Mit einwöchiger Verspätung nahm am Sonntag auch Ligakrösus Red Bull Salzburg die Punktjagd um die österreichische Fußballmeisterschaft auf. In einem munteren Sonntagskick trennten sich...

Mit einwöchiger Verspätung nahm am Sonntag auch Ligakrösus Red Bull Salzburg die Punktjagd um die österreichische Fußballmeisterschaft auf. In einem munteren Sonntagskick trennten sich die Bullen torlos von Meister Sturm Graz. Damit blieb der erhoffte Befreiungsschlag nach der Europacup-Pleite gegen Metalist Kharkiv aus.
„Wir müssen eine Reaktion zeigen“, forderte Salzburgs Flügelspieler Jakob Jantscher nach der 0:4-Blamage im Hinspiel des Sechzehntelfinales der Europa League. Gegen seinen Ex-Klub zeigten sich seine Kollegen und er zwar verbessert, blieben ohne schwerwiegende Fehler, kamen aber kaum zwingend zum Abschluss. „Es war nicht einfach, nach dem 0:4 gegen Kharkiv das Vertrauen zurückzubekommen“, sagte Bullen-Coach Ricardo Moniz.

Rotation auf beiden Seiten

Wie erwartet wechselte der Niederländer im Vergleich zur Niederlage am Donnerstag kräftig durch und stellte im zentralen Defensivblock an drei von vier Positionen um. Lindgren begann anstelle des verletzen Mendes da Silvas, neben ihm spielte Svento, der gegen Metalist noch links in der Viererkette verteidigte. Dorthin rückte Hinteregger, dessen Platz in der Innenverteidigung der Finne Pasanen übernahm. Weiters gönnte Moniz Kreativgeist Leonardo eine Auszeit, ersetzte ihn mit Teigl und ließ Zarate auf der Bank. Für Argentinier lief Winterneuzugang Cristiano auf. Ebenso wie der 25-Jährige Brasilianer feierte auch Stürmer Jonathan Soriano sein Bundesligadebüt.

Sturm-Trainer Franco Foda schickte seine Mannschaft wie gewohnt im 4-4-2-System auf den Platz – im Vergleich zum 1:0-Auftaktsieg gegen Mattersburg allerdings auf drei Positionen verändert. Für Burgstaller rückte Feldhofer ins Abwehrzentrum, Klem beackerte anstelle von Kainz den linken Flügel und im Angriff stürmte Bodul erstmals nach seinem Bänderriss.

Sturms variables Pressing

Wie schon gegen Mattersburg gestalteten die Blackies ihr Pressing sehr variabel. Attackierte man zu Beginn noch relativ weit vorne, wechselte man mit Fortdauer des Spiels nur noch zwischen Mittelfeld- und noch tieferem Abwehrpressing. Durch schnelles und kompaktes Verschieben in Ballnähe konnten die Grazer vermehrt Überzahlsituation kreieren und zwangen die Hausherren, vor allem in der Anfangsphase, zu einigen Fehlern im Spielaufbau. In der eigenen Hälfte zog man bei Ballbesitz des Gegners geschickt zwei eng hintereinanderliegende Viererketten auf, zwischen die die Salzburger kaum kamen. Teigl ließ man wenig Platz, weshalb der gelernte Flügelspieler kaum konstruktive Ballkontakte hatte. Auch Moniz‘ Reaktion den 21-Jährigen auf seine angestammte Position zu ziehen und dafür Cristiano in die Mitte zu ziehen zeigte keine Wirkung. Selbst bei eigenem Ballbesitz rückten Säumel und Weber selten mit auf – ebenso wie die beiden Außenverteidiger.

Bodul und Szabics – aktive und moderne Spitzen

So waren es fast ausschließlich die beiden Stürmer die für Gefahr in Strafraumnähe sorgten. Immer wieder konnte man erkennen wie entweder Bodul oder Szabics einen Innenverteidiger Red Bulls aus der Kette zog um so Platz für den jeweils anderen zu schaffen. Außerdem wichen sie auf die Seiten aus – vorrangig die rechte, über die Wolf ein ums andere Mal zu Flankenläufen ansetzte. So auch bei Sturms größter Chance in Halbzeit eins. Zunächst gewann Bodul an der Outlinie einen Zweikampf gegen Hinteregger und spielte einen Doppelpass mit Wolf. Dessen Hereingabe schloss Klem jedoch überhastet ab anstatt auf den freien Szabics aufzuspielen. Bis auf diese Aktion hielt sich Sturms Mittelfeldspieler offensiv allerdings etwas zurück. In der Rückwärtsbewegung rückte er oft ins Zentrum ein, da sein Gegenspieler, Stefan Hierländer, ebenfalls mit Vorstößen geizte. Dies ist eine weitere Erklärung warum Sturm in der Mitte so stabil stand und lässt auch die Rechtslastigkeit im Spiel der Schwarzweißen gut erkennen.

Salzburgs Angriffsspiel

Red Bull zog sein Spiel nicht so einseitig, aber auch nach einem bestimmten Muster auf. Waren es zu Beginn noch vornehmlich lange Bälle, zu denen man von Sturms Angriffpressing genötigt wurde, nutzten die Bullen das folgende Zurückziehen des Gegners und das tiefe Stehen der Grazer Mittelfeldspieler um vom Zentrum aus die Angriffe einzuleiten. Da man im letzten Angriffsdrittel aber dort kaum Raum vorfand, wich man auf die Flügel aus. Svento, nominell als zentraler Mittelfeldspieler aufgeboten, stieß bei eigenen Angriffen oft mit nach vorne und driftete auf die linke Seite ab. Auch hier ist dies an der größten Möglichkeit im ersten Spielabschnitt zu erkennen.

Soriano brachte hinter Sventos Flanke jedoch nicht genug Druck und köpfte am Tor vorbei. Für den Spanier war dies das Highlight bei seinem ersten Bundesligaauftritt.

All Eyes On: Soriano & Douglas

Der 26-Jährige wurde in der 63. Minute ausgewechselt. 29 Ballkontakte, 75% angekommene Pässe und vier gewonnene, sowie acht verlorene Zweikämpfe runden ein durchschnittliches Debüt ab. Der ehemalige Stürmer von Barcas zweiter Mannschaft versuchte, ähnlich wie Bodul und Szabics am anderen Spielfeldende, Löcher in Sturms Hintermannschaft zu reißen. Weil aber zum einen die Unterstützung aus dem Mittelfeld fehlte und die Grazer Innenverteidigung die Räume gut zu stellte, blieb diese Strategie ohne nennenswerten Erfolg.

Ebenfalls im Fokus stand RBS-Verteidiger Douglas da Silva. Der Brasilianer leitete am Donnerstag mit seinem Lapsus nach 20 Sekunden die 0:4-Schlappe ein und wurde bereits in der 26. Minute ausgewechselt. Diesmal leistete sich der 27-Jährige keine Nachlässigkeiten und spielte seinen Part in der Innenverteidigung trocken runter. Er folgte seinen Gegenspieler auf Schritt und Tritt und kann auf eine souveräne Leistung zurückblicken. Mit knappen 84% angekommenen Pässen und 15 gewonnene Zweikämpfe, bei nur einem verlorenen, attestiert ihm auch die Statistik ein gutes Zeugnis.

Fazit

Es war ein 0:0 der besseren Sorte und eine gerechte Punkteteilung, die 5.500 Zuschauer in der Red Bull Arena zu sehen bekamen. Die Gastgeber hatten zwar mehr Spielanteile – 17:10 Torschüsse, 54%:45% Ballbesitz, 8:3 Ecken – blieben im Abschluss aber gegenüber Sturm ungefährlicher. Der Meister ließ seinen Vize mit einem engmaschigen Defensivverbund kaum in den Strafraum kommen – vier von 13 Torschüsse kamen von außerhalb. Die Taktik auf die Flügel auszuweichen und über diese zu Torchancen zu kommen war an und für sich ein gutes Mittel, scheiterte jedoch an den unpräzisen Flanken – nur vier Kopfballchancen bei zwölf Flanken und acht Eckbällen.

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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