Im Topspiel der 32.Runde der österreichischen Bundesliga trennten sich der SCR Altach und Austria Wien mit einem 1:1-Unentschieden voneinander. Das Spiel wurde bestimmt durch... Analyse Altach – Austria: Kein Sieger im Duell um Europa

_Martin Scherb - SC Rheindorf AltachIm Topspiel der 32.Runde der österreichischen Bundesliga trennten sich der SCR Altach und Austria Wien mit einem 1:1-Unentschieden voneinander. Das Spiel wurde bestimmt durch eine hohe Intensität und war geprägt von vielen Zweikämpfen, bei denen es auch durchaus heiß herging. Zu Beginn sah es ganz danach aus, als würden die violetten Gäste aus Wien das Spiel klar für sich entscheiden können. Man verabsäumte es aber, die vorhandenen Chancen zu verwerten und lud darüber hinaus den Gegner quasi zum Führungstreffer ein. In der zweiten Halbzeit wurde wiederum der Gastgeber aus Altach stärker und kam zu einigen guten Gelegenheiten, die man jedoch ebenfalls nicht nutzen konnte.

Altach kehrt zum „Erfolgssystem“ zurück

Die Austria kam mit viel Selbstvertrauen ins Ländle angereist nach zuletzt drei Siegen am Stück und einem Torverhältnis von 9:1. Dadurch hatte man auch wenig Grund für Veränderungen und vertraute auch weiterhin auf das neue 4-1-4-1. Einzig der gesperrte Rotpuller wurde durch Kadiri in der Innenverteidigung ersetzt.

Die Gastgeber aus Altach kehrten hingegen nach zuletzt einigen sieglosen Spielen – in denen man sich vermehrt in einem 4-4-2 formierte – zum 5-3-2 System aus dem erfolgreichen Herbst zurück. Dabei spielte womöglich das letzte Duell der beiden Mannschaften in den Überlegungen des Trainers Scherb ebenfalls eine Rolle, wo die Altacher einen verdienten Sieg bei der Austria feiern konnten. So versuchte man das Ballbesitzspiel der Austria nur in ungefährlichen Zonen im ersten Drittel zu ermöglichen und zog sich zu Beginn mit der gesamten Mannschaft in die eigene Hälfte zurück. Interessant war dabei zu beobachten, dass man im Gegensatz zum letzten Duell nicht versuchte die Spieleröffnung der Austria in gewisse Zonen zu leiten, um dort dann für Überzahl zu sorgen und sie zu Fehlern zu zwingen. Die Stürmer der Altacher versuchten erst gar nicht wie im Hinspiel eng beieinander zu stehen und den Spielaufbau des Gegner durch geschicktes Anlaufen zu lenken, sondern ließen die Passwege ins Zentrum weitestgehend offen. Man versuchte vielmehr, sobald der Pass auf die Seite gespielt wurde dort die Kollegen zu unterstützen, während der ballferne Stürmer auf Ballgewinne und die Möglichkeit auf ein schnelles Umschalten lauerte.

Gleichzeitig veränderte sich auch die Anordnung im zentralen Mittelfeld. Man stand oft quasi in einem Dreieck im Zentrum da, was die Altacher wohl von der Admira abschaute, die mit einer ähnlichen Anordnung zuletzt die Austria bezwingen konnte. Damit wollte man wohl auch für eine bessere Staffelung sorgen und sich nicht mehr so leicht aufreißen lassen. Jedoch offenbarten sich immer wieder gruppentaktische Probleme bei den Vorarlbergern. Die Abläufe im Defensivverbund wirkten dabei oft nicht stimmig und die Austria schaffte es immer wieder gefährlich zu werden.

Austria startet dominant und tonangebend

Die Gäste aus Wien liefen wie bereits erwähnt wieder in ihrer 4-1-4-1 Grundformation auf, hatten jedoch einige Anpassungen im Gepäck. So wurde das Aufbauschema etwas verändert und Holzhauser spielte vermehrt tiefer und kippte durchaus auch ab und zu nach hinten ab. In der Regel übernahm jedoch Serbest zumeist die Rolle des abkippenden Sechsers und bewegte sich immer wieder sehr gut im Spielaufbau und schaffte dadurch stabile Verbindungen in den ersten beiden Spielfelddrittel. Interessant war auch zu sehen, dass Kapitän Grünwald vermehrt auf die rechte Seite von Larsen auswich und dieser dafür hoch nach vorne schieben konnte. Auf der anderen Seite hingegen kippte der Außenverteidiger Martschinko zu Beginn häufig ins Zentrum ab und sorgte zusätzlich für stabile Verbindungen. Durch das tiefe Verteidigen des Gegners konnte die Austria relativ rasch in den gewohnten Rhythmus finden, da man relativ ungehindert kombinieren und sich den Gastgeber quasi zurechtlegen konnte. Gleichzeitig schaffte man durch den flexiblen Spielaufbau gute Strukturen, wodurch die Vorarlberger auch in der eigenen Hälfte keinen ordentlichen Zugriff bekamen.

Daher überrascht es nicht, dass die violetten Gäste nach gut 20 Minuten eine Passquote von 92 (!) Prozent aufweisen konnten und das ist wohl auch ein deutlicher Ausdruck für die Überlegenheit der Veilchen und den fehlenden Zugriff der Altacher. Die Austria bereitete immer wieder die Angriffsbemühungen in Ruhe vor und fand eine gute Balance zwischen tiefer Ballzirkulation und direktem gezielten Offensivspiel. Obwohl sich der Gastgeber mit der gesamten Mannschaft in der eigenen Hälfte befand, gelang es der Austria den Gegner immer wieder auseinander zu ziehen und dann die aufklaffenden Lücken zu bespielen. Speziell über die Seite konnten sich die Veilchen immer wieder befreien und dann durch schnelle Seitenwechsel oder Flanken den Gegner aufreißen. So hatte speziell der dribbelstarke Tajouri durch seine guten Bewegungen immer wieder die Möglichkeit für Gefahr zu sorgen und stellte die Abwehr der Gastgeber vor einige Probleme.

Altach nimmt Einladung des Gegners zur Führung dankend an

Die Austria erspielte sich so in den ersten 20 Minuten des Spieles eine drückende Überlegenheit. Einerseits kam man auf einen hohen Ballbesitzanteil von zwei Dritteln, andererseits münzte man diesen auch in gute Torchancen um und speziell Kayode hätte in der Anfangsphase für eine komfortable Führung sorgen können. Vor allem nach Flanken wurden die Abstimmungsprobleme der Altacher in der Defensive entblößt und man agierte viel zu passiv. Selbst nach eigenen Ballgewinnen blieb es höchstens in Ansätzen gefährlich und das eigene Umschaltspiel kam überhaupt nicht in Gang. Da kam es durchaus gelegen, dass Holzhauser im Spielaufbau einen katastrophalen Fehlpass fabrizierte. Dadurch kam es zu einer Drei gegen Drei Kontersituation, wo die Austria-Abwehr auch noch auf Abseits spielte, statt sich fallen zu lassen und den Angriff des Gegners zu verzögern, um den Mitspielern ein Zurückkommen zu ermöglichen. Die Altacher nahmen die Einladung der Gäste dankend an und spielten den Angriff schnörkellos und durchaus sehenswert zu Ende und trafen somit entgegen dem Spielverlauf völlig überraschend zum 1:0.

Die Führung tat den Gastgebern aus dem Ländle sichtlich gut und man wirkte infolgedessen etwas griffiger und stabiler in der Defensive. Der Austria hingegen war der Schock durchaus anzusehen und man war nicht mehr so gefestigt und ballsicher wie noch vor dem Gegentreffer. Darüber hinaus geriet man etwas aus der Balance und bereitete die Angriffsbemühungen nicht mehr so überlegt vor wie noch zuvor. Dadurch konnte man sich auch kaum mehr gefährlich vor das gegnerische Tor kombinieren, während die Vorarlberger immer besser in die Partie fanden und selbst auch mal längere Ballbesitzphasen verzeichneten. In der Phase schlug dann die Austria etwas überraschend zu und erzielte den Ausgleich. Nach einem schnell vorgetragenen Angriff und einer Maßflanke von Tajouri köpfte Kayode zum 1:1 ein.

Austria wackelt, Altach wird mutiger

Nach der Pause änderte sich überraschend die Charakteristik des Spieles etwas. Die Altacher stellten zur Halbzeit um und agierten fortan wesentlich höher und rückten immer öfter mit der gesamten Mannschaft deutlich weiter nach vorne auf. Die Austria wirkte durch die Umstellung durchaus überrascht und fand daraufhin kaum mehr in ihren Rhythmus im Ballbesitzspiel. Der Gegner stellte einerseits bereits die Abstöße zu und zwang die Veilchen zu vielen langen Bällen, aber auch nach Ballverlust pressten die Altacher wesentlich aggressiver und standen teilweise mit der gesamten Mannschaft in der Hälfte der Gäste. In der Phase konnte sich die Austria kaum mehr geordnet befreien und blieb insgesamt viel zu passiv. Man offenbarte auch einige Schwächen im gruppentaktischen Verhalten in der Defensive. Einerseits rückte man kaum mehr heraus und stand zu tief in der eigenen Hälfte, wodurch auch der Weg für das eigene Umschalten nach vorne zu weit wurde. Man war gezwungen, viele unkontrollierte lange Bälle nach vorne zu spielen und konnte das Spiel kaum mehr beruhigen. Andererseits hatte man mit der eigenen Durchsicherung und Übernahme der Gegenspieler Probleme und so bekam man kaum Zugriff auf den Gegner. Die Altacher konnten immer wieder problemlos im Angriffsdrittel kombinieren und die Austria schaffte es kaum noch Druck auf den Ball und Gegner zu erzeugen.

Flanken, Flanken, Flanken

Die Heimmannschaft zeigte zwar kaum variantenreiche Angriffsmuster und fokussierte sich vordergründig auf das einfache und schnörkellose Flügelspiel mit zahlreichen Flanken in den Strafraum aus jeglicher Lage, was man auch bereits aus dem Herbst unter Canadi meist zu Gesicht bekam. Das reichte jedoch bereits, um einiges an Gefahr zu erzeugen und zu guten Chancen zu kommen. Speziell nach Flanken von der linken Seite hatte die Austria große Probleme mit dem weit aufgerückten ballfernen Flügelverteidiger Lienhart, für den sich keiner zuständig sah und der zu einigen guten Gelegenheiten kam. In der Phase dürfen sich die Veilchen bei ihrem Schlussmann Hadzikic bedanken, der einige Chancen mit tollen Paraden vereiteln konnte. Erst nach gut 70 Minuten konnte die Austria das Spiel wieder mit eigenen längeren Ballbesitzphasen beruhigen. Man brachte dadurch das Spiel wieder unter Kontrolle und entlastete damit vor allem die eigene Defensive. Den Altachern ging zunehmend die Puste aus und man konnte Offensiv nicht mehr zusetzten.  Es kam auch zu einigen aussichtsreichen Umschaltaktionen für die Gäste in der  Schlussphase, die man jedoch liegen ließ und nicht ordentlich zu Ende spielte. So blieb es auch letztlich beim 1:1 Endstand.

Fazit

Eine intensiv geführte Partie endete letztlich durchaus leistungsgerecht mit einem 1:1 Unentschieden. Beide Mannschaften hatten jeweils gute und weniger gute Phasen im Spiel, wobei das Spiel bereits in der Anfangsphase entschieden hätte sein können. Die Altacher kamen durch eine Einladung der Gäste zurück ins Spiel und stabilisierten sich dadurch im Nachhinein deutlich. In der zweiten Halbzeit konnte man sich dann jedoch wesentlich mehr Chancen als der Gegner erarbeiten und hätte das Spiel auch gewinnen können. Die Austria hingegen muss sich vorwerfen lassen, in der ersten Halbzeit den Sack nicht zugemacht  und den Gegner letztlich auch etwas wiederbelebt zu haben. Im zweiten Spielabschnitt agierte man phasenweise zu passiv und bettelte förmlich um den Gegentreffer. Erst gegen Ende hin brachte man das Spiel wieder unter Kontrolle und sorgte somit für den wichtigen Punktegewinn. Somit bleibt der Kampf um den Europacup auch weiterhin spannend.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic