Sowohl die Kampfmannschaft als auch die Amateure des SK Rapid hatten am Cup-Wochenende einiges zu feiern. Während die erste Elf der Hütteldorfer gegen eine... 8:0-Tore, zwei Aufstiege – Rapid makellos, aber nicht ohne Sorgenkinder

Sowohl die Kampfmannschaft als auch die Amateure des SK Rapid hatten am Cup-Wochenende einiges zu feiern. Während die erste Elf der Hütteldorfer gegen eine junge LASK Juniors Mannschaft nichts anbrennen ließ und locker mit einem 7:0-Auswärtssieg in die nächste Runde aufstieg, warfen die Rapid Amateure Bundesligist Wiener Neustadt aus dem Turnier.

Der Matchwinner des SK Rapid war Hamdi Salihi, der fünf der sieben Tore beisteuerte, während René Gartler zwei weitere Male traf. Für die Assists sorgten Drazan, Schrammel (je 2), Prokopic, Salihi und Hofmann. Salihi gelang mit den Toren vier, fünf und sechs ein lupenreiner Hattrick innerhalb von 15 Minuten, wobei er seine letzten drei Treffer allesamt per Kopf erzielte. Dennoch hatte der Sieg der Grün-Weißen kleinere Schönheitsfehler, etwa die Performance von Kapitän Steffen Hofmann.

HOFMANNS PROBLEME MIT DER 8ER-POSITION

Wie schon in der Liga kam Hofmann auf seiner neuen Position im zentralen Mittelfeld nicht immer gut ins Spiel, leistete sich in der zweiten Hälfte einige Fehlpässe. Der Deutsche, der bisher auf einer „8er“-Position, wie sie einst Branko Boskovic spielte, aufgestellt wurde, kommt mit seiner neuen Ausrichtung noch nicht hundertprozentig zurecht, kann seine starke Technik und auch Torgefährlichkeit in seiner neuen Rolle noch nicht perfekt entfalten. Seine besten Zeiten durchlebte Hofmann bei Rapid immer dann, wenn er im Mittelfeld zwei laufstarke, technisch sichere Spieler im Rücken hatten, die auch mal für Rapids 11er abräumten, wenn er seinem großen Offensivdrang freien Lauf ließ. In den letzten zwei Meistersaisonen waren das etwa Boskovic und Heikkinen bzw. Hlinka und Martinez. Die Situation ist jetzt eine andere, da Hofmann selbst einen Part auf der Halbposition übernimmt, mit mehr defensiven Aufgaben ausgestattet ist und eher selbst für seine Vorderleute Drazan und Prokopic schwitzen muss, anstatt die grundlegende Defensivarbeit anderen zu überlassen.

KANN/MUSS RAPID SALIHI HALTEN?

Salihis Fünferpack ließ zudem wieder intensive Diskussionen unter den Fans aufkommen: Auch wenn der Gegner „nur“ die B-Elf eines Erste-Liga-Klubs war, muss man fünf Tore erst mal erzielen. Da sich die Abgangsgerüchte um den Albaner weiterhin hartnäckig halten, stellt sich nun immer öfter die Frage, wie lange man in Hütteldorf noch mit Salihi-Toren rechnen darf und wie notwendig sie für das Team sind. Die oft bekrittelte, mangelnde Teilnahme Salihis am (Aufbau-)Spiel der Hütteldorfer ist ein gerne zitiertes Argument gegen eine Aufstellung des albanischen Teamspielers – im Gegenzug ist sein Torriecher und das durchaus komplette „Gesamtpaket Salihi“ im gegnerischen Strafraum eine ebenso gute Visitenkarte, wie die makellose Statistik des Mittelstürmers, der nun bereits 48 Pflichtspieltore für Rapid erzielte. Dennoch stehen die Zeichen eher auf Abschied, da eine Vertragsverlängerung Rapid hohe Summen kosten würde und man nur noch bis Ende August bzw. bis zum Ende der Transferperiode Zeit hätte, Salihi zu „vergolden“ und eine siebenstellige Ablösesumme für den 30fachen Teamspieler zu kassieren.

AMATEURE: UMBRUCH AUFGRUND VON LEIHGESCHÄFTEN

Die Rapid Amateure sorgten gegen Peter Stögers Wiener Neustädter für eine Sensation und siegten im Hanappistadion gegen den Bundesligisten mit 1:0. In der Startelf der Amateure stand mit Kuleski zwar nur ein Spieler mit Bundesligaerfahrung, dafür aber fünf Spieler, die bereits mit der Kampfmannschaft der Hütteldorfer mittrainierten. Im Vergleich zur Vorsaison stellte Neo-Coach Zoran Barisic ebenso fünf Spieler auf, die bisher nicht zum Stamm der Rapid Amateure gehörten. Der typische Amateur- bzw. Generationsumbruch fand also traditionsgemäß auch vor der Saison 2011/12 statt, nicht zuletzt weil Leistungsträger wie Jelenko, Kerschbaumer, Luxbacher oder Lebedew zu zweitklassigen österreichischen Klubs verliehen wurden, Vorjahres-Topscorer Ciftci leihweise für Wiener Neustadt kickt.

HAAS ALS NEUE SCHALTZENTRALE IM MITTELFELD

Wiener Neustadt war in der ersten Halbzeit erwartungsgemäß die tonangebende Mannschaft, konnte speziell Rapids rechte Abwehrseite, auf der Daniel Jank zunächst nicht immer sattelfest wirkte, in der Anfangsphase des Öfteren aufreißen. Die Rapid Amateure gewannen das Spiel schließlich aufgrund großer Dynamik im Mittelfeld. Vor allem Co-Trainer-Sohn Patrick Haas, der im Mai erst 18 Jahre alt wurde, ließ sein großes Talent aufblitzen, das er schon im Training der Kampfmannschaft unter Beweis stellen durfte. Haas ist ein technisch starker, wendiger Mittelfeldspieler für die Offensive und kam bisher erst in sechs Ligaspielen für die Rapid Amateure zum Einsatz. Durch die zahlreichen Leihgeschäfte wird er jedoch in der Saison 2011/12 zu einer zentralen Figur bei den Rapid Amateuren werden. Ebenso wie der ebenfalls 18jährige Mazedonier Eldis Bajrami, der in Ansätzen an den jungen Veli Kavlak erinnert, aber ebenso wie der heutige Besiktas-Legionär Probleme im Defensivspiel hat. In der zweiten Halbzeit zeigte er jedoch auch auf diesem Gebiet, welch großes Potential in ihm schlummert. Eher enttäuschend präsentierte sich Vasil Kuleski, der bereits zweimal Bundesligaluft schnuppern durfte. Der mazedonisch-stämmige Sprinter der Rapid Amateure, der unter Ex-Coach Andreas Reisinger eher auf der rechten Mittelfeldseite zum Einsatz kam, dürfte unter Barisic als Stürmer eingeplant sein, blieb gegen den Bundesligaklub allerdings blass.

KNOFLACH UND WYDRA ALS MARKANTESTE NEWCOMER

Zwei große Talente in Grün-Weiß, die man sich für die neue Saison außerdem merken sollte: Torhüter Tobias Knoflach, 17 Jahre jung, körperlich für sein Alter bereits sehr weit, gilt als der neue etatmäßige Keeper im „Amas“-Tor. Dass es bei Rapid jedoch schwer ist, sich auf der Torhüterposition durchzusetzen, ist keine große Neuigkeit – auch weil die Kampfmannschaft mit Jan Novota, der gegen die LASK Juniors statt Helge Payer zum Einsatz kam, einen neuen Legionär verpflichtete, der sich mit Payer um das Einserleiberl bei Rapid duellieren soll. Somit ist es nicht unwahrscheinlich, dass Dreierkeeper Lukas Königshofer im Laufe der soeben gestarteten Saison aus Gründen der Vernunft im Kasten der Amateure stehen wird – und das obwohl man aufgrund zahlreicher Schnitzer in der Vergangenheit nur noch bedingt mit einer großen Zukunft für den 22jährigen rechnen darf. Der zweite interessante Newcomer im Team ist der defensive Mittelfeldspieler Dominik Wydra, der im März 17 Jahre alt wurde und bereits gegen Ende der Saison 2010/11 zu ersten Einsätzen in der Amateurelf kam. Wydra erhält bei Rapid einen Jungprofivertrag, weil er ähnlich wie der zur Vienna verliehene Konstantin Kerschbaumer einer der ausgesuchten Spieler ist, die es mittelfristig in die Kampfmannschaft schaffen können. Auch der U16- und U17-Teamspieler Österreichs ist körperlich für sein Alter weit, zweikampf- und kopfballstark, kann zudem selbst torgefährlich werden und erobert hinter der Mittelfeldschaltzentrale zahlreiche Bälle. Auch er wird 2011/12 zu einer Stütze im Mittelfeld der Rapid Amateure avancieren.

„HÖLZENER“ GROZUREK ERZIELT SIEGTOR

Den Siegtreffer für die Rapid Amateure erzielte mit dem eingewechselten Lukas Grozurek ausgerechnet ein Spieler, der bisher immer wieder verschmäht wurde. Der 19jährige Ex-Sportklub-Spieler erzielte in der Vorsaison nur vier Tore in 28 Spielen für die Amateure, wirkte nicht selten ungelenk und technisch schwach. Bereits morgen geht es für die Amateure des SK Rapid weiter – die erste Runde der neuen Regionalliga-Ost-Saison wartet. Gegner in Hütteldorf ist der SC Neusiedl.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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