Im ersten Sonntagsspiel der neuen Bundesligasaison trennten sich Admira Wacker Mödling und die SV Ried 0:2. Im Duell der beiden Europacupstarter machte Rieds Neuzugang... 2:0 in der Südstadt – Gartlers Tore sichern Ried Auftaktsieg

Im ersten Sonntagsspiel der neuen Bundesligasaison trennten sich Admira Wacker Mödling und die SV Ried 0:2. Im Duell der beiden Europacupstarter machte Rieds Neuzugang Rene Gartler mit einem Doppelpack in der ersten Halbzeit den Unterschied aus. Gegen das starke Defensivkollektiv der Oberösterreicher taten sich die Hausherren schwer und bleiben mit dieser Niederlage gegen Ried seit 2003 weiter sieglos.

Wir waren zu harmlos“, resümierte Admira-Trainer Dietmar Kühbauer nach dem Spiel. Sein Team verzeichnete zwar ein klares Plus an Torschüssen (9:4) und mehr Ballbesitz, wirkte aber weitestgehend ideenlos. Die SV Ried zog ihr gewohntes Spiel auf und glänzte einmal mehr durch eine hohe Effektivität sowie einer sachlichen Spielweise. „Es war wirklich eine geschlossen starke Mannschaftsleistung“, zeigte sich Coach Heinz Fuchsbichler zufrieden.

Gegensätzliche Systeme und Philosophien

Die Admira lief wie gewohnt in einer 4-4-2-Formation auf, die sich allerdings – anders als zum Beispiel bei Rapid – sehr starr präsentierte. Kühbauer setzte auf hohe Positionstreue und wenig Fluidität, dafür aber nicht auf Abräumer Mevoungou. Auf der Doppelsechs agierten stattdessen mit Toth und Schwab zwei ähnliche Spielertypen. Mit den spielerischen Mitteln der beiden wollte man also die Schwachstellte des Rieder System, das Zentrum, aushebeln. Gelungen ist das allerdings kaum. Ansonsten fand man bei den Roten im Großen und Ganzen das Personal der letzten Saison wieder. Nach Dibons Abgang bildeten wie schon zum Ende der letzten Saison Neo-Kapitän Windbichler und Drescher die Innenverteidigung.

Rieds neuer Trainer Fuchsbichler setzte wie schon seine Vorgänger auf das höchstflexible 3-3-3-1-System, allerdings mit neuem Personal. Im Sturm agierte mit Ex-Rapid-Angreifer Gartler ein Spieler mit beachtlichen technischen Fähigkeiten, die Defensive wurde mit den beiden ehemalige Wiener Neustädtern Reiter und Schicker verstärkt. So gegensätzlich die Systeme und Philosophien auch waren, in einem Punkt waren sich die Verhaltensweisen der beiden Mannschaften sehr ähnlich. Sowohl Admira als auch Ried agierten sehr asymmetrisch. Während das Spiel des Heimteams vorrangig über links lief, hatte jenes der Sportvereinigung Hang zur rechten Seite.

Rieds Dreierkette flexibel und effektiv

Dieses Spiel kann als Paradebeispiel dafür herangezogen werden um zu zeigen wie effektiv eine Dreierkette ein System mit zwei nominellen Spitzen ausschalten kann. Die Innviertler hatten in der Verteidigungsline stets eine Überzahl, auch als sich Admiras Flügelspieler hoch positionierten und die mittleren Außenbahnspieler zurückdrängten. Hosiner und Sulimani versuchten immer wieder Rieds Abwehrspieler aus der Position zu ziehen um Raum für nachstoßende Mitspieler zu schaffen, Admiras Zentralspieler agierten jedoch zu verhalten. Außerdem offenbarten die drei Verteidiger, dass sie über ein ausgeprägtes Antizipationsspiel verfügen – vor allem jenes von Reifeltshammer ist hierbei hervorzuheben. Der 24-Jährige verfolgte seinen Gegenspieler auf Schritt und Tritt, machte diesem bereits bei der Ballannahme das Leben schwer. Ähnliche Konstellationen konnte man schon beim Cup-Halbfinaltriumph letzte Saison beobachten. Auch hinsichtlich der Offensivaktionen konnte man Parallelen zum Spiel gegen Austria Wien erkennen. Hinum hatte wieder einen großen Aktionsradius, was sich nicht nur an den beiden Assists festmachen lässt. Dadurch entstand phasenweise eine extreme Asymmetrie, weil Schicker auf der gegenüberliegenden Seite seine Rolle eher konservativ auslegte. Das führte sogar so weit, dass Ried gegen den Ball mit bis zu vier verschiedenen Formationen spielte. Neben dem ursprünglichen 3-3-3-1 und dem daraus abgeleitetem 5-4-1 konnte man die Fuchsbichler-Elf auch in 4-5-1- und 4-4-2-ähnlichen Konstrukten beobachten.

Admiras Angriffe zu ausrechenbar

Diese Fluidität war bei Admira nicht einmal ansatzweise zu erkennen, die Angriffsbemühungen lassen sich mehr oder weniger auf einen Spielzug reduzieren. Einer der beiden Stürmer ließ sich im Stile eines klassischen Wandspielers in Flügelnähe fallen um den Ball zurückprallen zu lassen. Anschließend wurde mit hohen Pässen aus dem zweiten Drittel die in den Rücken der Abwehr starteten Mitspieler gesucht – in aller Regel waren dies Hosiner und Sabitzer, da das Aufbauspiel wie oben erwähnt linkslastig war. Dieses Muster im Spielaufbau war nach kurzer Zeit allerdings durchschaut – ganze elf Mal stellte Rieds Hintermannschaft die Angreifer der Mödlinger abseits. Fairerweise muss aber auch erwähnt werden, dass diese in so mancher Abseitsentscheidung zu Recht mit den Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Dintar haderten. Auch der Ausschluss gegen Windbichler hätte mit mehr Fingerspitzengefühl seitens des Unparteiischen vermieden werden können.

Unentschlossenheit beim 0:1

Im Vergleich zur Schiedsrichterleistung lässt sich aber auch Admiras Defensivspielern kein bedeutend besseres Zeugnis ausstellen, vor allem die linke Seite trägt bei beiden Gegentoren eine große Mitschuld. Beim 0:1 verschätzte sich zunächst Schrott als er einen Abschlag untersprang, danach konnte Hinum unbeirrt Richtung Strafraum marschieren. Dies war möglich weil der Abstand zwischen Mittelfeld und Verteidigung ein Stück zu groß war. Zudem wirkte Drescher unentschlossen, war sich nicht sicher ob er rausrücken oder sich auf Gartler im Sturmzentrum konzentrieren sollte. Ersteres wäre insofern riskant gewesen als er dann mit einem simplen Pass auf Nacho zu umspielen gewesen wäre, da dieser von Jezek nicht gestellt wurde. Das ungute Gefühl beim Rausrücken wurde durch Gartlers energischen Lauf und der vergleichsweise hohen Stellung von Partner Windbichler hervorgerufen. So war es im Endeffekt ein klassischer Fall von „nicht Fisch, nicht Fleisch“, wodurch Drescher das Abseits aufhob.

Passivität beim 0:2

Auch das zweite Tor ist auf individuelles Fehlverhalten von Admiras Defensive zurückzuführen, der Ausgangspunkt allerdings nicht. Die Aufstellungen implizieren, dass Ried auf den Außenbahnen nominell eine Drei-zu-Zwei-Überzahl hat, diese wurde bei Gartlers zweitem Tor ausgenützt. Zunächst hatte Reiter in der breit aufgefächerten Dreierkette im Spielaufbau viel Platz, da seine beiden Vorderleute Admiras Außenspieler hinten banden und die Stürmer auch kaum pressten. Anschließend profitierte man vom fehlenden Zweikampfverhalten von Jezek und Schrott, die ihren beiden Gegenspielern zu viel Raum anboten. Das falsche Timing des Linksverteidigers und die fehlende Antrittsstärke von Jezek sowie Gartlers Durchsetzungsvermögen taten ihr Übriges.

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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