Das Duell in dieser Partie lautete Stöger gegen Hyballa und Austria gegen Sturm Graz. Zwei Trainer, welche bei ihren neuen Vereinen einiges zu beweisen...

Das Duell in dieser Partie lautete Stöger gegen Hyballa und Austria gegen Sturm Graz. Zwei Trainer, welche bei ihren neuen Vereinen einiges zu beweisen haben und zwei Mannschaften, die in diesem Jahr wieder oben angreifen möchten. In einer chancenarmen Partie waren beide Teams offensiv ausgerichtet, wobei die Austria deutlich mehr vom Spiel hatte. Sie hatten etwas über 57% Ballbesitz und konnten einige Großchancen herausspielen, die entweder nicht sauber zu Ende gespielt wurden oder kläglich vergeben wurden: beispielsweise Simkovics Haken zu viel gegen Gratzei oder Murgs Kopfball an die Latte in den Schlussminuten. 

Verdient?

Letztendlich war die Hyballa-Elf keineswegs überlegen, nutzte aber ein Loch in der Formation für den Konter, welcher zu Okoties Tor führte. Nach Balleroberung Säumels war es Rechtsverteidiger Kaufmann, der extrem viel Raum covern konnte und den Ball im Mittelfeld hielt. Er überbrückte einen weiten Raum und konnte einen Lochpass in den Rücken der Abwehr auf Okotie spielen. Hier zeigten sich mehrere taktische Aspekte für die Austria problematisch.

Suttner war weit nach vorne aufgerückt und ließ seine Seite offen. Da die Überreste der violetten Viererkette nur teilweise auf die Seite schob und in der Höhe nicht nachschob, fehlte die Kompaktheit. Weil Okotie breit agierte, entstand außerdem ein Loch in der verbliebenen Abwehr und gleichzeitig zwang er Kaufmann, sich diagonal zu orientieren. Dieser trieb den Ball etwas und schickte Okotie auf die Reise, der im Laufduell überlegen war und nach einem guten Dribbling zum Abschluss kam. Der Führungstreffer war somit auch der Siegtreffer, den die Grazer standen hinten – ausgenommen bei zu tiefer Positionierung und schwierigen Gassenpässen der Austrianer – relativ gut.

Hyballas System – Raute oder 4-2-1-3?

Interessant wird es in dieser Saison zu sehen, wie sich Hyballa im weiteren Verlauf an den Gegner anpasst, welche Philosophie und welche Formation sich herauskristallisieren. In der letzten Partie spielte er mit einer Raute, die eine Abart des 4-3-3 statt des 4-4-2 darstellte. Gegen die Austria wählte er ein nominelles 4-2-1-3. Was gleich blieb, war die Flexibilität und die Rotationen innerhalb des Spielsystems bei gleichbleibenden Formationen. Gegen Red Bull war es noch Bukva, der aus der Position des halblinken Achters auf die Zehner-Position verschob und Bodul in den Sturm oder auf die Außen schob, um eine asymmetrische Spielweise zu schaffen.

Nun war es Bodul selbst, der gemeinsam mit Kröpfl die zwei Stürmer verschob. Nach der Halbzeit konnten man Bodul unter anderem auch zentral finden, dann wich Sukuta-Pasu auf die linke Außenbahn aus. Es gab auch den Positionstausch zwischen Okotie und Bodul oder dass Bodul – wie bei einer gefährlichen Hereingabe Okoties in der ersten Halbzeit – sehr breit blieb und die Viererkette streckte, während Kröpfl ins Sturmzentrum ging. Erst wenn Okotie bis zur Grundlinie durchbrach, dann schob Bodul etwas von seiner ballfernen Position nach innen und wartete im Rückraum oder am langen Pfosten.

Somit bildete sich gelegentlich eine Raute mit Bodul als „falscher Neun“ auf der nominellen Zehn, wobei auch der eigentliche Mittelstürmer Sukuta-Pasu (wie bei einem Distanzschuss zu Spielbeginn) gerne bis ins Mittelfeld zurück schob.

Defensiv ein 4-3-3 und ein 4-2-3-1

Beim Anlaufen gingen die Grazer mit einem Mann auf die Innenverteidiger – beziehungsweise eigentlich ohne. Sie überließen den Austrianern den Raum und mussten deshalb eine solch geringe Ballbesitzzahl ihr Eigen nennen. Stattdessen schoben sie zurück, versuchten Passwege in das Dreiermittelfeld zuzustellen und wenn die Austria im zweiten Spielfelddrittel war, dann gingen die Außenstürmer zurück. Dadurch entstand ein 4-2-3-1, welches überraschend klar in seinen vier Formationslinien erkennbar war.

Es wurde kaum ein 4-4-1-1 formiert, es schien, als ob Hyballa die Flügelstürmer anwies, entweder die Außenverteidiger beim Aufrücken zu verfolgen oder ansonsten in einer Halbposition zu zocken. Damit wurde der Raum für das Dreiermittelfeld zugestellt, wobei Kröpfl sich zwischen den Achtern und dem Sechser aufhalten sollte. Erhielt er den Ball bei einem Fehlpass, konnte er sofort mit den Außenstürmer kombinieren und der Mittelstürmer lief dann in der Tiefe, um sich für einen Lochpass anzubieten. Im Idealfall zockten die Außenstürmer ebenfalls, wenn der Ball in der Abwehrkette oder im defensiven Mittelfeld erobert wurde. Auch Okoties Tor war im Grunde eine Folge davon.

Austrias asymmetrisches System

Es scheint, als würde sich das 4-3-3 zum violetten Stammsystem entwickeln. Mit Gorgon für die Breite und diagonale Läufe bilden Jun und Linz eine verkappte Doppelspitze, allerdings haperte es etwas an der nötigen Transition aus dem Mittelfeld heraus. Vrsic und Mader hatten selten direkten Zugang nach vorne und spielten viele Bälle auf die Flügel oder nach hinten. Gefährlich wurde es dann, wenn die Grazer nach hinten wichen und vor dem Sechzehner standen. Hier konnten Lochpässe gespielt werden, allerdings hatten sie ebenso wenig Effizienz wie so vieles im Wiener Spiel.

Dennoch ist diese Asymmetrie bei besserer Eingespieltheit und mehr Dynamik aus dem Zentrum heraus eine gute Wahl. Es kann bei Bedarf ein Zweistürmersystem gebildet werden, der Linksverteidiger darf sich offensiv ausleben und rechts kann mit Gorgon sehr variabel gespielt werden. Interessant wäre es dennoch, wenn Vrsic eine Ebene nach vorne geschoben werden würde. Anstatt eines 4-1-2-3 gäbe es dann eine noch stärkere Unterteilung, ähnlich dem 4-3-3 des FC Barcelona der letzten Jahre.

Vorteile einer leichten Systemanpassung

Bei Bedarf könnte dann hinten oder vorne eine Doppelposition gebildet werden (Doppelzehn oder Doppelsechs, je nach Spielkontext), aber zeitgleich würden die unterschiedlichen Ebenen des Spiels besetzt sein.

Defensiv gäbe es mit einem klassischen Sechser einen Fixpunkt vor der Abwehr, offensiv hinter den Stürmern eine konstante Anspieloption. Idealerweise würden auch noch variable Spieler im Zentrum agieren, welche diese Positionen wechseln können. Damit würde der Aspekt der Ermüdung für den Doppelpositionen-bildenden Achter geringer werden, er könnte sich in der Defensive ausruhen – indem er Räume bei eigenem Angriffsverlauf absichert. Oder er könnte sich offensiv ausruhen – was heißt, dass er vorne bleibt und Lücken in der gegnerischen Offensivformation sucht, die er bei Balleroberung nutzen kann.

Aktuell fehlt es jedoch neben der Eingespieltheit auch am nötigen Spielermaterial. Auch offensiv wäre dann ein etwas kombinationsstärkerer Spieler als Linz gefragt, wobei hier die Frage ist, ob er sich nicht einfach zu sehr auf den Strafraum konzentriert und durchaus konstant im Mittelfeld aushelfen könnte. Eine Frage für die Zukunft für Austria-Trainer Stöger.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

  • kwaksi69

    29.Juli.2012 #1 Author

    Lieber Hr. Maric, nachdem ich die Rapidanalyse als sehr gut empfunden habe. ließ ich mir den Austria Nachschlag jetzt natürlich auch nicht entgehen. Mein Fazit ist aber, dass hier das Ganze 4-2-3-7-9-Geschwafel schon eindeutig überzogen wird … und daher schon ins eher uninteressante führt … es ist auch nett, wenn Sie Wörter wie Transition, Asymmetrie und dergleichen einbauen … der Verständlichkeit und der Lesbarkeit, dient dies allerdings nicht !!!
    Sollte nur ein kleiner Denkanstoss sein … denn es ist manchmal wesentlich verständlicher, wenn man es bei simplen Darstellungen belässt, als den Fachchargon zu sehr auszureizen !!!

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