Im ersten Teil unserer Analyse, wieso es bei der Admira derzeit so gut läuft, machten wir vor allem die niedrige Erwartungshaltung, die jungen Spieler,... Acht Gründe für den Aufschwung der Admira (Teil 2/2)

Im ersten Teil unserer Analyse, wieso es bei der Admira derzeit so gut läuft, machten wir vor allem die niedrige Erwartungshaltung, die jungen Spieler, die Unbekümmertheit und den Bonus, die große Unbekannte zu sein, für die Erfolge verantwortlich. Hier die Gründe fünf bis acht, wieso es bei den Südstädtern derzeit wie am Schnürchen läuft!

5. Der Trainer

Bei der Admira, Rapid, in Wolfsburg oder Sociedad – wo Didi Kühbauer drauf stand, war Erfolg drin. Schon als Spieler war Kühbauer ein akribischer Arbeiter und begann, sich das Sieger-Gen anzueignen. Neben einem Europacup-Finale mit Rapid (0:1 in Brüssel gegen Paris St. Germain) erreichte er als Spieler je einen Cuptitel (1995) und eine Meisterschaft (1996, beide mit Rapid) sowie 55 Einsätze in Österreichs Nationalteam, darunter die Teilnahme an der WM 1998 in Frankreich. Nach Ende seiner aktiven Laufbahn stürzte sich der Burgenländer sofort in das Trainergeschäft. Mit den Admira Juniors feierte einen Erfolg nach dem anderen und entwickelte junge Spieler entscheidend weiter. Nach dem Abgang von Walter Schachner übernahm der junge Trainer die Kampfmannschaft des Traditionsvereins aus der Südstadt und wurde prompt Meister mit der jungen Truppe. Nach dem der Aufstieg in die Bundesliga auf der hohen Warte im Mai 2011 endgültig fixiert wurde, forderte Kühbauer aber keine große Umstrukturierung des Kaders. „Don Didi“ war der Meinung, dass sich die Spieler, die den Aufstieg geschafft hatten, eine Chance in der Bundesliga verdienen. So kam es, dass man, anders als bei vielen anderen Aufsteigern der Vergangenheit, keine aussortierten Altstars größerer Klubs verpflichtete – ganz im Gegenteil, die Mannschaft wurde weiter verjüngt, mit Hosiner, Zemann oder Seebacher wurden große Talente in die Südstadt gelotst. Der Trainer scheut sich auch nicht, große Namen aus der Mannschaft zu verbannen, wenn die Leistung nicht stimmt. Zu spüren bekam das zuletzt Keeper Hans-Peter Berger, der kurzerhand durch Tischler ersetzt wurde. Kühbauer hat das gewisse Etwas, mit dem er aus seinen Spielern das Letzte herausholen kann. Dabei dürfte ihm seine Zeit als Spieler, in der er nicht gerade als pflegeleicht galt, sehr nützlich sein. Durch seine eigenen wilden Zeiten weiß Didi genau, wie man mit Problemkindern und enfant terribles umgehen muss. „Bei mir darf ein Spieler auch mal weinen. Ohne dass er für immer und ewig ein Weichei ist.“ Es sind Sätze wie dieser in einem kürzlich erschienenen Kurier-Interview, die Didi Kühbauer zu einem außergewöhnlichen Trainer machen. Er gibt seinen Spielern das Gefühl, dass ihnen vertraut wird – und die Spieler zahlen es ihm mit guten, teilweise sogar ausgezeichneten Leistungen zurück.

6. Die fehlende Doppelbelastung

Es ist wohl eines der am öftesten strapazierten Worte bei Trainern und Managern eines Spitzenklubs. Keine Saison vergeht, ohne dass dutzende Coaches über die große Belastungen jammern, denen ihre Spieler ausgesetzt sind. Tatsächlich bringen es viele Spieler mit Testspielen, Meisterschaft, Europa League, Cup und Nationalteam auf weit über 50 Spiele in einer Saison. Dadurch steigt nicht nur das Verletzungsrisiko, die Vielzahl an Bewerbsspielen macht auch im Kopf müde. Dadurch entstand das Schlagwort der Rotation, und die Kaderlisten der Spitzenklubs wurden länger und länger. Das führt allerdings dazu, dass viele Spieler nicht oder nur selten zum Einsatz kommen – eine Zwickmühle. Die Admira kennt diese Probleme nicht. International ist man nicht vertreten, während Sturm, Salzburg oder die Austria strapaziöse Reisen und schwere Spiele unter der Woche über sich ergehen lassen müssen, lässt Didi Kühbauer seine Spieler in Ruhe regenerieren und stellt sein Team perfekt auf den nächsten Gegner ein. Auch das „Problem“ Nationalteam kennt Kühbauer nur vom Hörensagen – zuletzt erreichte mit Philip Hosiner aber seit langer Zeit wieder einen Admiraner der Ruf eines Nationalteams. Zuvor durfte sich Kapitän Christopher Dibon im Freundschaftsspiel gegen Lettland im Team präsentieren, Windbichler, Dibon, Schwab kommen regelmäßig bei Andi Herzogs U-21 zum Einsatz. Alles in Allem ist die Abstellung der Spieler zu den Nationalteams aber ein großer Vorteil für die Admira, wenn man sich ansieht, mit wie vielen Spielern beispielweise Ricardo Moniz in Salzburg während einer Länderspielpause arbeiten kann.

7. Die Neuzugänge

Wie sehr muss man von einem Team überzeugt sein, wenn der Verein gerade frisch in die höchste Spielklasse aufgestiegen ist und ein Mäzen viel Geld für neue Spieler in Aussicht stellt, und man trotzdem am (ohnehin schon jungen) Kader der Aufstiegssaison festhält und ihn sogar noch verjüngt? So geschehen bei der Admira im heurigen Sommer. Didi Kühbauer wollte keine ausgemusterten Rapidler, Austrianer oder Kicker aus der zweiten deutschen Liga. Er wollte junge, hungrige Talente, denen er durch harte Arbeit zu einer positiven Entwicklung verhelfen kann. Er bekam sie. Philip Hosiner kam als Stürmerhoffnung von der Vienna, Rene Seebacher von Hartberg, Issiaka Ouedraogo von den Red Bull Juniors. Ex-GAK- und Wacker-Recke Andi Schrott wurde von Anif aus der Versenkung geholt, Andreas Leitner stieg von den Amateuren zur Kampfmannschaft auf. Dazu kamen Emin Sulimani, der sich zuerst bei der Austria verspekulierte und dann mit dem LASK abstieg, Patrick Mevongou, den Franco Foda ursprünglich in Graz halten wollte, und Martin Zeman von Sparta Prag. Die Neuzugänge dieses Sommers weisen einen Altersdurchschnitt von 22,5 Jahren. Die Abgänge dagegen waren im Schnitt 25,0 Jahre alt. Hosiner traf von Anfang an wie am Schnürchen, Schrott hat seit der Verletzung von Stephan Palla seinen Platz in der Verteidigung sicher, Rene Seebacher stand in den ersten neun Runden in der Startelf. Eine Transferzeit, wie man sie sich nur wünschen kann. Keine echten Leistungsträger verloren, wenige, aber punktuell notwendige und qualitativ hochwertige Neue verpflichtet.

8. Das Glück

Laut Volksmund ist es ein Vogerl, das einmal kommt, und wieder geht, um schließlich früher oder später einmal wiederzukehren. In der Südstadt dürfte es dem Vogerl bislang ganz gut gefallen. Hatte man zum Saisonauftakt im leeren Hanappi-Stadion noch Pech mit späten Gegentoren, wendete sich das Blatt danach zusehends. In der vierten Runde gelang erst in Minute 83 durch Drescher das entscheidende 2:1, in der Woche darauf sicherten ein Eigentor von Inaki Bea und ein verwandelter Freistoß von Emin Sulimani in der 95. Minute (!) den Admiranern einen Punkt. Auch in den letzten beiden Runden durfte sich die Truppe von Didi Kühbauer nicht über Faulheit von Fortuna beschweren. Im Heimspiel gegen Rapid gewann man dank eines höchst umstrittenen Handelfmeters 4:3, gegen Kapfenberg stand man vor allem in der ersten Halbzeit am Rande einer Niederlage. Nur der erbärmlichen Chancenauswertung der Obersteirer ist es zu verdanken, dass die Admira auch in der elften Runde einen Punkt mit nach Hause nehmen durfte. Wie auch immer, das Vogerl scheint sich weiterhin wohl zu fühlen bei Kühbauer & Co.

Archimedes, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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