man in der ersten Hütte ein und bestellte die nächste Runde. Mit dabei: „Reisis“ Siegerpokal. Wie es der Wiener schaffte mit dem Humpen in der Hand auf zwei Brettern sanft die Piste hinunterzugleiten, ist bis heute ein Rätsel geblieben. Gott sei Dank verbrachten die Kicker auch genügend Zeit sitzend bei Jagatee und Germknödel. Wie schon im „Noddles“ wurde der Pokal immer wieder befüllt. Er glich dem biblischen nie leer werdenden Becher.

Kritisch wurde es nur, wenn die Trophäe im Zuge der feierlichen Handlungen zu Boden fiel. Heute erinnern zahlreiche Kratzer und Dellen an die lustige Woche, deren Quittung dann ein heftiger Kater war. Andi denkt, wenn er seinen Kelch betrachtet, nicht nur an die zünftige Runde im Lungau. Für ihn hat das verbeulte Stück Metall auch eine andere Bedeutung: „Er erinnert mich an mich – ich bin auch ein Stehauf-Manderl!“ 

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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